Hölle, Hölle, Hölle
Liebe Leserin, lieber Leser,
the show goes on! Der Freischreiber Himmel-und-Hölle-Preis wird am 24. November zum zweiten Mal verliehen, und wir haben die Ehre, die erste Nominierung zu verkünden, tatatataaaa: „Sonntag aktuell“ für den verweigerten Dialog mit seinen freien Mitarbeitern über den merkwürdigen Umgang mit Autorenrechten. Wir gratulieren recht herzlich.
Ist ja schon ziemlich höllisch, aber ist das noch zu toppen? Wir präsentieren in den nächsten Wochen mehr Nominierte – und sammeln weiter Vorschläge. Auch für den Himmel-Preis können Sie noch Redaktionen nominieren. Das Reglement und die Adresse, an die Sie himmlische und höllische Vorkommnisse melden können, finden Sie hier.
Natürlich sollten Sie die Preisverleihung und die anschließende Party in München nicht verpassen – für Freischreiber-Mitglieder gibt es noch einen Grund, schleunigst ein Ticket für den 24. November nach München zu reservieren: Die Mitgliederversammlung, bei der ein neuer Vorstand gewählt, über die Zukunft von Freischreiber diskutiert und entschieden wird.
Um das vorzubereiten, trafen sich 25 Freischreiber am Wochenende im Wendland zu einer Sommerklausur. Die Köpfe rauchten, die Ideen stoben nur so durch den Raum und wir kehrten mit einem Strauß an Vorschlägen zurück, die wir bis zur Mitgliederversammlung ausarbeiten und den dort Versammelten vorstellen wollen. Wir versprechen: es lohnt sich, zu kommen!
So gut gestimmt kehrten wir aus dem Wendland zurück, dass wir erst kaum glauben konnten, was wir am Mittwoch vernehmen mussten: Dass das Bundeskabinett nun doch den Entwurf für ein Leistungsschutzrecht verabschiedet hat.
Tja, da kann man nur gratulieren zu einem wirklich höllischen Lobby-Erfolg der Verlage. Die FAZ zeigt ihren Stolz auf die erfolgreiche Politiker-Gehirnwäsche auch ganz unverholen – oder ist es doch Ironie, die wir nicht verstanden haben?
Der Entwurf soll in einer Version in den Bundestag gehen, die so schwammig ist, dass Kommentatoren jede Menge Gerichtsprozesse befürchten, die erst einmal klären müssen, was gemeint ist.
"Ein unmögliches Gesetz" findet deshalb irights.info.
Der Perlentaucher hat am Donnerstag auf die Feuilleton-Presseschau verzichtet und stattdessen das geplante Gesetz und die Halbwahrheitspolitik der Verlage kommentiert.
Ob freie Journalisten nun noch betroffen sind? Kommt wohl darauf an, wie die Gerichte die schwammigen Formulierungen auslegen, denn auch nach dem neuen Entwurf steht im Raum, dass gewerbliche Blogger zur Kasse gebeten werden.
Aber es gibt ja noch eine Hoffnung: die Abgeordneten. Die müssen dem Gesetz nämlich noch zustimmen, und vielleicht machen sich die PolitikerInnen doch noch die Mühe, zu verstehen, was sie da eigentlich entscheiden? Bei Indiskretion Ehrensache findet sich ein Text, den es sich dazu zu lesen lohnt.
Auch Freischreiber-Mitglied Stefan Niggemeier hat noch einmal die "Scheinargumente für ein Leistungsschutzrecht" auseinander genommen - lest, liebe Politiker, lest und denkt!
Ansonsten ist ohnehin zu befürchten, dass die Sache nach hinten losgeht und jede Menge juristischer Ärger, aber gar keine neuen Einnahmen für die Verlage dabei herumkommen. Einige Startups haben bereits angekündigt, auf die Verlinkung zu Verlagsangeboten zu verzichten, wenn das Gesetz durchkommen sollte.
Was lernen wir daraus? Lobbyismus funktioniert bei Politikern ganz prima. Doch um angebliche "Copyright-Piraten" vom Wert der eigenen Arbeit zu überzeugen, könnte eine Charmeoffensive der bessere Weg sein. Das jedenfalls scheint die Strategie der Buchverlage, die in den Dialog über ihre Arbeit eintreten und mit einer Transparenzkampagne für Verständnis werben wollen.
Was aber, wenn Verlage, wie wir sie kennen, bald abgelöst werden von ganz neuen Medienunternehmen? Twitter, Facebook und Co. sind auf dem besten Weg, sich zu Verlagen zu entwickeln, meint Wolfgang Michal und wagt einen Ausblick auf Carta.
Da hilft nur: Besser werden, mehr anstrengen, meint Pauline Tillmann, die in der Jury des Reportagepreises für junge Journalisten saß und eine Inflation des Mittelmaßes beklagt. Klingt erst mal ziemlich selbstgerecht - aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass eine steile These zu einer fruchtbaren Debatte führt. Hier und hier gibt es Gegenstimmen, Pauline Tillmann hat auch schon wieder geantwortet.
Meckern und offen Kritik üben schadet ja ohnehin nicht, jedenfalls nicht immer. In einem der vorigen Newsletter hatten wir über die junge Journalistin berichtet, die sich für Volontariate beworben und nur unmoralische Angebote zu indiskutablen Konditionen erhalten hatte. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem Blog aufgeschrieben – und nun ein offenbar faires Volontariat angeboten bekommen, das sie im Oktober antritt.
Wenn das nicht mal gute Nachrichten sind.
Und damit zu unserem
SERVICE
Ist ja auch in diesem Newsletter nicht zu übersehen, dass das Thema Urheberrecht für Journalisten immer wichtiger wird. Allerdings gibt es noch viel zu wenige Freie, die sich – auch als Autoren – damit wirklich auskennen. Wer das ändern will, meldet sich flugs für das – kostenlose!!! - Seminar von Freischreiber am 21. September in Berlin an, bei dem es um die Strategien der EU zum Thema geht. Hier noch ein paar Details zum Seminar, für alle Unentschlossenen. Besseren Einblick bekommt man kaum - und einen echten Informationsvorsprung! Hier alle Infos.
Sie sind bei Facebook und machen dort Werbung für sich als freien Journalisten? Dann sollten Sie diesen Artikel über die Impressumspflicht dort lesen.
Ein Seminar „Schreiben über Rechts“ bietet das Projekt „Gegen Rechtsextremismus“ der Friedrich Ebert Stiftung am vom 23. bis 26. Oktober in Berlin an. Die Fortbildung kostet 200 Euro, die Übernachtung ist inbegriffen. Weitere Infos hier.
Vorstellen möchten wir den Verein „Journalisten helfen Journalisten“, der in Erinnerung an einen in der Berufsausübung erschossenen Kollegen weltweit Journalistinnen und Journalisten helfen will, die in Kriegs- und Krisengebieten in Not geraten. Die Zahl der Freien unter den Mitgliedern habe in den letzten Jahren stetig zugenommen, teilten uns die Kollegen mit, und wer sich über die Arbeit informieren will, klickt hier.
AKTIVITÄTEN VON FREISCHREIBERN
„Vom Versuch nicht weiß zu schreiben. Oder: wie Journalismus unser Weltbild trägt“ heißt das neue Buch von Freischreiber-Mitglied Charlotte Wiedemann, das im September erscheint. Die Auslandsreporterin schreibt in ihrem persönlichen Werkstattbericht u.a. darüber, wie Arbeitsbedingungen von Journalisten ihre Berichterstattung beeinflussen, wie fremde Länder in deutschen Medien vorkommen und plädiert für einen Journalismus des Respekts.
Freischreiber Henry Steinhau moderiert am 15. September in Bonn eine Podiumsdiskussion zum Thema „Analysieren: Neue Studien zum Online-/Crossmedia-Journalismus“, bei der es u.a. um die Frage geht, ob Onliner anders schreiben als ihre Print-Kollegen. Infos hier.
TERMINE
Die Münchner Freischreiber versammeln sich am 3. September zum Stammtisch. Zu Gast ist der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger, um über Chancen und Risiken des Internets für Journalisten zu diskutieren. Treffpunkt ist das Ladenbüro von Anna Fuhrmann und Heidi Schmidt in der Senftlstraße 2 um 19.30 Uhr. Knabbersachen und Getränke sind wie immer herzlich willkommen – und natürlich auch Nichtmitglieder. Anmeldung bitte bei Esther Niederhammer, kontakt (ätt ) esther-niederhammer.de.
Die Berliner Freifunker treffen sich am Dienstag, den 4. September um 20.00 Uhr im Biergarten Schleusenkrug (im Tiergarten Nähe Bahnhof, bei schlechtem Wetter drinnen). Es wird Infos über die Service-Website der Freifunker geben, außerdem einen Bericht von der Freischreiber-Sommerklausur im Wendland.
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Eine himmlische Woche
wünschen
die Freischreiber.
