Christoph Amend: "Freie erweitern das Spektrum"
Gestern haben wir hier gezeigt wie öde und leer das "Zeit Magazin" ohne Freie aussähe. Heute sagt dessen Chefredakteur Christoph Amend, wie wertvoll Freie für sein Magazin sind.
Christoph Amend: Wir arbeiten regelmäßig mit freien Journalisten zusammen, sei es bei Reportagen oder Interviews, bei persönlichen Stücken, sei es bei Rubriken wie etwa der "Deutschlandkarte" oder in unserer Reihe "Ich habe einen Traum". Warum? Sie erweitern das Spektrum des Magazins, sie kommen auf andere Ideen, haben andere Kontakte.
Die freien Journalisten sind eine große, ziemlich heterogene Gruppe, eine Verallgemeinerung verbietet sich da genauso wie bei der Bewertung der Gruppe von fest angestellten Kollegen. Wir bekommen viele Vorschläge von freien Journalisten und versuchen, sie so schnell wie möglich zu beantworten. Wir bezahlen unsere Autoren je nach Arbeitsaufwand, natürlich spielt auch die Exklusivität ihrer Geschichten eine Rolle. Ein Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen der freien Autoren und der Qualität ihrer Geschichten ist uns bewusst, und wir versuchen hier, das Bestmögliche zu erreichen. Aber natürlich sind auch wir an Budgets gebunden, die in diesen insgesamt schwierigen Zeiten nicht steigen. Und alle unsere Autoren, selbstverständlich auch die freien, bekommen ihre redigierten Texte rechtzeitig zum Gegenlesen.
Soweit der Chefredakteur des "Zeit Magazins".*
*Unsere Fragen, die Christoph Amend per Mail beantwortet hat, lauteten:
1: Wäre das "Zeit Magazin" ohne freie Journalisten so gut, wie es ist?
2: Welche Bedeutung haben freie Journalisten für Ihr Magazin? Und
3: Was sind Freie Ihnen wert? Wieviel zahlen Sie, und warum?
4: Oft werden Freie nicht nach Abgabe ihres Textes bezahlt, sondern erst
5 : Wem gehört das, was freie Journalisten schreiben? Wie gehen Sie mit
6: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen freier
Morgen setzen wir an dieser Stelle den ersten Teil unserer Freiflächen-Kampagne fort mit einem Gastbeitrag des Hamburger Journalistik-Professors Stephan Weichert. Er nimmt eine kurze Blattkritik des "Zeit Magazins" vor, sagt, was ihn erfreut und was ihn mittlerweile daran nervt – und er beurteilt die Bedeutung freier Journalisten für das Heft.
Kommentare
Amend sagt: Wir bezahlen unsere Autoren je nach Arbeitsaufwand, natürlich spielt auch die Exklusivität ihrer Geschichten eine Rolle.
Amend meint: Wir bezahlen Autoren streng nach dem, was wir vom bestellten Arbeitsaufwand verwenden. Wenn wir den Text um die Hälfte kürzen, zahlen wir auch nur die Hälfte.
Was hier nur zwischen den Zeilen anklingt ist die Tatsache, dass Redaktionen wie das Zeit-Magazin durch die Vorschläge von Freien nicht nur einen großen Fundus an Geschichten bekommen, sondern auch ganz viele Anregungen, aus denen sie sich in Konferenzen dann ihre Reportagen, Interviews etc. stricken können. Diese Anregungen bekommen die Freien gatrantiert nicht bezahlt. Und ob sie die Aufträge bekommen, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Ein Zeit-Redakteur sagte vor einigen Tagen zu mir: Wir wissen, dass die Freien Journalisten von den Honoraren nicht leben können und auf andere Einkünfte angewiesen sind. Daher vergebe ich keine Aufträge mehr an sie, weil ich nicht weiß, welche anderen Interessen sich möglicherweise in dem Artikel finden.
Ich finde es gut, dass ihr jetzt auch die Fragen online gestellt habt, die an Amed gestellt wurden. Es ist doch bezeichnend, dass einige Aspekte (Urheberrecht, Merhfachverwertung) im Grunde nicht beantwortet werden, bei anderen wiederum ist die Antwort mehr als schwammig. Das ist sicherlich auch der Form der Befragung geschuldet, beim persönlichen Gespräch kann man besser nachhaken und insistieren. Ich fände es sehr spannend, wenn Freischreiber vielleicht 2010 mal persönliche Gespräche mit Redaktionsleitern aufnehmen könnte, da wird möglicherweise offener gesprochen.
Was heißt denn "schwierige Zeiten"? Verliert Die Zeit etwa an Auflage? Schreibt der Verlag rote Zahlen?
Liebe Freischreiber-Kollegen,
diese Idee, das Interview mit Christoph Amend online zu setzen, finde ich mehr als gut. Zeigt es doch, dass die Situation bei den "Großen" für Freie nicht anders ist als in der Fläche bei den vielen regionalen Tageszeitungen, Magazinen etc.. Fragt sich, wie schnell sich etwas durch die neuen Urteile und Vereinbarungen zum Thema Vergütungsvereibarungen und Buy-Out-Verträge ändert.
Ich versuche momentan in der Region Mittelhessen das Modell des spendenfinanzierten oder durch Mäzenatentum gestützten unabhängigen freien Journalismus bekannter zu machen. Zumindest das Echo, das ich auf der Straße bekommen habe, lässt hoffen, dass die Zeit dafür "reifer" ist als noch vor drei oder fünf Jahren. Im Internet, sprich über Kommentarfunktion tun sich die Leute allerdings schwer, hierzu eine Meinung preiszugeben.
Ich werde in einem Blogartikel, den ich zum Thema verfasse, einen Hinweis und einen Link auf diesen Artikel setzen.
Mit besten Grüßen aus Mittelhessen
Christoph von Gallera / Mittelhessenblog.de
Vorstandsmitglied DJV Ortsbverband Gießen
PS: Falls es Freischreiber-Kollegen in der mittelhessischen/hessischen Region gibt, würde ich mich über einen Kontakt freuen.
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