Kein Sommerloch!
Liebe Leserin, lieber Leser,
jetzt hat auch das letzte Bundesland Schulferien, viele Politiker machen Pause und auch sonst ist wenig los. Was die Belange der Freischreiber angeht, ist von einem Sommerloch jedoch immer noch keine Spur.
Muss ja nicht schlecht sein: Gefreut haben wir uns, dass es einen neuen Referentenentwurf des Leistungsschutzrechts gibt. Wir sind damit ganz zufrieden, denn offenbar wurde unser Protest gehört: Die Gefahren für freie Journalisten - zusätzliche Kosten und Rechtsstreitigkeiten mit Verlagen - wären damit vom Tisch. Allerdings richtet sich der neue Entwurf jetzt nur noch gegen Suchmaschinen, von denen Verlage Geld bekommen sollen. Deshalb hat Google in dieser Woche mit der Forderung nach einem runden Tisch im Kanzleramt reagiert. Mehr dazu und über die Argumente von Google gibt es hier zu lesen.
Auch die VG Wort bleibt aktiv und hat am 14. August zu einer Sondersitzung einberufen. Einziger Tagesordnungspunkt: Hauptausschüttung 2011 in 2012. Wir sind gespannt, was dabei herauskommt und halten unsere Mitglieder auf dem Laufenden, wie weiter zu verfahren ist!
Und natürlich bleiben auch die Kollegen aktiv: Über die Vermischung von PR und Journalismus im Namen des DJV durch die Verbandszeitschrift Journalist empört sich Carta-Herausgeber Wolfgang Michal zusammen mit der Kreiszeitung der Nordheide, dem Elbe & Geest-Wochenblatt. Der Verlag des Journalist lud zum kostenlosen Workshop, mit der Informationsgemeinschaft Deutsches Geflügel (IDEG) und ermöglichte einen Blick auf die moderne Geflügelhaltung. Der Inhalt: "Jubel-Referaten zum boomenden Geflügelmarkt" zitiert Michal die Zeitung. Mehr dazu hier.
Auch der Blogger Moritz Meyer wird nicht müde, sich über den Zustand des Journalismus zu echauffieren: "Journalismus ist der falsche Ort für Marktwirtschaft", stellt er erneut fest und freut sich, dass er Schützenhilfe von zwei Wissenschaftlern bekommt, die vor kurzem genau zu diesem Thema einen Beitrag in der Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung zum Qualitätsjournalismus veröffentlicht haben. Ein Plädoyer für den idealistischen Journalismus und gegen den alles unterwerfenden Kapitalismus. Von was der freie Journalist dann allerdings leben soll, wenn sich mit Journalismus kein Geld verdient lässt, dazu schreibt er wenig in seinem Blog. Seine Lösung (für Verlage): öffentlich-rechtliches Modell und Spenden statt Anzeigen.
Und wo wir schon bei Verlagen sind. Im einem Schwerpunkt zur digitaler Wirtschaft stellt brand eins fest: "Online lasse sich kaum Geld verdienen, klagen die Verleger". Dabei stimmt das ganz und gar nicht: Schuhe und Tiernahrung verkaufen sich prächtig. Ausführliches zu diesen Kontrapunkten gibt es hier zu lesen.
Derweil wundert sich Andrea Roedig im Freitag, warum der Held in angeblich postheroischen Zeiten nicht tot ist. In den Medien und ihren Geschichten wimmelt es von anerkennungsbedürftigen Manager, gehandicapten Models, zerbrochenen Sängern, gescheiterten Sportlern, smarten Schauspielerinnen, clownesken Entertainern und ätherischen Regisseurinnen, genialen Straßenkünstlern und dickfelligen alltäglichen Menschen. Warum ist das so, fragt sich die Autorin und schließt ihre Ausführungen mit einem Brecht-Zitat: "Unglücklich ist das Land, das Helden nötig hat" Wie sie darauf kommt lesen Sie hier.
AUS DEM VORSTAND
Auch im Freischreiber-Vorstand gibt es keine Sommerpause und so wird weiter an der Mitgliederversammlung im November geplant, inklusive der Himmel- und Hölle-Preisverleihung, für die nach wie vor Vorschläge ein gesendet werden können (alles weitere hier). Außerdem ist der Vorstand bei einem Treffen der Initiative Urheberrecht dabei.
TERMINE
Die Regionalgruppen laden auch im August zu ihren Stammtischen: Die Berliner FreifunkerInnen treffen sich am 7. August um 20 Uhr im Biergarten "Schleusenkrug" (im Tiergarten ca. 500 Meter vom Bahnhof Zoo/ bei schlechtem Wetter im Lokal). Dabei soll es u.a. um eine Service-Website gehen, die speziell auf die Bedürfnisse von Freifunkern zugeschnitten wird.
Die Münchner Freischreiber treffen sich am 6. August (außerdem am 3. September und 1. Oktober) um 19.30 Uhr im "Kreuzberger", Westermühlenstraße 32 zum lockeren Austausch bei Bier und Wein.
Die Berliner Freischreiber versammeln sich am Donnerstag, 23. August, ebenfalls um 19.30 Uhr. Zu Gast ist Jonas Viering, Pressereferent beim Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam und bis 2010 freier Journalist und Freischreiber-Mitglied. Es wird um seinen Seitenwechsel gehen, um den professionellen Umgang mit Pressestellen, aber auch um den Stellenwert von Umwelt- und Klimathemen in der Berichterstattung. Anmeldungen bitte an gemma.poerzgen - ätttt - gmx. net. Wie immer sind auch Nicht-Mitglieder willkommen.
Und nochmal zur Erinnerung: Freischreiber lädt am 21. September zur Diskussion mit dem Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments Alexanderlvaro und dem Journalistenberater im Auftrag der EU-Kommission Robert Sedlak (unter anderem). Es geht um Strategien der EU zu Datenschutz und Urheberrecht. Wie sollen Kreative in Zukunft für ihre Arbeit entlohnt werden? Können Google und Facebook neue Regeln zum Datenschutz aufzwingen? Das Internet hat die Arbeitswelt revolutioniert, alte Regeln gelten nicht mehr, aber welche sind die neuen? In einem zweiten Teil wird es dann um die Praxis gehen: Wo finden Journalisten Infos zum Datenschutz, wer sind die richtigen Ansprechpartner. Mehr Infos und die Anmeldung finden Sie hier.
Trotz der ganzen Aktivität wünschen wir Ihnen zumindest ein wenig Sommerloch, damit Sie die hoffentlich kommenden schönen Tage auch ohne schlechtes Gewissen genießen können,
Ihre Freischreiber
