Hölle, Hölle, Hölle

Zugegeben, es überrascht uns nicht, dass sich manche der nominierten Hölle-Kandidaten über den ausgelobten Preis öffentlich ärgern. Das ist ihr gutes Recht. Denn weder die Vorschläge noch die durch die Jury nominierten Kandidaten gehören wissenschaftlich messbar zu den fiesesten Redaktionen der Republik. Doch die eingesandten Mails haben wir überprüft und stellten bei der Gegenrecherche häufig genug fest: Die Einhaltung des Code of Fairness funktioniert mal besser, mal schlechter, manchmal sogar besonders schlecht oder aber auch nur in einem, aber wesentlichen Punkt nicht gut. Mit dem Preis verbinden wir den Wunsch, die Zusammenarbeit zwischen freien Journalisten und Redaktionen zu verbessern. Wenn wir jetzt damit eine Diskussion beginnen, die naturgemäß kontrovers geführt wird, hoffen wir, dies im Sinne beider Seiten zu tun: für eine gute, kreative und faire Kooperation. Doch wir möchten uns auch entschuldigen: dafür, dass wir erst heute und damit zu spät, die Begründungen für die Hölle-Kandidaten veröffentlichen. Zu Recht hat dies für einigen Unmut gesorgt, nicht zuletzt bei denen, die darüber abstimmen sollen und wollen. Die Jurybegründungen lauten: Für Sie: Freie Autoren empfanden hier eine Bandbreite an Verstößen gegen den Code of Fairness: Die Absprachen in Bezug auf Thema und Honorar erlebten sie oft als unklar, Zusagen als nicht verbindlich. Sie hatten den Eindruck, dass unterschiedliche Redakteure, mit denen sie zu tun hatten, einander widersprechen. Der Rechercheaufwand werde ihrer Meinung nach unrealistisch eingeschätzt und entsprechend gering vergütet. Schwierig fanden sie auch, dass Autorenhonorare als All-Inclusive-Entlohnung begriffen würden, so dass Fotos, Bildunterschriften, Info-Kästen nicht extra vergütet werden. Auch der Umgang mit Interviewpartnern, die Suche nach „Fällen“, schien ihnen nicht immer mit journalistischen Grundsätzen vereinbar. Schwierig fanden freie Autoren auch, dass ihre Texte durch viele Hände gingen und ihnen die unterschiedlichen Redigierstufen und -kriterien nicht plausibel seien. Neon: An unserer Umfrage teilnehmende, freie Journalisten kritisierten an Neon den Umgang mit Themenvorschlägen. Hier gebe es eine Unschärfe, welche das Vertrauen in das in vielen anderen Punkten geschätzte Magazin erschüttere. Kritik ist schwierig, weil der Ursprung einer Idee selten nachzuweisen ist. Ideen entwickeln sich, werden in Konferenzen oft erst konkretisiert oder bekommen in der Redaktion einen anderen Dreh. Freie Autoren benötigen hier besonderen Schutz. Wer ein Thema vorschlägt, muss nach den Maßstäben des Code of Fairness als Urheber anerkannt und honoriert werden. Freie Autoren empfanden die Kommunikation als mangelhaft. Sie wünschten sich von Neon mehr Transparenz sowie einen respektvolleren Umgang mit ihren Ideen. Spiegel Online: Hier empfanden freie Journalisten die Honorare als unangemessen niedrig. Der Rechercheaufwand würde nicht angemessen vergütet. Auch würden Spesen und Reisekosten nicht übernommen. Freie Autoren hatten den Eindruck, dass Rückmeldungen sehr lange dauerten und Texte lange liegen blieben. Sie wünschten sich bessere Kommunikation, mehr Verbindlichkeit und schnelleres Feedback. Einige Autoren empfanden die Zuspitzung ihrer Themen als unverhältnismäßig. Als nicht akzeptabel kritisierten sie Autorenverträge, welche von ihnen eine umfassende Abgabe der Rechte verlangten.