Flimmern und Rauschen

Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern: 1978 hat der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ein bemerkenswertes Plädoyer für einen fernsehfreien Abend gehalten. Der Aufruf wurde, jedenfalls von der Mehrheit, nicht befolgt, gab aber Anstoß zu einer gesellschaftlichen Diskussion. Fernsehfreier Abend? Mittlerweile wissen wir vor lauter Kanälen und Sendern gar nicht mehr, wo wir hinzappen sollen. Soviele Programmplätze müssen bestückt werden. Von Autoren, Regisseuren, Kameraleuten, Tontechnikern, Cuttern und vielen anderen. Lange Zeit galt die Tätigkeit beim Fernsehen als „in“. Auch viele Printkollegen schielten zu den Anstalten. Immerhin ein Medienberuf mit Glanz und Glamour, sollte man meinen. Und dazu kamen Gerüchte, dass man dort wohl auch viel Geld verdienen könne. Aber die Wirklichkeit sieht längst ganz anders aus. In einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) stellte sich heraus, dass die Autoren im Dokumentarischen einen Stundenlohn von sage und schreibe unter 10 Euro haben. Die Arbeitsbedingungen vor allem der Freien Kolleginnen und Kollegen haben sich in den vergangednen Jahren immer weiter verschlechtert. Mittlerweile wollen die Fernsehschaffenden aber diese Situation nicht mehr einfach so hinnehmen. In Leipzig hat sich nun die Interessengemeinschaft Freie Fernsehschaffenden (IG-FF) gegründet. Auch “bei den freien Fernsehschaffenden ist das Maß voll” meinen die Fernsehkolleginnen und Kollegen. In einem Brief an die Intendantin des MDR formulierten sie ihren Ärger: „Als das erfolgreichste dritte Programm lässt sich die Dreiländeranstalt MDR feiern. Doch im Schatten dieses Erfolgs wachsen die wirtschaftlichen Probleme von freien Fernsehschaffenden. Die, die einen großen Teil des Programms liefern, müssen seit über 15 Jahren gleichbleibende oder sogar sinkende Honorare und unbezahlte Überstunden hinnehmen und sich gegen die ständige Verletzung ihrer Urheberrechte wehren.“ Den Brief haben bisher über 100 Kameraleute, Cutter, EB-Techniker und Autoren namenlich unterzeichnet. Wir gratulieren zur Gründung. Es kann gar nicht genug Stimmen für Freie in allen Disziplinen geben. Und wir sollten bald überlegen, wie wir gemeinsam für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen eintreten können. Wer weiß, vielleicht bleibt ja eines Tages die Glotze wirklich mal dunkel. Wir wünschen derweil einen schönen Fernsehabend.