Ein heißer Hölle-Kandidat: Der Madsack-Verlag
Der Madsack-Verlag will mehr Geld verdienen – da geht es dem sechstgrößten deutschen Verlagshaus nicht anders als uns. Allerdings will der Verlag, der mit seinen 17 Zeitungen (u.a. Hannoversche Allgemine, Göttinger Tageblatt, Leipziger Volkszeitung, Ostsee-Zeitung) 836 000 Exemplare verkauft, ebenfalls wie wir, Kohle mit unseren Texten machen.
Seit einiger Zeit also veröffentlicht Madsack die Texte seiner freien Mitarbeiter der Regionalausgaben der Hannoverischen Allgemeinen Zeitung auch im Internet. Für den Abruf muss der User Geld bezahlen, das der Verlag komplett einsackt. Die freien Autoren sehen davon keinen Cent.
„Eine zusätzliche Bezahlung kann es nicht geben. Freie Mitarbeiter, die darauf bestehen, werden leider keine relevanten Geschichten mehr bekommen können, von einigen werden wir uns unter Umständen auch trennen müssen.“
Das schrieb die Chefredaktion den Freien, die an den Mehreinnahmen beteiligt werden wollen, so wie es das Urheberrecht vorsieht. Diese Art und Weise, eigene Interessen gewaltsam durchzusetzen, nennt man im allgemeinen Erpressung. Das wollen sich die Mitarbeiter aber nicht gefallen lassen. Sie schreiben:
„Die Selbstverständlichkeit mit der die Chefredaktion von vornherein an dieses brisante Thema Urheberrecht herangegangen ist, macht uns wütend. Das werden wir diesmal nicht einfach schlucken.“
Das Fernsehmagazin ZAPP, das den Fall Madsack dokumentiert hat, lässt Peter Taubald, Chefredakteur Madsack Heimatzeitungen, in dem Beitrag wie folgt zu Wort kommen:
„Wir zahlen nicht nach Vergütungsregeln, wir brauchen das in der Marktsituation, dann erwarten wir auch, dass wir das bekommen.“
Ob sich die „Marktsituation“ bei Madsack inzwischen möglicherweise geändert hat, hat Freischreiber vor zwei Wochen überprüft. Wir wollten wissen:
- Werden freie Mitarbeiter heute an den Einnahmen beteiligt?
- Wurde die Aussage, dass freie Mitarbeiter mit einer Nichtbeschäftigung rechnen müssen, wenn sie höhere Vergütungen verlangen, belegbar zurückgenommen?
- Wie sind die Verhandlungen zwischen den Freien und dem Verlag ausgegangen?
Doch auch auf unsere zweite Nachfrage lautete die Antwort der Kommunikationsagentur, der Verlag wolle dazu keinen Kommentar abgeben.
Leider ist Madsack nicht der einzige Verlag, der Texte seiner freien Mitarbeiter raubkopiert und zum Zwecke der eigenen Profitmehrung ins Internet stellt. Diese gängige Praxis nennt Freischreiber-Mitglied Christian Tröster im ZAPP-Beitrag „kalte Enteignung“. Doch weil der Madsack-Verlag ganz besonders aggressiv gegen seine Freien vorgeht und Ihnen sogar damit droht, die Zusammenarbeit zu beenden, sollten sie sich nicht beugen, hat dieser Kandidat einen sehr warmen Platz in der Hölle verdient.

Kommentare
Stimmt komplett.
Weitere Beispiele aus dem Hause Madsack: Freie, die Rechnungen stellen wollen, werden immer wieder vertröstet. Die Ansprechpartner hätten gewechselt, einen aktuellen könne man nicht nennen. Der Freie müsse schon suchen!
Freie, denen der Ruhm nicht reicht und die so dreist sind und für die ach so interessante Tätigkeit Geld zu verlangen, werden immer seltener bis nie mehr angefragt. (Ist bei dem Hungerlohn auch wirklich kein Verlust!)
Freien werden keinerlei Wechsel in den Redaktionen bekannt gegeben, etwa Ansprechpartner, Umzug oder andere Änderungen etc. Man ist doch Journalist, da gehöre etwas Recherche doch ohnehin zum Alltag.
Beteiligung an Online-Veröffentlichungen?! Na, aber bitte! Das ist ja wohl Ehre genug!
Es gibt ja schließlich auch kein Honorar für Zweitabdruck von Fotos, und bezahlt wird auch nur meist nur 1 Bild pro Artikel.
Ich kann nur hoffen, dass die anderen Freien besser behandelt werden! (Sich behandeln lassen, - ich habe diesem Haus weitgehend den Rücken gekehrt!)
Lieber Gast II,
für Hinweise sind wir immer dankbar - insbesondere im Vorfeld des Himmel-und-Hölle-Preises und gerade bei einem bereits nominierten Kandidaten. Allerdings brauchen wir dafür auch handfeste Belege. Können Sie das Beschriebene mit Belegen unterfüttern? Zum Beispiel mit Schriftstücken oder E-Mails? Dann würden wir uns sehr freuen, wenn Sie sich mit uns in Verbindung setzen: schreiben Sie uns doch unter nominierung -ät- freischreiber.de.
Herzliche Grüße, Kathrin Hartmann
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