Der Freischreiber-Zukunftskongress am 18. September: Peter Glaser – "Nennen wir´s Arbyte."

Am 18. September laden wir nach Hamburg zum Freischreiber-Zukunftskongress. Bis dahin stellen wir an dieser Stelle Teilnehmer und Referenten vor. Heute: der Blogger, Autor und Internet-Vordenker Peter Glaser. Er wird auftreten in einer Diskussion, die wir "Was heißt hier Qualität?" genannt haben. Christoph Samsinger von der international tätigen Agentur Zenithmedia erläutert darin, nach welchen Qualitäts-Kriterien Werber journalistische Produkte beurteilen und warum sie in manchen Medien lieber keine Anzeigen mehr schalten. Michalis Pantelouris, der das Blog print-wuergt.de betreibt, nennt anhand konkreter Beispiele die wichtigsten Kriterien, die aus Journalismus Qualitätsjournalismus machen. Und Peter Glaser wird über die Frage sprechen: Ändern sich Qualitätskriterien im Online-Journalismus?

 

1. Herr Glaser, warum haben Sie unsere Einladung zum Zukunftskongress angenommen?
Weil ich glaube, dass da die Leute sind, zu denen ich gehöre. Ich rechne damit zu sehen, dass wir viele sind und dass es redet und rauscht vor Ideen. Ich möchte etwas tun, und nicht getan werden, deshalb folge ich dieser Einladung. Peter Sloterdijk hat mal geschrieben: “Es gehört zu den Ironien des Metiers, dass man als einsamer – und warum nicht auch hochmütiger – Einzelner beginnt, um im Lauf der Arbeit zu begreifen, dass wir zur Vielstimmigkeit verdammt sind.” Ich rechne damit, dass sich diese Verdammnis als eine ganz wunderbare Sache herausstellt.

2. Wird der Journalismus im Internetzeitalter schlechter oder besser?
Der Journalismus wird transparenter, verletzlicher und schneller, getriebener. Information ist schnell, aber Wahrheit braucht Zeit, und Zeit ist eine beschränkte Ressource. Das Internet gibt immer mehr Menschen die Möglichkeit, über die Welt zu berichten, das heißt, es gibt einerseits immer mehr journalistische Gattungen, von Blogs bis zu den Textlegebatterien von Demand Media. Und es gibt immer mehr Zugriffsmöglichkeiten auf erstklassige Geschichten und damit das Standardproblem, dass die Zivilisation sich sozusagen in eine Zuvielisation verwandelt. Wie man dieses Problem bewältigt, sollte niemand besser wissen als Journalisten.

3.Was sollten freie Journalisten Ihrer Ansicht nach tun, um der Zukunft frohgemut entgegen sehen zu können?
Ihre Arbeit. Oder etwas Neues, das sich aber im Kern gar nicht so sehr unterscheidet von dem, was sie bisher gemacht haben. Nennen wir's Arbyte.

"Haltet die Augen auf und macht euer eigenes Ding."

Am 18. September laden wir nach Hamburg zum Freischreiber-Zukunftskongress. Bis dahin stellen wir an dieser Stelle Teilnehmer und Referenten vor. Heute: Thomas Friemel, der 2010 einen eigenen Verlag gründete, um das Wirtschaftsmagazin Enorm – Wirtschaft für den Menschen herauszubringen.

 

1. Warum haben Sie unsere Einladung zum Zukunftskongress angenommen?
Weil ich wissen möchte, welche Probleme, Wünsche und Hoffnungen die freien Autoren bewegt. Wir von "enorm" sind in unserer täglichen Arbeit auf die Freien angewiesen und legen gemäß unserer Philosophie großen Wert auf eine gute und faire Beziehung zu allen Beteiligten an unserem Projekt. Und weil ich natürlich unser Magazin vorstellen möchte.

2. Trotz Krisenstimmung in der Branche haben Sie 2010 mit enorm in Eigenregie ein viel beachtetes Magazin auf den Markt gebracht. Welche Dinge waren ausschlaggebend für euren erfolgreichen Start?
Das waren eine ganze Menge. Ein paar Schlagworte: Marktlücke, hohes Engagement und hohe Professionalität im gesamten Team, Überzeugung, ideelle Investoren, ein hervorragendes Netzwerk, Knowhow - und Lebenspartner, die den ganzen Wahnsinn mitgemacht haben.

3. Welche Botschaft möchten Sie den freien Journalisten am 18. September mit auf den Weg geben?
Haltet die Augen auf und macht euer eigenes Ding.

Freischreiber feat. The Village People

Und eins, und zwei, und eins, zwei, drei …

"Freischreiber! Komm doch zu Frei-schrei-heibäher!"

Und jetzt alle zusammen: "Freischreiber! Komm doch zu Frei-schrei-heibäher!"

Als kleine Gedankenstütze: Das Original.

"Im Medienmarkt schlafen viele müde Hunde – man sollte selbst die flinke Katze sein"

Am 18. September laden wir nach Hamburg zum Freischreiber-Zukunftskongress. Bis dahin stellen wir an dieser Stelle Teilnehmer und Referenten vor, die davon erzählen, warum sie für diesen Kongress ihr Wochenende opfern. Nach Prof. Bernhard Pörksen, Freischreiberin Silvia Michèle Bergmann und Daniel Nauck, Geschäftsführer der Multimedia-Produktionsfirma 2470media, beantwortet diesmal Christoph Zeuch einige Fragen.

 

1. Christoph, warum hast Du die Einladung zum Freischreiber-Zukunftskongress angenommen?

Ich finde es wichtig, sich mit der Medienentwicklung pragmatisch auseinanderzusetzen. "Machs' dir selbst" ist endlich mal das passende Motto. Im Medienmarkt schlafen viele müde und überfütterte Hunde schon viel zu lange. Nur durch ein „Aufwecken" wird man erfahren, ob sie überhaupt noch leben, wie zuträglich sie sind, ob sie nur kläffen oder gut erzogen sind. In jedem Fall sollte man selbst die flinke Katze sein, deren Freigeist niemand unterschätzen kann.

2. Du selbst bezeichnest dich als „Unternehmer-Journalist". Was ist der größte Unterschied zum „normalen“ freien Journalisten – und sollte wirklich jeder freie Journalist jetzt zum Unternehmer werden?

Es gibt juristisch keinen Unterschied, denn freie Journalisten sind bereits selbstständige „Unternehmer" – viele haben sogar einen Gewerbeschein. Wie unternehmerisch geprägt sie Gebrauch von Produktionsmöglichkeiten machen und womöglich in direkte Konkurrenz zu ihren eigenen Kunden treten, steht auf einem anderen Blatt. Unternehmertum bedeutet immer Wettbewerb. Man schränkt sich ein, riskiert, gestaltet und hat womöglich andere Chancen. Das geht mit Optimismus, Erfahrung und Vertrauen in das eigene Können – kommt jedoch im digitalen Medienzeitalter mit wesentlich geringeren Investitionskosten aus. Jede Story war schon immer eine bedeutende Investition in die Zeit. Wer dieses Risiko nie eingeht, ist auf keinen Fall „Unternehmer“ – vielleicht auch kein wirklich „freier“ Journalist.

3. Was erwartest Du vom Freischreiber-Zukunftskongress?

Ich suche Journalisten, die eine digitale Lokalzeitung selbst und optional in Gemeinschaft mit vielen anderen anpacken möchten. Das Kennenlernen anderer Kolleginnen und Kollegen und deren Blick auf die Szene – das ist für mich Inspiration. Ich stehe total auf altmodisches „social networking“.

 

Christoph Zeuch ist Gründer und Kopf von altona.info  und diskutiert auf dem Kongress mit Markus Grill (Der Spiegel, Netzwerk Recherche) und Benno Stieber (Freischreiber) über die Frage: Was ist noch Journalismus?

Warum kommen Sie zum Zukunftskongress? Heute: Daniel Nauck

Am 18. September findet in Hamburg der Freischreiber-Zukunftskongress statt. Bis dahin sollen hier im Blog einige Teilnehmer vorgestellt werden. Nach Prof. Bernhard Pörksen und Freischreiberin Silvia Michèle Bergmann fragen wir heute Daniel Nauck, freier Fotograf und Geschäftsführer der Multimedia-Produktionsfirma 2470media:

1. Warum habt Ihr unsere Einladung angenommen, am 18. September zum Zukunftskongress nach Hamburg zu kommen?
 
Weil die Freischreiber mit uns Freelensern unbedingt zusammenarbeiten sollten. Als Fotojournalisten freuen wir uns auf den Austausch mit den schreibenden Kollegen.
Er ermöglicht uns einen Perspektiventausch. Als vorwiegend visuell geschulte Journalisten können wir von der Herangehensweise der Schreiber lernen. Im Gegenzug hoffen wir, zeigen zu können, dass gute Bilder mehr sind als nur Illustration.

2. Welches Projekt wird 2470media vorstellen?
 
Unser Studio ist auf Kooperation ausgerichtet. Die Multimedia-Reportagen, die wir produzieren, sind das Ergebnis der Vernetzung von Fotografen, Printredakteuren, Fernsehredakteuren, Motion Designern und Cuttern. Wir sind Spielplatz und Testlabor in einem. Und wir glauben, dass Filme, die von Print-Leuten gemacht werden, anders aussehen als Fernsehen.

3. Wie könnte die Zukunft für freie Fotografen und Autoren aussehen?
 
Ich denke, die Zukunft liegt in der multimedialen Aufbereitung von Inhalten und in der Zusammenarbeit im Rahmen flexibler Arbeitsstrukturen. Man kommt für Projekte zusammen, arbeitet an virtuellen Knotenpunkten oder trifft sich in journalistischen Begegnungsräumen. Das heißt: Wir werden kooperativer arbeiten und eigenständiger publizieren.

Warum kommen Sie zum Zukunftskongress? Heute: Eva-Maria Schnurr

Eva-Maria Schnurr arbeitet als freie Journalistin in Hamburg, ist stellvertretende Vorsitzende von Freischreiber und eine der treibenden Kräfte hinter dem Zukunftskongress, der am 18. September stattfinden wird. Hier erklärt sie warum.

Warum kommen Sie zum Zukunftskongress? Heute: Silvia Michèle Bergmann

Am 18. September findet der Freischreiber-Zukunftskongress statt. An dieser Stelle wollen wir bis dahin einige derer vorstellen, die an diesem Tag nach Hamburg kommen werden. Den Anfang machte Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, der eine der beiden Keynotes zu Beginn halten wird. Heute kommt Silvia Michéle Bergmann zu Wort, sie ist seit einem halben Jahr Freischreiber-Mitglied.

 1. Silvia, warum hast Du Dich entschlossen, am 18. September zum Zukunftskongress zu kommen?

Weil virtuelle Netzwerke wie Xing oder Twitter kein Ersatz für persönliche Kontakte sind. Nach meiner Erfahrung haben gerade die Einzelkämpfer unter den Freien meist die größten Probleme, ihren Unterhalt zu bestreiten – weil sie sich zu selten vom Computer loseisen. Das will ich vermeiden. Die Freischreiber habe ich als Netzwerk kennengelernt, wo im Gegensatz zu anderen nicht gejammert wird, sondern angepackt. Ich suche Austausch, will Kollegen kennenlernen und Ideen mit nach Hause nehmen – deswegen geh ich zum Kongress.

2. Derzeit wird viel über die Zukunft spekuliert. Was ist Deine persönliche Vision?

Ich will als Freie arbeiten können, bis ich alt und grau bin und über genau die Themen schreiben können, die mich interessieren. Ich glaube, Internet oder Print ist dabei gar nicht der springende Punkt, sondern es geht um die Frage, wie wir unseren journalistischen Grundwerten treu bleiben und Geld verdienen können. Das wird nur gehen, wenn man ein gutes Geschäftsmodell und ein schlüssiges Konzept hat.
 
3. Welche Erwartungen hast Du als freie Journalistin an die Referenten, die am 18. September Vorträge oder Workshops halten?

Vor allem, dass sie gut vorbereitet sind und uns mit Selbstdarstellungsblabla verschonen! Aber ich erwarte auch von den anderen Teilnehmern, dass sie sich aktiv einbringen und nicht auf mundgerechte Ideenhäppchen warten. Die Workshopthemen sind alle nah dran an meinem Arbeitsleben – ich hoffe, dass sie so mit Leben gefüllt werden, dass ich inspiriert nach Hause gehe, mit Anregungen in der Tasche, von denen ich jetzt noch gar nichts ahne.
 
Silvia Michèle Bergmann (Foto: privat) ist seit einem  halben Jahr bei Freischreiber. Weil sie als PR-Journalistin mehr und mehr gezwungen war, geleckte Gefälligkeitstexte abzuliefern, arbeitet sie seit 2009 als Freie. Heute schreibt sie u.a. für die Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau und den Kölner Stadt-Anzeiger über Trends & Innovationen, Existenzgründung, Wissenschaft & Bildung.

Ihr Honorar beträgt -7 Prozent

Freien Journalisten, die für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten arbeiten, wird auf ihre ohnehin kargen Honorare von den Anstalten keine Umsatzsteuer aufgeschlagen, da die Anstalten eine Umsatzsteuer-Zahlung unter Hinweis auf ihre eigene Steuerbefreiung verweigern. Die Finanzämter fordern von den Journalisten dennoch sieben Prozent Umsatzsteuer von jedem Honorar ein – so dass freie Rundfunkjournalisten um sieben Prozent ihrer Einnahmen geprellt werden. Das ist nicht hinnehmbar, finden die Freifunker – die bei Freischreiber organisierten Hörfunk-Journalisten und -autoren.

Freie Hörfunk-Journalisten sind in der Regel umsatzsteuerpflichtige Freiberufler. Das bedeutet: Sie müssen, wie jeder andere Unternehmer auch, von jedem Honorar sieben Prozent Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Normalerweise addiert man auf das jeweilige Netto-Honorar die Umsatzsteuer von sieben Prozent und weist das auf der Rechnung aus.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten jedoch zahlen auf Honorare keine Umsatzsteuer, weil sie als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten von der Umsatzsteuer befreit sind. In den Honorarbestimmungen sichern sich die Anstalten dadurch ab, dass sie sinngemäß behaupten, jegliche Steuern seien gegebenenfalls in den Honoraren bereits enthalten. Auf einer Honorarabrechnung des Saarländischen Rundfunks sieht das dann so aus (die schlechte Wiedergabequalität bitten wir zu entschuldigen):

                 

Den Finanzämtern ist das jedoch egal – sie fordern trotzdem sieben Prozent Umsatzsteuer von jedem Honorar ein. Sieben Prozent, die die Autoren zuvor aber gar nicht erhalten haben. Im Ergebnis werden den Hörfunk-Freien sieben Prozent vom Verdienst genommen – und das Prinzip der Umsatzsteuer wird ad absurdum geführt.

Wer die Honorarminderung schon gleich auf der Abrechnung der Sendeanstalt schwarz auf weiß sehen will, befolgt den Hinweis auf der Rückseite:

       

Von dem Honorar – im vorliegenden Fall waren es 750 Euro für ein 25-minütiges Feature – werden dann in der Buchhaltung der Rundfunkanstalt sieben Prozent abgezogen und als Umsatzsteuer deklariert. Das eh schon karge Honorar – in so einem Feature steckt viel, viel Arbeit – schrumpft also auf 700, 93 Euro.

Wir sehen darin eine Benachteiligung. So sind freie Lehrbeauftragte an den Universitäten per Gesetz (§4 Abs. 21 UstG) ebenfalls von der Umsatzsteuer für die Honorare der Universitäten (die umsatzsteuerlich den öffentlich-rechtlichen Anstalten ähnlich gestellt sind) befreit. Wir fordern daher ebenfalls eine Befreiung von der Zahlung jener Umsatzsteuer an das Finanzamt, die sie zuvor von den Anstalten gar nicht erhalten haben.

Da die Rundfunkanstalten von sich aus an ihrer Praxis nichts ändern wollen, kann diese Ungleichbehandlung nur auf parlamentarischem Wege geändert werden. Die Hörfunkautoren in den Reihen von Freischreiber haben die Forderung daher dem Vorsitzenden des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages, Volker Wissing (FDP), und in Kopie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schriftlich zukommen lassen.

Wir hoffen auf tatkräftiges Handeln, über den Fortgang werden wir hier beizeiten berichten.

Leistungsschutzrecht: Freie Journalisten sollen künftig für Webangebote zahlen!

Offenbar wird beim Leistungsschutzrecht genau das verhandelt, was der Berufsverband Freischreiber von Anfang an befürchtete: Freie Journalisten sollen zahlen, wenn sie auf Webseiten von Presseverlagen recherchieren. Fatal an diesem Vorhaben ist, dass die verhandelnden Gewerkschaften dju und djv eine solche Regelung offenbar hinnehmen wollen.

Die Katze aus dem Sack ließ ver.di-Justitiar Wolfgang Schimmel jetzt in einem Interview mit dem Fachmagazin promedia. Dort sagte Schimmel: „Es ist nicht einfach, freie Journalisten im Gesetz von Vergütungsansprüchen freizustellen“. Da die Berufsbezeichnung „Journalist“ nicht geschützt sei, dürfe sich prinzipiell jeder in Deutschland Journalist nennen.

Die Verfechter des Leistungsschutzrechtes wittern offenbar die Gefahr, dass sich zu viele von der Zahlungspflicht an die Verlage befreien lassen könnten, indem sie als Berufsbezeichnung „Journalist“ angeben.

Um das Problem zu lösen, müssten freie Journalisten gesonderte Verträge mit der künftigen Online-Verwertungsgesellschaft der Verleger schließen. Diese Verträge sollen so gestaltet sein, dass freie Journalisten auf keinen Fall mehr bezahlen müssen als sie aus dem neuen Leistungsschutzrecht erlösen.

Nach Meinung von Freischreiber e.V. läuft dies auf ein Nullsummenspiel (mit erheblichem Bürokratiemehraufwand für freie Journalisten) hinaus. Sollten die Vorstellungen der Verleger Wirklichkeit werden, würden festangestellte Journalisten in jedem Fall vom Leistungsschutzrecht profitieren, freie Journalisten dagegen nicht oder kaum. Dies würde das ohnehin bestehende Einkommensgefälle weiter verschärfen.

Wir Freischreiber sind erstaunt über die offensichtliche Bereitschaft der verhandelnden Gewerkschaften, eine Spaltung in Journalisten 1. und 2. Klasse zuzulassen. 

Warum kommen Sie zum Zukunftskongress? Heute: Bernhard Pörksen

Am 18. September findet in Hamburg der Freischreiber-Zukunftskongress statt. An dieser Stelle wollen wir bis dahin diejenigen vorstellen, die wir zu diesem Tag eingeladen haben. Den Anfang macht Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, der eine der beiden Keynotes zu Beginn halten wird.

1. Warum haben Sie unsere Einladung angenommen, am 18. September zum Zukunftskongress zu kommen?

Weil ich mich im Kreis von intelligenten Optimisten immer wohl fühle. Weil ich glaube, dass die Apokalyptiker der Journalismusbeobachtung ihre Deutungshoheit verlieren sollten. Und weil ich bemerke, dass sich eine Phase der kreativen Selbstermutigung andeutet, die nun auch organisatorisch eine Form bekommt. Mir scheint: Charmanter als die Freischreiber kann man nicht missionieren.
 
2. Ohne zu viel über Ihre Rede verraten zu wollen: Welche Botschaft wollen Sie den freien Journalisten am 18. September mit auf den Weg geben?

Die zentrale Botschaft habe ich meinem akademischen Lehrer, dem Kybernetiker Heinz von Foerster, geklaut. Er kam mit 49 Jahren – mittellos, mit einem schrecklichen Englisch – in die USA und hat einfach noch einmal von vorne angefangen und eine gewaltige Karriere hingelegt, angstfrei, vibrierend vor Kreativität. Sein Kernsatz lautet: „Handele stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“
 
3. Sie haben einmal gesagt, dass Angst die schlechtestmögliche Haltung ist, um den Journalismus in die Zukunft zu führen. Welche ist nach Ihrer Überzeugung die beste?

Am Besten scheint mir eine paradoxe Bewusstseinslage geeignet, die man utopisch gestimmte Nüchternheit nennen könnte: eine Kombination aus fröhlichem Idealismus und einer dann doch vorhandenen Erdung in der ersten Wirklichkeit des Marktes. Mehr dazu dann in den frühen Morgenstunden des 18. September.
 
Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Gemeinsam mit dem Kybernetiker Heinz von Foerster schrieb der den Bestseller „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners."

Inhalt abgleichen