Verleger (endlich) für faire Beteiligung am Ertrag!

Heute haben sechs große Verlage (Springer, Bauer, Jahreszeiten, Gruner & Jahr, Spiegel und Zeit) eine gemeinsame Internet-Resolution veröffentlicht (die auch wir gern unterschreiben würden). Sie ist gut formuliert, einfach und klar. Großes Kompliment! Wir bringen diese Resolution deshalb im Wortlaut (mit einigen kursiven Anmerkungen unsererseits):

„Das Internet ist für den Journalismus eine große Chance (Erzählen Sie das mal Ihren Feuilleton-Redakteuren, Herr di Lorenzo!). Aber nur, wenn die wirtschaftliche Basis auch in den digitalen Vertriebskanälen gesichert bleibt. Das ist derzeit nicht der Fall (Ja, warum denn nicht?). Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern, ohne dafür zu bezahlen (möglicherweise, weil die Verlage die journalistische Arbeit kostenlos im Web anbieten?). Das bedroht auf die Dauer die Erstellung von Qualitäts-Inhalten und von unabhängigem Journalismus. Wir treten deswegen entschieden dafür ein, den Schutz geistigen Eigentums im Internet weiter zu verbessern.

Freier Zugang zu Webseiten bedeutet nicht zwingend kostenlosen Zugang. Wir widersprechen all jenen, die behaupten, dass Informationsfreiheit erst hergestellt sei, wenn alles kostenlos zu haben ist. Der freie Zugang zu unseren Angeboten soll erhalten bleiben, zum Verschenken unseres Eigentums ohne vorherige Zustimmung möchten wir jedoch nicht gezwungen werden. (Wir Freischreiber möchten auch nicht gezwungen werden. Aber ausgerechnet Eure Verlage zwingen uns mit Buy-Out-Verträgen zu dieser Verschenkerei. Fällt Euch Eure Doppelmoral eigentlich gar nicht auf?)

Wir begrüßen deshalb die wachsende Entschlossenheit von Bundesregierung, Landesregierungen und den im Bundestag vertretenen Parteien, die Rechte von Urhebern und Werkmittlern weiter an die Bedingungen des Internets anzupassen (das heißt wohl, die Rechte von uns Urhebern einzuschränken, und die von Euch Werkmittlern auszudehnen). Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben. Gesetzgeber und Regierung auf nationaler wie internationaler Ebene sollten die geistige Wertschöpfung von Urhebern und Werkmittlern besser schützen. Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums muss verboten bleiben (Sehr richtig! Dabei wollen wir künftig mitreden).

Am Ende muss auch im World Wide Web gelten: Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus. Kein Wissen entsteht ohne faire Beteiligung an seinem wirtschaftlichen Ertrag.“ (Genau! Über Fairness wollten wir schon lange mal mit Euch reden).

Kommentare

Zur Doppelmoral der Verlage – also einerseits die Schließung rechtsfreier Räume zu fordern, sich andererseits genau darin bevorzugt aufzuhalten, weil's gut für's Geschäft ist – hat Stefan Niggemeier in seinem Blog eine Passage aus der Winnender Zeitung verlinkt, die zeigt, wie ekelhaft z.B. der Stern agiert. Man sollte diese Qualitätsjournalistendarsteller im rechtsfreien Raum einsperren und nie wieder raus lassen. Oder erst dann, wenn sie solche Schweinereien unterlassen und wie hier gefordert ihre Autoren fair behandeln. Ja, ist das denn zu viel verlangt?

 Don Alphonso kommentiert die Resolution und münzt die Worte gegen den Journalismus, wie er in den Verlagshäusern betrieben wird.

Ich finde die Anmerkungen in den Klammern völlig fehl am Platz und unangemessen. Sie sind ausschließlich zynisch und helfen uns keinen Schritt weiter. Einerseits hätte ich die Stellungnahme der Verlage gerne 1:1 lesen wollen, um meinen eigenen ersten Eindruck zu gewinnen. Aber bedenklicher noch finde ich andererseits den Ton der Kommentierung. Es wirkt so, als würden wir schmollend in der Ecke sitzen und jemand suchen, der uns bemitleidet. Ich bin diesem Verband in der Hoffnung beigetreten, dass sich dank hartnäckiger Auseinandersetzung mit der Gegenseite vielleicht etwas zu unseren Gunsten ändert. Ich benötige niemanden, der für mich jammert. 

Wenn wir uns als Verband auf eine solche Postion zurückziehen, wie sie in den Klammern deutlich wird, dann werden wir den Redaktionen und Verlagen vielleicht ein bisschen auf die Nerven fallen, aber nichts in unserem Sinne bewegen können.

 

Aber, lieber Vorredner, ist denn die Resolution der Verlage nicht selbst zynisch und meinetwegen auch im Jammerton formuliert? Da werden Forderungen aufgestellt, die die Verlage selbst andauernd unterlaufen. Und zwar gleich an mehreren Stellen – wenn Bilder (z.B. von Mordopfern in Winnenden) benötigt werden, dann holt man sie sich als Hamburger Großverlag einfach aus dem Internet. Und wenn Beiträge freier Autoren im eigenen Verlag und auch außerhalb weiter verkauft werden sollen, dann sichert man sich als Verlag mit Friß-oder-stirb-Verträgen ganz einfach alle Rechte daran. Zynismus kann manchmal nur mit Zynismus beantwortet werden, aber das ist ja längst nicht das einzige, was wir tun. Es kann aber sein, daß nicht schon morgen alles besser wird. Ich finde die Kommentare übrigens gar nicht zynisch. Ich lese sie eher als ernsthaften Beitrag zu einer Debatte, die die Verlage (noch) gar nicht führen.

Und schließlich noch ein kleiner Tip: Die Resolution läßt sich mühelos im Wortlaut nachlesen, wenn man dem Link oben im Blogbeitrag folgt.

mag sein, dass auch die verleger zynisch sind. aber wir befinden uns einfach nicht in der position, ihnen mit zynismus zu begegnen. wir wollen etwas von denen und sollten uns entsprechend mit ihnen arrangieren. mit spitzen bemerkungen gegen herrn lorenzo etc kommen wir nicht weit. die art und weise der darstellung forciert bereits eine blockbildung zwischen DENEN und UNS, mit der wir uns in eine noch schwierigere position manövrieren, als wir ohnehin schon sind. es geht doch darum, den verlagen und redaktionen begreiflich zu machen, welche qualität wir ihnen liefern und wie unersetzlich wir für sie sind. also warum ihnen vors schienbein treten? wollen wir sie nachträglich dafür bestrafen, dass sie uns dorthin gedrängt haben, wo wir jetzt sind? nämlich am ende der nahrungskette. was juckt's die eiche, wenn sich die sau dran kratzt? dieser internetauftritt ist elementar wichtig für das profil, das wir uns selbst geben. und ich finde ich nicht, dass wir es mit unseren qualitäten nötig haben, trotzige bemerkungen zu machen. zumindest nicht in den offiziellen einträgen. in den kommentaren mag das etwas anderes sein. wir sollten uns als ebenjene größe präsentieren, die uns als wichtiger bestandteil der redaktionen auszeichnet. gruß marcel

Hallo Marcel,

in einem Punkt hast Du natürlich recht: Blockbildung hilft weder uns noch den Verlagen weiter. Schließlich werden wir nur etwas erreichen, wenn wir den Verlagen auf konstruktive Weise klar machen, dass sie nur gemeinsam mit uns die Qualität ihrer Produkte sichern und damit ihre Unternehmen in die Medienmoderne werden überführen können. Es werden in den kommenden Jahren ja eher noch weniger Redakteure als heute selbst dazu kommen, Texte zu schreiben und Stücke zu produzieren.

Eine dem Aufbau von Freischreiber zugrunde liegende Idee war von Beginn an, den Dialog mit Redaktionen und Verlagen zu suchen. Und das wird auch eine der wesentlichen Aufgaben des Freischreiber-Vorstands in den kommenden Monaten sein: mit den Verantwortlichen in den Medienunternehmen ins Gespräch zu kommen, um sie auf unsere Interessen aufmerksam zu machen. Höflich und charmant, aber klar in dem, was wir wollen.

So hatte ich aber auch die in Klammern gesetzten Kommentare in diesem Eintrag verstanden. Nicht jammerig, sondern selbstbewusst, und – zugegebenermaßen – etwas spitz. Denn was wir in den vergangenen Monaten beobachtet haben, ist, dass die Verlage auf der einen Seite davon sprechen, dass, wer Inhalte produziert, am Ertrag fair beteiligt werden muss. Auf der anderen Seite bekommen freie Journalisten in diesen Tagen regelmäßig Post aus den Rechtsabteilungen der Verlage, in der sinngemäß steht: "So lange Sie sich nicht damit einverstanden erklären, dass wir Ihre Stücke gegen ein einmaliges Honorar auch an Dritte verkaufen dürfen, können wir Ihnen leider kein Honorar überweisen." Wir finden, auf diese Diskrepanz kann man ruhig mal aufmerksam machen.

Aber wir stehen ja noch ganz am Anfang unserer Arbeit. Und um uns alle gemeinsam auf die richtige Vorgehensweise und den von uns allen als angemessen empfundenen Ton einzupendeln – auch dafür gibt es dieses Blog und, noch wichtiger, das interne Forum unserer Seite, in dem wir diese Debatten mit aller Verve führen können.   

Dochdoch Marcel, Blogbildung hilft manchmal weiter. Sei nicht so streng in deinem Hutong!

Das Sachliche hat Kai ja oben schon gesagt.

Hier wird beschrieben, was die Verlage mit ihrer Erklärung bezwecken wollen. Das liest sich gar nicht schlecht. Doch es wird - wie immer - auf die konkrete Ausgestaltung ankommen. Interessant auch der Verweis auf die Kultur-Flatrate. Es scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

 

Ich finde den Kommentar gut. Übrigens führen unsere Blogs zu einer interessanten Öffentlichkeitsarbeit der eigenen Sachen. Seit kurzem steht bei meinem Emails unten:
Nikolaus Fecht - Mitglied von :Freischreiber - www.freischreiber.de. Seitdem haben sich zwei Menschen bei mir gemeldet, mit denen ich beruflich in Kontakt stand, die sich aus Neugier auf unsere Homepage geclickt haben. Es waren keine Journalisten, sondern ein Konstrukteur und eine Managerin eines Engineeringhauses. Sie sagten mir, Sie fänden gut, dass wir für unsere Sache eintreten und dass wir darüber berichten. Die Marketingfrau hatte anscheinend die komplette Seite gelesen. Der Konstrukteur wiederum hatte mich mal 'gegoogelt' und war erstaunt, wieviel Text er von mir im Internet fand. Wir kamen daraufhin nach dem Interview zu einem guten Gespräch über Buy-out etc.

Ich bin gespannt, wer sich demnächst über mein Email bei freischreiber einclickt und es mir sagt  - vielleicht auch mal Kollegen?

 

PS Die intellektuelle Lösung gegen Spam ist prima!

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