Spiegel Online, abgesoffen

Liebe Rätselfreunde,

was liegt 410 Meter tief im Meer und wird dort vorerst liegen bleiben?

Folgende Antwortmöglichkeiten bieten wir Ihnen an:

A: Ein von der Firma ABB verlegtes HGÜ-Kabel, mit dem sauber erzeugter Strom vom Kraftwerk zum Verbraucher kommt.

B: Die journalistischen Qualitätskriterien von Spiegel Online.

Kleiner Tipp, wenn Sie sich nicht entscheiden können: Mehrfachnennungen sind möglich.

Sie benötigen einen Joker, weil sie keine Ahnung von Kabeln haben und sich auch nicht sicher sind, auf welchen journalistischen Kriterien die Arbeit von Spiegel Online fußt?

Folgen Sie diesem Link zur Themenseite Erneuerbare Energie von Spiegel Online, dort wird Ihnen geholfen. Aber genau hinsehen, auch in die Ecken! Und dann kommen Sie zu uns zurück.

Aha, Sie sind wieder da. Haben Sie sich die Seite genau angesehen? Und?

Ja, Antwort A ist auf jeden Fall richtig.

ABB hat eines seiner HGÜ-Kabel im Meer verlegt. 410 Meter tief!

Hier steht es:

 

Aber leider bekommen Sie für Ihre Antwort nur die halbe Punktzahl. Denn Antwort B ist auch richtig.

Mit dem Kabel sind auch die Qualitätskriterien von Spiegel Online abgesoffen.

Blubb, blubb, blubb.

Sehen Sie sich die Seite, auf die wir Sie eben geschickt haben, noch einmal an. Dort drehen sich Windräder. 

                                               

Diese Windräder drehen sich nicht irgendwo am Meer, wie Sie vielleicht denken, sondern in einer Anzeige von ABB, die die Spiegel Online-Seite oben und rechts umrahmt.

                                               

Aber das ist nicht alles, denn die Themenseite Erneuerbare Energie, auf der Spiegel Online "die Chancen und Risiken des Milliardengeschäfts analysiert", ist zwar sehr verdienstvoll, aber auch

                                                          ,

dem Hersteller innovativer Lösungen zum Stromtransport ganz tief unten.

Kommentare

Müsste man dann nicht jedes Derivate-Spezial in FAZ, Handelsblatt und Co auch kritisieren. Ich finde es gibt wahrlich Schlimmeres. 

Oh, manchmal verpasst man also die wichtigen informationen durch einen Adblocker...

Ich bin aus der ABB-Kommunikation und somit Insider. Ich versichere: Zwischen dem Banner und dem Beitrag auf Spiegel Online gibt es keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Es ist das Thema, dass beide Maßnahmen zusammengeführt hat.

Genau darin besteht doch der Ursache-Wirkungszusammenhang: Werbung und Berichterstattung auf einer Seite. Interessant ist auch das Wort "Maßnahmen" in obigen Kommentar.

Nachtrag: Schade, dass man nicht erfahren kann, ob es sich bei Kommentar eins und drei um denselben Schreiber handelt. Beide heißen immerhin offensichtlich Klaus mit Vornamen. Und ja: Man muss auch FAZ, Handelsblatt und Co. kritisieren, wenn man sie erwischt. Dazu bietet sich dieser Blog hier ja auch an.

Ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang kann ja auch die Schere im Kopf sein. Vielleicht kann der Insider mir erklären, was das "powered by ABB" zu bedeuten hat? Verlagssonderveröffentlichung? Werbebanner? Finanzierung einer Themenseite? Unabhängiger Journalismus?

@ Dirk Liesemer: Klaus #1 und Klaus #3 müssten zwei unterschiedliche Klause (Kläuse?) sein, zumindest haben sie von verschiedenen Mailadressen aus kommentiert.

@Jakob Vicari: "powered by" mit Logo ist nach Verständnis von Spiegel Online/Quality Channel Sponsoring.

Wo ist hier das Problem?? Dass die Werbung am oberen Rand einen inhaltlichen Zusammenhang mit dem Artikel hat? (der über 5 Seiten geht, wobei die genannte Werbung nicht auf der Seite zu sehen ist, aus welcher der zitierte Text stammt)

Wenn euch Werbung stört, dann blockt sie. Aber ich kann nicht erkennen, dass die "journalistische Qualität" leidet, weil auf der Seite eine Firma wirbt, die auch irgendwo im Text genannt ist. Wie schon oben steht, man muss sehr "genau hinsehen, auch in die Ecken" - ansonst entgeht dem interessierten Leser womöglich die vermeintliche Verstrickung von Journalismus und Werbung - und er liest einfach einen interessanten Artikel.

Klingt eher so, als sucht der Autor nach irgendwelchen Kleinigkeiten um sich mit der Kritik zu profilieren.

Werbung wird nunmal verstärkt zielgerichtet eingesetzt, damit ein Leser, der sich für erneuerbare Energien interessiert, keine Windel-Werbung präsentiert bekommt.

Darüber kann man sich echauffieren. Muss man aber nicht. Man könnte sich auch wichtigen Dingen zuwenden.

In diesem Sinne^^

@sandro schrieb:

Wo ist hier das Problem??

Wie schon oben steht, man muss sehr "genau hinsehen, auch in die Ecken" - ansonst entgeht dem interessierten Leser womöglich die vermeintliche Verstrickung von Journalismus und Werbung - und er liest einfach einen interessanten Artikel.

 

Das genau ist das Problem! Wer nicht genau hinsieht, denkt, er liest einfach einen interessanten Artikel, bekommt aber verkappte Werbung präsentiert. Wenn das deutlich über dem Artikel stehen würde, läse ich zumindest den Artikel mit anderen Augen.

@ Sandro Die ABB-Werbung erstreckt sich sehr wohl über sämtliche fünf Seiten des Artikels. Natürlich kann ich diese Werbung blockieren, aber damit ist das Problem nicht gelöst: Werbung und redaktionellen Teil miteinander zu vermischen, ist ein klarer Regelverstoß, auch wenn man es Sponsoring nennt. Das kann man ganz sachlich feststellen, darüber muß man sich gar nicht echauffieren (was hier nach meinem Eindruck auch niemand tut). Für den Hintergrund: s. Pressekodex, Ziffer sieben.

"Vielleicht kann der Insider mir erklären, was das "powered by ABB" zu bedeuten hat? Verlagssonderveröffentlichung? Werbebanner? Finanzierung einer Themenseite? Unabhängiger Journalismus?"

 

Siehe BILDBlog.de -- dort ist heute (7.Dez) das Thema aufgegriffen worden, und dort wird auch erklärt, was es bedeutet.

Mein Kommentar ist gelöscht worden. Es ging um einen Beitrag bei RTL, in dem es auch um eine Nähe zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt ging.

Freischreiber sollte so frei sein und freie Meinungsäußerung zulassen.

Wobei der Zusammenhang zum Thema ja wohl offensichtlich gegeben ist.

@  Hasso schrieb:

Das genau ist das Problem! Wer nicht genau hinsieht, denkt, er liest einfach einen interessanten Artikel, bekommt aber verkappte Werbung präsentiert. Das genau ist das Problem! Wer nicht genau hinsieht, denkt, er liest einfach einen interessanten Artikel, bekommt aber verkappte Werbung präsentiert.

 

Zwei Sachen:

Ersten habe ich von der Werbung und nicht von dem "powered by ABB" gesprochen. Als Leser ist mir die Werbung meist egal, also muss ich auch nicht genau hinsehen.

Zweitens bestreite ich bzw. glaube ich nicht, dass es sich bei dem Artikel um "verkappte Werbung" handelt. Die genannte Firma wirbt auf der Seite und wird im Artikel kurz genannt. Aber darin sehe ich kein Problem. Dass der Themenkomplex "Erneuerbare Energien" "powered by ABB" ist und dieser Artikel u.a. diesem Themenkomplex zugeordnet wurde, ist sich nicht gerade glücklich gewählt. Aber wie der SPON-Chefredakteur bei Bildblog schreibt: "Auf allen powered-by-Seiten stehen redaktionell unabhängige Texte." Ich gehe davon aus, dass dies zutrifft und habe noch keinen Anhaltspunkt gefunden, der mich daran Zweifeln ließe. Zumal ich auch keine "Werbung" im eigentlich Artikel erkennen kann; die Firma ABB wird nur in einem Absatz kurz genannt, mehr nicht.

 

@Felix Zimmermann schrieb:

Die ABB-Werbung erstreckt sich sehr wohl über sämtliche fünf Seiten des Artikels.

Stimmt, so sehe ich die Seite heute auch. Als ich mir gestern um diese Uhrzeit den Artikel angesehen habe, wurde auf der entsprechenden Seite 5 eine andere Werbung eingeblendet (ich hab leider vergessen welche). Ich hatte das extra überprüft; auf Seite 1 konnte ich die ABB-Werbung sehen, auf Seite 5 eine andere. Vielleicht wird z.T. verschiedene Werbung eingeblendet...

 

Was mich an dem dem Artikel stört, ist dass man so tut, als ob wegen dem "Powered by ABB" gleich "die Qualitätskriterien von Spiegel Online abgesoffen" sind.

@freischreiber.de: Wie genau sollte der Artikel lauten, wenn der Autor sich an die Qualitätskriterien gehalten hätte?

Ganz einfache Frage:

 

Wäre dieser Artikel mit diesem Thema zustandegekommen ohne die ABB-Werbung? Wohl kaum.

Ob ABB einmal, keinmal oder zigmal erwähnt wird, spielt dabei zuvordererst keine entscheidende Rolle. Wenn Werbung redaktionell flankiert wird, hat die Werbung umso größere Wirkung. Der Leser wird darauf aufmerksam, hält das Thema für bedeutsam, entwickelt positive Einstellung zu den dargestellten Projekten usw.

Wenn aber ein Werbepartner so große Einflußmöglichkeiten auf den redaktionellen Inhalt hat, dass schon megalange Artikel erscheinen, so kann kaum noch von einer Unabhängigkeit gesprochen werden.

@ john Dass Dein Kommentar verschwunden ist, hat nichts mit Zensur zu tun, das wäre ein viel zu großes Wort für das, was wirklich passiert ist: Wir hatten eine Reihe von Spam-Kommentaren, die habe ich gelöscht und dabei versehentlich auch Deinen Kommentar erwischt. Tut mir leid. Schick' ihn einfach nochmal.

Ok. Ich will meinen Kommentar auch nicht überbewerten, so wichtig war er auch nicht. Es ging eben um das RTL-Vorabendprogramm, in dem plötzlich ein riesiges Interview mit Lebkuchen-Lambertz erschien. Davor ein Bericht, der eher Jubelcharakter hatte .

Und man merkt ja, ob ein Interview wirklich journalistisch ist, oder ob es sich nur um Stichwortgeberei handelt. Letzteres war hier m. E. der Fall.

Nach einer Viertelstunde habe ich aufgehört darauf zu achten, wie lange dieses Special noch geht.

Richtig stutzig wurde ich, als dann auch noch auf ntv über Lambertz berichtet wurde.

Es ist Vorweihnachtszeit (=Lebkuchenkaufzeit), ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Geil ist auch, dass 7 von 16 Fotos in der Fotostrecke den Kernbereich der ABB Produktpalette abbilden...

Erstaunlich immerhin, dass Spiegel Online unserer Kritik hier offenbar nicht widersprechen will. Warum nur?

@ Dirk Liesemer: Weil die darin offenbar kein Problem sehen, hier spricht der Spiegel-Online-Chefredakteur.

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