Der Freischreiber-Tarifservice

Wie viele Zeilen müsste ich schreiben, um das Gehalt meines Putzmanns auf dem Konto zu haben? Und wie viele Artikel ergeben ein Arzt-Gehalt? Die Antworten gibt jetzt der kleine Freischreiber-Tarifrechner auf einen Blick. Sie können ihn mit Hilfe einer Schere ganz einfach selbst basteln und werden von seinem Nutzen sofort überzeugt sein!

        Der kleine Freischreiber-Tarifrechner

Freischreiber reagiert mit dem Werkzeug auf Veränderungen ab 1. Februar 2010. Dann werden "Gemeinsame Vergütungsregeln" unsere Honorare bei Tageszeitungen bestimmen. Die Gewerkschaften dju und DJV haben die Vereinbarung nach sechs Jahren mit den Zeitungsverlegern ausgehandelt.

Freischreiber lehnt die Vereinbarung ab. Denn die festgeschriebenen Honorarsätze machen professionellen Journalismus unmöglich.

Kommentare

Danke für all Eure Arbeit! Leider ist es noch schlimmer. Denn es handelt sich bei unseren Honoraren um Umsatz, nicht um das Bruttoeinkommen. Wir müssen davon also noch Kosten (Miete, Telefon, Reisekosten, Versicherungen, PC-Spezialist, Anschaffungen, etc.) und den Arbeitgeberanteil der Sozialversicherungskosten (also Teil unserer Rente, Krankenversicherung etc.) zahlen. Zudem: Aufträge für die schnellen einfachen Artikel bekommen wir Freien selten. 1 Woche für 1 Seite FAZ, Tagesspiegel, Zeit, etc. ist keine Seltenheit.

 Für die Ehre?

Da wir offenbar mehr und mehr für die Ehre arbeiten sollen/müssen ansonsten aber übliche (steigende) Preise für Miete, PC-Support, Versicherungen zahlen müssen (und das meist schneller als wir bezahlt werden): Wie wäre es mit einer Aktion "Für die Ehre", wo Bäcker, Restaurants, Vermieter, PC-Spezialisten etc. mittels eines Siegels deutlich machen, dass wir ihre Leistungen für ein Hungerlohn in Anspruch nehmen dürfen. Natürlich verbunden mit PR.

 Klage: Angemessene Bezahlung

Laut Gesetz ist eine angemessen Bezahlung vorgesehen. Das BGB schreibt dies (wenn kein Vertrag vorliegt) dies ebenfalls vor. Gibt es Chancen für entsprechende Klagen?

Man sollte die Bedeutung dieses neuen Tarifvertrages nicht allzu hoch hängen. Es gab auch bisher bereits Vereinbarungen zwischen den Tarifpartnern, an die sich die Verleger in der Vergangenheit nicht gehalten fühlten. Warum sollten sie das dann plötzlich in Zukunft machen? Die Heilbronner Stimme zum Beispiel hat sich seit einiger Zeit noch eine besondere Variante der Ausbeutung ausgedacht: die Redakteure müssen offenbar für jeden Auftrag, der an Freie rausgehen soll, erst mal ehemalige Praktikanten aus der letzten Zeit fragen, ob sie den Auftrag übernehmen. Wenn ja, dann erhalten die pro Zeile 0,15 € für ein Bild ein Albtraumhonorar von 10 €. Diese Praxis wird sich mit Sicherheit nach dem Abschluss des neuen Tarifwerkes nicht ändern, weil wir Freien offensichtlich über keinerlei wirksame Hebel verfügen, mit denen wir unsere Forderungen durchsetzen können.

Die neuen Honorarregelungen sind weitaus besser als das, was bislang da war - und doch nicht genug. Ist es wirklich notwendig, diesen Job zu  jedem (um jeden) Preis zu machen? Gäbe es keine beruflichen Alternativen zur Ausbeutung? Als ich 1993 Freier wurde, gab es einige Gespräche mit Tageszeitungen. Auf die Honorarvorstellungen wollte ich mich nicht einlassen. Seither arbeite ich ausschließlich als Fachjournalist und nur für die, die anständig zahlen. Für zehn Euro die Stunde würde ich putzen gehen oder kellnern - aber nicht schreiben. Das soll nicht verächtlich sein gegenüber jenen, die es dennoch tun. Aber vielleicht eine Anregung.

Wie soll ich bei meinem Auftraggeber wohl mehr Honorar fordern? Es gibt ja noch genügend andere, die auch arbeiten wollen...

Hat eigentlich irgendeine Tageszeitung über die neuen Vergütungsregeln etwas geschrieben?

@ Tom: Die Sueddeutsche und die Taz haben zumindest gemeldet, dass wir die Vergütungsregeln ablehnen.

@ Tom: Ich habe gerade mal beim Zeitungsverlegerverband geguckt, selbst die haben nichts darüber vermeldet. Die Regelung scheint denen demnach ziemlich egal zu sein. Vielleicht weiß M. Hirschler dazu etwas? 

Hallo!

Im Internet gibts eine Unterschriftenliste, von mir initiiert, in der man DJV und dju/verdi darum bitten kann, über die Regelungen nicht im Eilverfahren abzustimmen, sondern eine Diskussion darüber unter freien Journalisten zu ermöglichen und zu gestalten, und auch einige Anregungen anschließend in der verbandsinternen Diskussion zu berücksichtigen. Bislang ist nämlich vorgesehen, noch in dieser oder nächster Woche die Regelungen endgültig festzuzurren.

Innerhalb weniger Stunden haben schon knapp 150 Leute unterschrieben.

www.ipetitions.com/petition/verguetungsregelungen

Eine ausführliche Stellungnahme zur der bislang geäußerten Kritik findet sich jetzt in den "Nachrichten vom Bau" aus der Feder des DJV-Verhandlungsführers Benno H. Pöppelmann unter http://frei.djv-online.de/?p=810

Die Ausgaben der Freien werden oben schon sehr schön aufgelistet. Es kommen aber natürlich zu dem dort erwähnten PC-Spezialisten noch der PC selber samt dazugehörigem Schreibtisch und anderen Büromöbeln und Arbeitsmaterialien. Nicht genannt wurden zudem noch Urlaub (die Zeit muss in den anderen Monaten reingeholt werden) und Tage von Krankheit (dito). Erwähnt werden muss auch noch, dass fest angestellte Mitarbeiter im Falle einer Kündigung eine Abfindung in nicht unerheblicher Höhe erhalten. So etwas entfällt bei Freien selbstverständlich auch.

 

Der Übersicht halber also noch mal die Liste dessen, was mit den Honoraren abgegolten werden muss:

Büromiete, Computer, Drucker, Büromöbel (Schreibtisch, Schreibtischstuhl, Regale etc) , Büromaterial (Papier, Ordner etc), Telefon, Onlinekosten, Reisekosten, Versicherungen, PC-Support, Renten- und Krankenversicherungen, Urlaubsgeld, Krankheitsgeld.

Fazit: die Verlage, gerade auch jene, die politisch und intellektuell die Nase hoch halten, spielen in einer Liga mit Schlecker und Lidl – jedenfalls den Freien gegenüber.


@ Tanja, kann es sein, dass die Weiterleitung nicht mehr funktioniert?

@Dirk Ja, ich fürchte, der Server ist down. Keine der Online-Petitionen geht im Moment. Noch hoffe ich, dass sie gerade ein Morgen-Update machen (ist ja ne amerikanische website). :-(

wau, ich spüre unendlich viel energie hier im forum. da sollten wir was draus machen! meckern, dass der pc-spezi zu teuer ist ist doch öde....

wer kettet sich mit mir vor einer der druckereien an ;-) ???

 

glück auf

daniel

 

Das ist ja alles richtig, aber ständiges Gejammere (und so kommt es bei mir an) wirkt meiner Meinung nach kontraproduktiv. Ich erinnere mich an Taxifahrer, Brummifahrer oder Milchbauern, die über ihr Los klagen und dass sich die Arbeit nicht lohne. Nur: Es gibt immer noch Taxifahrer, Brummifahrer und Milchbauern. Wenn sich ein Geschäft definitiv nicht mehr lohnt, dann gibt man es auf. Dann ist ALGII eine echte Alternative. Dann macht man nur noch die Termine, die einen interessieren (bis 100 Euro zuverdienstgrenze zusammengekommen sind) und hofft mit den Arbeitsproben eine Stelle in der PR soder sonstwo zu finden.

Ich bin auch freier Journalist und sicherlich gab es Monate, da kam ich ganz schön ins Schwitzen und grübeln, ob sich das lohnt. Aber ich zahle kurioserweise auch Steuern, also scheint doch was über zu bleiben. Und mehr als ALGII ist es auch.

Immer wieder darauf zu verweisen, dass man von den Honoraren nicht leben kann, schwächt meiner Meinung nach auch unsere Positionen gegenüber Gesprächspartnern und auf Recherchen.

Wenn ich erkläre, dass ich freier Mitarbeiter bin (meistens, wenn es um Fragen nach redaktionelle Abläufen geht, muss ich ja sagen, dass ich da keine Kompetenzen habe :-) kommt dieser mitleidige Blick, ob ich denn davon leben könne. Inzwischen kontere ich das mit einem "ich zahle sogar Steuern" oder "dann bin ich ja seit zwei Jahren tot", aber so richtig dolle ist diese Wahrnehmung der freien Mitarbeiter nicht. Das gibt sich, wenn man häufiger auftaucht. Und wenn dann noch der Interessenverband laufend sagt, man könne davon nicht leben und nicht sterben, ja was soll den ein Interviewpartner von so einer Lusche halten, die es nicht auf einen richtigen Job gepackt hat.

Sinnvoller halte ich - ganz andere Baustelle - eine Initiative gegen das Abmahnwesen. Weil das die Pressefreiheit und freie Journalisten prinzipiell und ebenso finanziell bedroht. Ein kleiner Fehler kostete Jens Weinreich einige hundert Euro (http://jensweinreich.de/?p=4588).Aber  selbst wenn man fehlerfrei arbeitet und die Wahrheit schreibt, kann man von einem der genügend Kohle hat, erstmal abgemahnt und so in den Wahnsinn und Ruin getrieben werden. Weil man einfach nicht das Geld und die Nerven hat die ganzen Zivilverfahren auszufechten. (Dazu nochmal Weinreich als Beispiel, diesmal Weinreich vs. Zwanziger: http://jensweinreich.de/?page_id=1780)

Ipetition.com läuft wieder!

Na, das war ja mal ein Start: Erst unterschreiben innerhalb weniger Stunden über 180 Menschen diese Petition, und dann bricht der Server zusammen! Von 16 bis 21 Uhr haben alle Interessierten nur eine leere Seite gesehen, das tut mir leid. Ich hoffe, ihr holt eure Unterschrift nach!
Zur Erklärung: Anscheinend wird die Site von einer Privatperson betrieben, da dauert die Reparatur eben etwas. Hoffentlich läuft nun alles rund!

Also:

www.ipetitions.com/petition/verguetungsregelungen

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Weinreich vs Zwanziger ist ein Beispiel für die Kosten, die auf einen zukommen können, auch wenn man erstmal zwei Gerichtsverfahren (Tenor: Zulässig, weil Meinung) gewonnen hat.

Ja, Mensch, Marc, uns geht's doch einfach gut. Wenn wir als freie Journalisten sogar Steuern zahlen, was wollen wir dann eigentlich? Doof nur, dass wir von den kleinen Zeilenhonoraren den Anwalt nicht bezahlen können, der uns abmahnt. 

Ich finde es gibt einen Unterschied zwischen der realistischen Beschreibung eines Themas und "Jammern". Man kann sein Geschäft nur dann längerfristig betreiben, wenn man die eigenen Geschäftsbedingungen kennt und auch beziffern kann. Das hat mit Jammern nichts zu tun.

@Bernd: Die Abmahnung und das gerichtliche Ausfechten, wenn man mal nicht kuschen will, wird man aber auch nicht mit deutlich höheren Honoraren nicht bezahlen können. Oder willst Du jeden Monat eine Rücklage für Prozesse bilden müssen?

Sowas können bislang nur die Verlage mit Rechtsabteilung und genügend Reserven ausfechten. Jens Weinreich hat für die Auseinandersetzung mit dem DFB 17.000 Euro benötigt (http://jensweinreich.de/?p=5105) Zudem kann es ja nicht sinnvoll sein, Geld einfach weiter zu reichen. :-)

Die Gefahr, die ich sehe ist, dass selbst mittelreiche Unternehmen einen durch regelmäßige Abmahnungen wegen Nichtigkeiten (oder einfach mal so) in die Knie zwingen können. Sowas ein- bis zweimal pro Monat und man hat die Wahl um die 700 Euro für den fremden Anwalt zu zahlen oder vor Gericht zu ziehen - und seinen Anwalt mit dem Geld zu bezahlen. Die Kohle von der Gegenseite wieder zu bekommen ist schwierig, eventuell muss man das auch wieder einklagen.

@ marc Das eine zu tun heißt ja nicht das andere zu lassen. Denke nicht, dass jemand bei den Freischreibern total dagegen wäre, etwas gegen Abmahnfallen mit Bezug auf Freie und ihre Webseiten zu tun. Da wir aber alle ehrenamtlich arbeiten, sind die Kapazitäten natürlich begrenzt. Wenn du das Thema "Abmahnungen als Waffe gegen Freie" (Abmahnungen gegen Online-Shops z.B. sollte nicht ein Feld sein, wo wir uns engagieren) für bedeutsam hältst: Mach et! Sammel Material und Betroffene, überleg dir, was man tun kann als Verband (Reader oder Infos auf der Webseite zu: Wie mache ich meine Seite unangreifbar für Abmahnanwälte zb?), stell uns das vor, wir als Vorstand unterstützen dich dann mit Logistik, Öffentlichkeitsarbeit, notfalls einem Budget und dann schaut man, was passiert. So ist es bei den Freiflächen gelaufen, so funktionieren die Freischreiber: Wer Ideen hat, macht, und die anderen unterstützen.

Und jammern tun wir ja nicht nur. Wir weisen ja auch darauf hin, wie wichtig Freie sind - siehe auch die Freiflächen-Kampagne - oder wir zeigen, wie toll ihre Arbeit ist bei der Lesereise usw... Wir sind ja nicht immer bloß gegen dies oder jenes, aber wenn dies oder jenes total in die falsche Richtung geht, dann müssen wir auch mal stumpf NEIN sagen, damit nicht schnell was durchgewunken wird, was breit diskutiert gehört.

 

@Lars Reppesgard schrieb: "Da wir aber alle ehrenamtlich arbeiten, sind die Kapazitäten natürlich begrenzt." Da haben wir - dju in ver.di, DJV und Freischreiber - durchaus etwas gemeinsam: Viel Ehrenamt, wenig Hauptamt. Tja. Und nu? ;-)

@ Heike Rost "Tja. Und nu?"

Vielleicht das, was hier und anderswo gerade zu den Ergebnissen der Vergütungsverhandlungen diskutiert wird, VOR Abschluss derselben machen - auf breiter Basis -  und nicht nach sechs Jahren "Geheimverhandlungen" ein fertiges Papier vorlegen.

Es muss die Regel werden, dass freie Journalisten durch die Rechtsabteilung jenes Verlages oder jener Rundfunkanstalt vertreten werden, in dem/der die jeweilige Veröffentlichung stattfindet.

Auch das könnte man zum Gegenstand von Vergütungsverhandlungen machen.

Bei Freelens gibt es in Ergänzung zu unserem Tarifrechner einen Stundenrechner für Freiberufler:

www.freelens.com/fisheye/wie-errechnet-man-honorarsaetze

Die Petition zum Aufschub der Abstimmung über die Vergütungsregeln hat inzwischen über 300 Unterschriften. Infos über die Reaktionen von dju und DJV findet ihr hier:

http://www.ipetitions.com/petition/verguetungsregelungen/blog

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage ist unser täglicher Kampf gegen Spam.