Netzregulierung: Freischreiber fordern Blogger zum Zusammenschluss auf
Die Bundesregierung und die Bundesländer haben die Regulierung des Internets als neues Herzensthema entdeckt. Denn hier können Politiker - angesichts einer in Internet-Fragen weitgehend uninformierten Bevölkerung - anstrengungslos Punkte sammeln. Seit Monaten vergeht kaum ein Tag ohne Partei- oder Ministervorschlag zur „Zähmung“ des Netzes.
In der vergangenen Woche versetzte der neue Jugendmedienschutz-Staatsvertrag die Blogszene in helle Aufregung. Viele kleine Webseitenbetreiber befürchten nun, ab 2011 Altersfreigaben (ab 0, ab 6, ab 12, ab 18) für ihre Inhalte festlegen zu müssen. Insbesondere fürchten sie, bei Nichtbeachtung der Vorschriften von einer neuen Abmahnwelle überrollt zu werden. Zwar meinen manche Juristen, es sei alles halb so schlimm, aber der Vorgang zeigt, wie nötig es wäre, dass sich die Blogger endlich zu einem Verband zusammenschließen. Felix Neumann hat dies unlängst zum wiederholten Mal vorgeschlagen, und wir freien Journalisten (die ja ebenfalls Blogs betreiben oder als Autoren an ihnen mitwirken), haben die Idee gern aufgegriffen.
Natürlich wissen wir, wie heterogen die Blogszene ist, und dass sich schon bei der Erwähnung des Wortes „Verband“ manchem Blogger die Nackenhaare aufstellen. Aber auch wir haben die Verbandsgründung - mit kollegialer Unterstützung - geschafft: Der Verband der Freischreiber verdankt seine Entstehung auch der Hilfe der Fotografen-Vereinigung Freelens, mit der wir gern und eng zusammenarbeiten.
Wir glauben, dass eine Interessenvertretung der Blogger angesichts der zunehmenden politischen Versuche, das Netz zu regulieren, überfällig ist. Es würde uns deshalb freuen, wenn aus der Mitte der Blogs eine Initiative käme, die wir unterstützen könnten - so wie der Verein Freelens uns bei den Vorbereitungen der Freischreiber-Gründung geholfen hat.
Die nächste re:publica-Konferenz in Berlin wäre eine gute Gelegenheit, die Idee eines Bloggerverbands mit Leben zu erfüllen.
Update I: Wir freuen uns, dass unser Vorschlag in der Blogszene angekommen ist und diskutiert wird, hier und hier und im Spreeblick, wo, wie Droid Boy unten schreibt, Johnny Haeusler "das Stöckchen aufgegriffen" hat.
Update II: Interessant ist auch das 2-Stufen-Modell von Droid-Boy. Christian Sickendieck sieht die Idee sehr kritisch (diskutiert allerdings ein bisschen am Thema vorbei)

Kommentare
Déjà vu. Hat für die Nische der Sportblogger zur Gründung des Sportbloggernetzwerks geführt, immerhin. Das Ding ist aber (noch) sehr weit entfernt von dem Anspruch, politische Interessen zu vertreten.
Gute Idee. Ich wäre dabei. Also, wahrscheinlich, je nachdem natürlich. Aber wahrscheinlich schon.
Die Idee eines Bloggerverbands ist ja nicht schlecht. Ich frag mich wäre es nicht auch denkbar und evtl. effektiver sich den Presseverbänden anzuschließen? Könnte aus 2 Aspekten Sinnvoll sein: 1. Der relativ weitgehende Schutz der Presse. 2. Bereitschaft mit der Presse zusammen zu arbeiten ist denk ich evtl. größer als mit "Bloggern".
Die Interessen zu bündeln scheint notwendig. Politiker wie Kulturstaatsminister Neumann meinen ja noch, dass Blogger "keine Wellen schlagen" (auf dem 40. Jubiläum der Akademie für Publizistik), was schon der Fall Niggemeyer/DuMont dies widerlegt (ist Wikileaks im weiteren Sinne auch ein Blog?).
Ich finde den Gedanken gut Blogger der Presse gleichzustellen. Den allein der Name "Presse" zeigt ja, die technische Orientierung der Verbreitung. Und die Zeiten/Techniken haben sich nun mal geändert. Ich glaube aber nicht, dass die alten Strukturen uns reinlassen wollen. Wir erleben ja täglich den harten Kampf der alten gegen die neuen Strukturen. Und derzeit haben noch die Alten die Macht. Wohin das führt zeigt der Fall Hamburgs.
Ich finde das eine gute Idee, und wäre dabei.
Ich teile allerdings die Panik um Zensur und weißnichtwas wegen der Altersfreigaberegelung überhaupt nicht, wohl aber die Ansicht, dass zwischen Presse und Blogs sehr oft kein Unterschied besteht. Und übrigens auch immer weniger einer gemacht wird, beispielsweise beim Marketing für Produkte oder Bücher.
Freelens war in der Tat notwendig und sinnvoll wie sich im nachhinein heraus gestellt hat. Insofern - ich bin dabei.
Gerade das jüngste Beispiel - das Bohai um "Inhalte - die Inhalte" von Wikileaks zeigt was Regierungen von Demokratie halten und wie bestrebt sie sind bestimmte Verhalten für das jeder Bürger sich vor Gericht zu verantworten hätte, nicht publik werden zu lassen.
Im übrigen ist die Blue Ribbon Campaign eine der ältesten Forderungen seit bestehen des WWW. Damals haben einige schon ganz klar gesehen ie sich das www entwickeln würde.
Wäre es nicht sinnvoller, wenn wir geschlossen in einem demokratischen Land um politisches Asyl bitten?
Der Stein ist ins Rollen gekommen, und die Blogger fangen an sich damit auseinander zu setzen.
Vielen Dank hierfür!
Spreeblick als sehr prominenter Blog hat das Stöckchen aufgegriffen.
Mehr werden folgen, mal schauen was dabei heraus kommt.
Droid Boy
Ich finde die Idee gut und wäre am Start.
Daß ich dabei bin, sagte ich schon. Bei Johnny gibt es ein paar gute Argumente, auch das Immateriblog findet den Vorschlag spannend. Wär schön, wenn eine lebhafte Diskussion zustande käme.
Nö, ne?! Es nimmt kein HTML ...
Äh, Vera, doch, da ist doch über dem Eingabefeld für Kommentare eine kleine Formatierungspalette. Soll ich's umbauen und schön machen?
@ Salz: Gute Idee! Weißt Du eines?
Zu diesem Zusammenschluss wird es niemals kommen, zumindest nicht zu einem ernst zu nehmenden. Wie auch, schließlich ist der Markt eng begrenzt und die Blogoshäre dreht sich wie üblich um sich selbst. Der Teich ist zu klein für so viele Fische, die zunächst mal nur ihren eigenen Vorteil sehen und sich sicher nicht gemeinsam auf irgendwas einlassen
@Bloggomat: Genau das hat man uns vor gut zwei Jahren auch gesagt, als wir Freischreiber als Interessenvertretung, Zusammenschluss, Netzwerk, Verband freier Journalisten gründeten: viel zu viele freie Journalisten gebe es, viel zu viele verschiedene Interessen etc. Disparität muß aber kein Hindernis sein, denn gemeinsame Ziele gibt es zu hauf.
Ich halte das für eine sehr gute Idee. Jedoch würde ich nicht von Verband sprechen, sondern von Bloggergewerkschaft oder von Bloggernetzwerk. In der Vergangenheit gab es bereits Bemühungen in diese Richtung. Diese wurden jedoch nicht strebsam genug verfolgt.
Johnny Haeusler fragt im Spreeblick, warum die Blogger einen eigenen Verband gründen sollen. Sie könnten sich doch genausogut bei uns Freischreibern organisieren. Ich finde jedoch, die Blogger müssen erst mal beweisen, dass sie überhaupt etwas Gemeinsames auf die Beine stellen wollen/können. Ihre periodisch absolvierten Aufregungs-La-Ola-Wellen zu Abmahnungen, Eingriffen in die Netzfreiheiten etc. wirken bei denen, die das Netz regulieren werden, schlicht nur noch lächerlich. Hunde, die bellen, das weiß man, beißen nicht.
Gibt es aber - nach Jahren erfolglosen Bemühens - eine Ernst zu nehmende Initiative aus den Reihen der Blogger, so würden wir ein solches Vorhaben unterstützen.
Auf keinen Fall wollen wir: Hunde zum Jagen tragen.
Ich wüsste nicht was wirklich gegen einen Verband sprechen sollte. Dieser schränkt ja nicht die Freiheiten des einzelnen Bloggers ein, sondern stärkt ihn sogar gegenüber der Politik und anderen Interessenvertretern. Die Vielfalt in den Blogs bleibt ja erhalten und gerade das neue Jugendschutzgesetz zeigt ja, dass es gemeinsame Interessen gibt, die man nicht alleine angehen kann.
@Felix - dankeschön :)
Ich glaube, es sollte erst mal grundsätzlich geklärt werden, daß es weder um Entlohnung in irgendeiner Form noch um die Vertretung gegenüber Arbeitgebern geht (was die originäre Aufgabe einer Gewerkschaft ist). Interessenvertretung bedeutet auch nicht, daß sich nur Blogs zusammenschliessen sollen/können, die kommerziell orientiert sind oder sonstwie Geld verdienen. Es geht - so habe ich es verstanden - um die gemeinsame Vertretung gegen alberne Gesetzesvorhaben und Unterstützung im Abmahnfall. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.
Ganz nebenbei: Ich nehme an, die Journalisten - ob Freie oder Angestellte - haben ähnliche Berührungsängste wie die Blogger, das kommt vor allem bei nicht journalistisch orientierten Blogs zum Tragen.
Wolfgang Michals Idee, das bei der re:publica in einem grösseren Kreis zu diskutieren, ist realistisch und vernünftig. Bis dahin halte ich es für wichtig, daß möglichst viele sich Gedanken machen, über Optionen nachdenken und im Gespräch bleiben.
@vera Ich halte die re:publica nicht für den geeigneten Ort um über die Gründung eines Bloggerverbandes zu sprechen. Erstens gibt es dort nur eine begrenzte Anzahl an Karten und zweitens kosten diese 110 Euro. Ich kann mir vorstellen das dieser Preis schon sehr viele kleine Blogger davon abhalten würde zu kommen und das wäre dann schon der Anfang vom Ende, weil sich dann eben diese Blogger (ich gehöre auch dazu) ausgeschlossen und unerwünscht fühlen. Ein Verband braucht aber eine große Mitgliederzahl um auch wirklich eine Lobby bilden zu können.
Gespräche über so einen Verein/Verband sollten an einem Ort statt finden, der allen offen steht, damit auch wirklich jeder der Interesse hat auch daran teilnehmen kann.
ber es kommt ja noch viel schlimmer – im Zuge des neuen Leistungsschutzgesetzes wird jedes Wort abmahnfähig, welches dem von einem Verlag rausgebrachten auch nur ähnelt.
DAS wird der echte Tod der Blogs und des freien Wortes.
Mir ist gestern ein entsprechender Artikel bei telepolis aufgefallen und bin seitdem erst recht elektrisiert – auf meinem Blog habe ich dazu geschrieben.
Informiert euch – die Sache stellt den jmstv in den Schatten und es wird klar, das der nur ein Baustein zur totalen Kontrolle ist.
Während wir uns alle über den jmstv aufregen, wird im Hintergrund am echten Tod des freien Wortes und uns aller Blogger gearbeitet.
Und das ist auch der Grund, warum die Printpresse / TV die Folgen des jmstv nicht groß aufnimmt und verbreitet – es geht um mehr – um viel mehr.
ES wird gerade das Meinungsmonopol vorbereitet mittels des neuen Leistungsschutzgesetz.
Also obacht !! Jetzt gilt es aufzustehen -
Mir gefällt die Idee, ich bin dabei x)
Die Idee der Verbandsgründung ist auf jeden Fall sinnvoll, auch wenn man sich natürlich streiten kann, ob das komplett from scratch passieren sollte, oder nicht lieber (auch) unter Nutzung vorhandener Strukturen. Ich könnte mir z.B. auch gut vorstellen, dass man die Ressourcen der Fachgruppe Medien bei ver.di nutzt, in deren Rahmen auch die Deutsche Journalisten-Union (dju) arbeitet.
Muss ja nicht die Deutsche Blogger Union werden, möglich wäre ja erst mal eine Projektgruppe. Alles was man dafür bräuchte, wären ein paar KollegInnen, von denen einige bereits bei ver.di sind. Da wäre ich (selbst ver.di/dju) sofort mit dabei - wie wär's, Leute!? Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ist ja für auch für freischaffende Blogger/Journalisten ohnehin sinnvoll, schließlich bekommt man dort auch professionelle Rechtsberatung und im Fall des Falles Rechtsschutz.
Wäre natürlich schön, wenn auch nonprofit/freizeit Journalisten was Blogger zumindest teilweise sindeinfach einem Verband beitreten könnten.
Ich bewundere diesen Artikel für die gut recherchierten Inhalte und ausgezeichnete Formulierung. Ich habe so in diesem Material beteiligt, dass ich konnte nicht aufhören zu lesen. Ich bin mit Ihrer Arbeit und Geschick beeindruckt. Vielen Dank. Iconia Tablet PC dengan Windows 8 Cara cepat hamil
Kommentar hinzufügen