Grillduft, Olympialuft und Schreib-Maschinen
Liebe Leserin, lieber Leser,
auch, wenn der Grillduft des Nachbarn verführerisch durch die offene Balkontür hereinzieht - ein Freischreiber-Newsletter kennt kein Hitzefrei! Also mitten rein in die interessantesten und wichtigsten News für Freie. Wobei, viel los ist nicht in dieser Woche, das gleich vorhergeschickt, vermutlich war das Wetter einfach zu gut.
Soll ja ohnehin Menschen geben, die ab kommendem Wochenende erst mal nur ein Thema kennen: Olympia. Wen abseits der Rekorde auch Hintergrundinfos und -recherchen interessieren, oder wer die ganze Veranstaltung ohnehin für korrupt und dopingverseucht hält, dem sei ganz dringend der hervorragende Blog des Sportjournalisten und Freischreiber-Förderers Jens Weinreich ans Herz gelegt: Er weilt in London und hat für die olympischen Spiele eine eigene Themenrubrik angelegt.
Wir bleiben in London und empfehlen einen Artikel über den dort erscheinenden "Guardian", den ja viele für eine der besten Zeitung der Welt halten. Das Blatt wartet immer wieder mit journalistischen Glanzleistungen auf und wird für sein Online-Konzept gefeiert - und trotzdem klappt das mit dem Geldverdienen nicht richtig, die Auflage sinkt. "At the heart of the Guardian's problems is a crucial question: how much does good journalism matter? Or rather: how much is it worth?" heißt es in einem lesenswerten Artikel aus der britischen GQ.
Was also läuft falsch bei den Zeitungen, fragt sich auch "The European". Und hat eine Theorie: Es fehlt an Vielfalt, alle rennen den gleichen Themen hinterher und keiner traut sich, mal was ander(e)s zu schreiben. Letztlich fehlt es an Mut zu Investitionen, was bleibt ist eine Verwaltung des Mangels: "Wenn also Redaktionen zusammengekürzt und Inhalte vielfach verwertet werden, dann hat das ganz reale Auswirkungen auf die Bandbreite dessen, was viele von uns als journalistisches Tagesgericht aufgetischt bekommen." Den ganzen Artikel gibt es hier.
Die "Contentisierung" des Journalismus beklagen wir Freischreiber ja schon seit unserer Gründung, schließlich merken wir die fehlende Vielfalt ganz real auf dem eigenen Konto: Die Verlage verwerten zweit, dritt und viert, "Content" geht vor echten Inhalten und wer als Leser nicht merkt, dass er da ganz schön auf den Arm genommen wird, der hält vermutlich auch die olympischen Spiele für ein Fest edler Sportsleute. Wundern da noch die sinkenden Auflagen?
Aber halt: Wer nun das Schriftstellerdasein als Alternative aus einer Hirnwindung links hinten oben zieht, der lese vorher die Erfahrungsberichte zweier Autoren, die Gesine von Prittwitz auf ihrem Blog veröffentlicht hat. Auch den Buchverlagen geht's vor allem um Content, liest man dort: "Ich kann wirklich verstehen, warum immer mehr Autoren desillusioniert sind. Man arbeitet als Kreativer und bekommt Vorgaben wie eine billige Schreibkraft. Statt Schrift-Steller ist man „Schreib-Maschine“."
Und nun? Die schlimmsten Fälle von Schlechtbehandlung und Contentisierung (oder die Verlage, die schon lobenswerte Alternativen dazu gefunden haben) sollten Sie für den diesjährigen Himmel-und-Hölle-Preis vorschlagen, wie genau das geht, steht hier.
Und außerdem empfehlen wir Treffen, Austausch und gemeinsames Pläneschmieden und Rebellieren. Und dafür gibt es unsere
TERMINE
Gleich ein ganzes Wochenende mit Gleichgesinnten haben die Münchner Freischreiber organisiert. Sie rufen zum Einsatz im Bergwald auf: Zum Bäume pflanzen, die Natur besser verstehen lernen und sich in geselliger Runde miteinander austauschen. Die Aktion findet vom 7.-9. September statt, es sind noch 5 Plätze frei, die Teilnahmegebühr beträgt 20 Euro.
Zusammen mit Förstern des gemeinnützigen Vereins Bergwaldprojekt geht es ins Allgäu, übernachtet wird auf der Oberen Socherhütte bei Balderschwang, das Team des Bergwaldprojekts sorgt für die Verpflegung. Vergangenes Jahr wurden von den Freischreibern unter Anleitung etwa 800 kleine Weißtannen in Steilhänge gepflanzt. Dieses Jahr soll hier angeknüpft werden. Anmeldung per Mail an mail (attt) andreamertes.de, danach bitte 20 Euro Teilnahmegebühr auf das Konto 2654832 (Konto Andrea Mertes), BLZ 67230000 (MLP Bank) überweisen. Anreise ist am Freitag gegen Mittag, Fahrgemeinschaften sind von München aus möglich.
Außerdem stehen die nächsten Termine für den Münchener Stammtisch fest, schon einmal notieren bittschön: 6. August, 3. September und 1. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr im "Kreuzberger", Westermühlenstraße 32.
Die Hamburger Freischreiber laden am 2. August zum Sommer-Dämmertörn auf die Elbe und anschließend je nach Wetterlage ins Oberstübchen (über dem Golden Pudel Club) oder in den Liegestuhl auf Strandpauli. Abgelegt wird mit der Barkasse "Frau Hedi" pünktlich um 19:30 Uhr an den Landungsbrücken, Dock 10 Innenkante. Begleitet wird die Tour von den „Stewardessen“: Sagenhaften Ladies mit mehrstimmigem Pop und ausgeliehenen Songs. Da das Hedi-Team kein Kontingent reserviert, sollte jeder, der mit schippern will, möglichst bald eine Karte über die Frau Hedi Webseite oder im St.Pauli Tourist Office bzw. im Burnout-Record Store kaufen. Nachzügler, die den Sprung aufs Boot nicht rechtzeitig geschafft haben und später (ab ca. 21.30) im Oberstübchen bzw. auf Strandpauli mit trinken wollen, rufen am besten einen von uns unter 0177-6039295 an und fragen, wo die Feierei fortgesetzt wird. Wie immer sind auch Nicht-Mitglieder willkommen.
Die Berliner Freischreiber treffen sich das nächste Mal am Donnerstag, 23. August ebenfalls um 19.30 Uhr. Zu Gast ist Jonas Viering, Pressereferent beim Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam und bis 2010 freier Journalist und Freischreiber-Mitglied. Wir wollen mit ihm über diesen Seitenwechsel sprechen, über den professionellen Umgang mit Pressestellen, aber auch über den Stellenwert von Umwelt- und Klimathemen in der Berichterstattung. Anmeldungen bitte an gemma.poerzgen - ätttt - gmx. net. Wie immer sind auch Nicht-Mitglieder willkommen.
Und nochmal zur Erinnerung: Freischreiber lädt am 21. September zur Diskussion mit dem Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments Alexandder Alvaro und dem Journalistenberater im Auftrag der EU-Kommission Robert Sedlak (unter anderem). Es geht um Strategien der EU zu Datenschutz und Urheberrecht. Wie sollen Kreative in Zukunft für ihre Arbeit entlohnt werden? Können Google und Facebook neue Regeln zum Datenschutz aufzwingen? Das Internet hat die Arbeitswelt revolutioniert, alte Regeln gelten nicht mehr, aber welche sind die neuen? In einem zweiten Teil wird es dann um die Praxis gehen: Wo finden Journalisten Infos zum Datenschutz, wer sind die richtigen Ansprechpartner. Mehr Infos und die Anmeldung finden Sie hier.
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Eine sonnige und grillwürstchenreiche Woche wünschen
die Freischreiber
