Erste Eindrücke vom Zukunftskongress, aktualisiert

Die Abschlussdiskussion "Die Zukunft ist – frei?". Mit der Medienjournalistin Ulrike Langer, dem Journalismusprofessor Stephan Weichert, Jan Jasper Kosok vom Freitag, dem Moderator und Freischreiber-Vorsitzenden Kai Schächtele und Katharina Borchert, Geschäftsführerin von Spiegel Online (v.l.).

 

 

Die Diskussion "Sprich! Mit! Mir" im Rahmen unseres Live-Magazins. Mit Lukas Heinser, Michael Spreng, der Moderatorin Gabi Bauer, Beate Wedekind und Henryk M. Broder.

 

Und ein Blick in einen der insgesamt sieben Workshops. (Fotos: Christian Frey)

 

Nachtrag (I): Was sagen die Kongressteilnehmer?

Direkt nach dem Kongress haben wir unter den Teilnehmern eine StraßenFlurumfrage gemacht. Sie sollten den Satz

"Ich habe über meine Zukunft als Freier gelernt, dass …"

ergänzen: 

… ich mehr Blogs lesen sollte." Bertram W.

… es funktionieren kann, das zu tun, was man liebt." Kirsten R.

… es nicht nur trostlos ist." Annegret B.

… Netzwerke wichtig sind, um den eigenen Weg zu finden." Silvia B.

… es kein Entweder-Oder gibt: Alles geschieht gleichzeitig nebenher. Ich muss umtriebig bleiben." Vito A.

… es ermutigend viele Menschen gibt, die neue Projekte machen." Tanja K.

… nur Freisein meine Zukunft ist." Nike van Eppstein

… Bloggen doch Geld bringt." Silke B.

… viele Kollegen bis ans Ende ihrer Tage nicht begreifen werden, wie Facebook funktioniert. Und dass das durchaus zu meinem Vorteil ist." Kai V.

… ich nicht aufhören darf zu experimentieren." Björn Schwentker

… wir besser aufgestellt sind als viele Referenten denken." Beate K.

… man das Journalistenbüro als Marke besser verkaufen muss, damit wir zum Anlaufpunkt für Redaktionen werden, die schnell Qualitätsjournalismus brauchen." Nicholas Brautlecht, Journalistenetage

… es sich lohnt, mehr voneinander zu lernen." Jeannette Goddar

… das Bewusstsein der Leser und Nutzer für den Reiz einer Multimedia-Reportage erst noch geweckt werden muss. Und die Strukturen noch wachsen müssen." Maren Preiß

… ich glaube nicht, dass ich darüber was gelernt habe." Manuel

… sich mir die Dynamik des Exponentiellen erschlossen hat." Anja T.

… wir noch viel unkonventioneller denken müssen." Margaret H.

… ganz verschiedene Wege funktionieren." Angelika Ohland

… ich jetzt unheimlich viel machen muss." Anke H.

… ich viele Anregungen bekommen habe, aber das Geschäftsmodell fürs Internet haben wir immer noch nicht gefunden." Inga Pabst

… sie bedrohlich ist, aber wir gucken der Realität ins Gesicht. Und ich weiß nicht, ob mich das optimistischer macht." Anwen Roberts

… ich auch ohne Twitter und Facebook glücklich alt werden kann." Hans W.

… ich meine Zukunft als Journalistin vielfältiger gestalten kann, als ich bislang dachte. Und dass ich wieder richtig Lust habe. Ich mache mich gleich an meine eigene Webseite." Maren Wernecke

… ich meine Ängste über Bord werfen und es als Freier versuchen sollte." Andre Gierke

… sich alles im Kreis dreht." Jörg Müller

… Kant die richtigen Fragen für die Zukunft längst gestellt hat." Jakob Vicari
 

Nachtrag (II): Die Presseschau zum Freischreiber-Kongress

Man hatte den Eintrag, er wäre in jedem Workshop gleichzeitig und säße dann auch noch andauernd im Live-Seminar, dem Rahmenprogramm des Freischreiber-Kongresses. Michael Brake war – wie es sich für einen Journalisten gehört – ständig mittendrin, sprach mit Teilnehmern und Referenten, hielt Augen und Ohren offen und hat für die taz diesen Bericht über unseren Kongress geschrieben: "Die Zukunft gehört den Freien", darin das Fazit: Wer sich selbst zur Marke macht, hat für die Zukunft gute Karten. 

Direkt im Anschluss an den Kongress hat Eva-Maria Schnurr, stellvertretende Vorsitzende von Freischreiber und maßgebliche Kongress-Organisatorin, dem Medienmagazin von radioeins ein Interview gegeben. Anhören kann man es hier (etwas herunter scrollen, Harald Schmidt, Lena und all die anderen, die da oben auf der Seite zu sehen sind, waren nicht auf dem Kongress).

Felix Schwenzel war auch auf dem Kongress und hätte gerne mehr Optimismus verspürt.

Freischreiber-Mitglied Matthias Spielkamp resümiert in seinem Immateriblog den Workshop "Spaß kann man nicht essen – Geld und Geschäftsmodelle", bei dem er als Referent über Journalisten als Unternehmer sprach. Weil er die Diskussion unbefriedigend fand, widmet er sich dem Thema noch einmal etwas ausführlicher. Freie Journalisten, schreibt Spielkamp, müssten heute "für einen ganzen Strauß an Aufgaben" zuständig sein – "die Idee (für ein Online-Magazin, einen Podcast, eine App etc. pp.), den Businessplan, die Produktentwicklung (für Online-Magazin, Podcast, App etc. pp.), den Betrieb (Search Engine Optimisation, Search Engine Marketing, Micro Payment etc.pp) die Geschäftsführung und die Inhalte". Außerdem stellt er seine Präsentation zur Verfügung, die die Entwicklung des Urheberrechtsblogs irights.info seit dessen Gründung 2004 nachvollziehbar macht.

Hubert Denk vom Passauer Bürgerblick stellte in Hamburg sein lokales Online-Medium vor, heute schreibt er über den Kongress. Eine Erkenntnis hat er mitgenommen, die andeutet, dass bereits viele freie Journalisten bereits dem Motto "Mach's Dir selbst!" folgen: "Immer mehr freie Journalisten beuten sich als Einzelunternehmer lieber selbst aus, als sich von Verlagen ausbeuten zu lassen. Sie gebären mit Einfallsreichtum und Eigeninitiative Projekte und ziehen, wenn sie Glück haben, an ihren ehemaligen Arbeitgebern vorbei."

Freischreiber-Vorstandsmitglied Wolfgang Michal hat auf dem Kongress mit dem Freischreiber-Kollegen Christoph Lixenfeld darüber diskutiert, ob Journalismus eine Dienstleistung ist wie Pizza verkaufen. Im Magazin MAGDA legt Michal noch einmal dar, warum er das nicht findet.

[neu eingefügt am 20. September 2010, 14 Uhr:]

Klaus Raab schreibt im altpapier auf evangelisch.de über die Berichterstattung über den Freischreiber-Zukunftskongress, die ja, jedenfalls ergab das die morgendliche Zeitungsdurchsicht der altpapier-Redaktion, bis auf den oben verlinkten Bericht in der taz, nicht stattgefunden habe. Raab mutmaßt, warum das so sein könnte: "Auffällig an der Berichterstattung über den Freischreiber-Kongress ist jedoch vor allem, dass die anderen Zeitungen, soweit wir das am Morgen überblicken, sie ausfallen lassen. Das ist, da es dem Verband durchaus auch darum geht, die freien Journalisten gegen die Verlage zu verteidigen, irgendwie vielleicht nicht allzu verwunderlich. Schön, dass wenigstens jede Verlegerverbandsblähung die verdiente Öffentlichkeit bekommt." (Fettung im Original)

Der bescheidwisser bloggt seine Eindrücke vom Kongress, den er wegen der wohl etwas zu stark vereinfachten Wegbeschreibung beinahe gar nicht gefunden hätte (Anm. d. Red.: Denen, denen das ähnlich ging: Beim nächsten Kongress wird alles besser!). Besonders der Workshop "Der Weg zum eigenen Printprodukt" hat ihm gut gefallen, schön fand er, dass das Kongressmotto "Die Zukunft ist frei" am Ende des Kongresses so ganz anders klang als am Morgen davor.

Freischreiber Henry Steinhau hat neben "Solidar-Energien und Aktivitäts-Impulsen" einige schöne Wortschöpfungen mitgenommen und setzt sich in seinem Blog mit der "Akquise-Allergie" auseinander, die das Abschluss-Podium vielen Freien attestierte.

Judith Rauch, "nicht die einzige unter den 'empathiefreien' (Bernhard Pörksen) festangestellten RedakteurInnen, die bei den Freischreibern geschnuppert hat", schreibt im Blog des Journalistinnenbundes über den Kongress. Ihr Fazit: "Die Stimmung ist gut, die Zukunft offen."

[gerade noch gefunden, 20. September 2010, 23.16 Uhr:]

Ulrike Langer, Mitdenkerin des Zukunftskongresses und Workshop-Leiterin, liefert in ihrem Blog medialdigital die kürzestmögliche Zusammenfassung der Eröffnungsrede von Prof. Bernhard Pörksen und hat, wie sie schreibt, die Zukunft allerorten zumindest durchschimmern sehen. Das ist doch schon mal etwas. Ob die Verleger den verführerischen Glanz dieser anbrechenden Zeit auch schon gesichtet haben?

[Nachtrag am 21. September 2010, 12.21 Uhr:]

Lukas Heinser schreibt in coffeeandtv.de über die Diskussionsrunde "Sprich!Mit!Mir!", genauer: über Broder und sich in Broder und ich.

[Nachtrag am 24. September 2010, 20.28 Uhr:]

Daniel Fiene hat den Freischreiber-Kongress besucht und läßt ihn im Beisein von Markus Albers (Autor von Meconomy), Margaret Heckel (Autorin von “So regiert die Kanzlerin”) und Ulrike Langer (medialdigital.de) Revue passieren. Seinen Beitrag kann man im Medienmagazin wasmitmedien.de anhören (ca. ab Minute 18).

Kommentare

Vielen Dank noch mal an alle Organisatoren für diesen wunderbaren und inspirierenden Kongress! Das war eine Meisterleistung!

 

Ich wurde in meiner Überzeugung bestätigt: Wenn sich die Angst vor dem Scheitern heranschleicht, sollte man ihr entgegenrufen: "Ich versuche es lieber zweimal als kein Mal!"

Tanja, wir haben zu danken, dass so viele kluge Köpfe gekommen sind. Ohne eure Beiträge von der Basis, ohne all die Mitmacher und Mitdenker wären die ganzen Panels und Ehrengäste zwar hübsch, aber irgendwie wirkungslos gewesen.

So hatten wir alle die Chancen, gegenseitig voneinander zu lernen und uns zu pushen.

 

Großes Kompliment an die Organisations-Brigade für diesen Kongress, von dem ich viel Solidar-Energie und Aktivitäts-Impulse mitnehmen konnte. Sehr gelungene Veranstaltung, Chapeau an den – auch dafür zu recht wieder gewählten – Freischeiber-Vorstand. Mir gab das alles Kraft, „Experimentieren“ und „Einfach machen“ kann ich als Leitmotiv gut gebrauchen ... let's work!

Eine super Veranstaltung! Sehr anregend, sehr inspirierend - und viele nette Kollegen kennen gelernt. So, jetzt muss ich aber arbeiten ... habe da nämlich ein paar neue Ideen ...

"Einfach mal machen" habe ich als pesönliche Devise mit nach Frankfurt genommen. Tolle Veranstaltung. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt und bin von der professionellen Organisation begeistert - habt ihr Ehrenamtlichen super gemacht!

 Vielen Dank für diesen tollen, anregenden Tag!

 

Nächstes Jahr komm ich wieder, keine Frage.

Liebe unbekannte Erfinderin der Diagnose "Akquise-Allergie",

ich hoffe, du freust dich, dass dein schönes Wort aus unserem Workshop hinaus jetzt auch Eingang gefunden hat sowohl in diese Freischreiber-Meldung als auch in das oben erwähnte Blog des Bescheidwissers. Ich persönlich finde deine Wortschöpfung jedenfalls wunderbar treffend und werde sie in Zukunft sicher häufiger gebrauchen.

Merci!

 

 

 

Hallo Margot, offenbar kannst Du Gedanken lesen. Von der "Akquise-Allergie" steht nichts in meinem Blog (Bescheidwisser), aber ich hatte vor, was dazu zu schreiben. Habe es dann vergessen. Das richtige Antiallergikum wäre mehr Akquise-Know-how, glaub ich. Aus meinen Redakteurszeiten erinnere ich mich an eine hohe Quote indiskutabler Vorschläge von Freien. Dann reagiert der Redakteur unwirsch oder gar nicht, der Freie darauf eben allergisch. Beiderseits mehr Verständnis für den anderen wäre hilfreich. Viele Grüße von Tobias

 Lieber Tobias,

ah, richtig, nicht du hast das schöne neue Wort in deinem Blog aufgegriffen, sondern Henry Steinhau. Habe ich verwechselt. 

Ja, und natürlich ist es eine Plattitüde, aber ein bisschen mehr grundsätzliches gegenseitiges Wohlwollen und Verständnis von Redakteur und Freiem wäre schön! Ich persönlich muss mir das allerdings auch immer wieder bewusst sagen, egal, in welcher Position ich gerade bin und auf welcher Seite des Schreibtisches ich gerade sitze.

Aber ich glaube, die alten Fossile in den Redaktionen, die die Freien ihre ganze Herablassung spüren lassen, sterben langsam aus - und solche wie wir, die regelmäßig zwischen beiden Seiten hin- und herpendeln, werden immer mehr. 

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