Neues von Freischreiber: Die Zukunft und das Jetzt, Lektüretipps und Termine
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
heute melden wir uns wieder mit unserem wöchentlichen Rundschreiben. Wieder haben wir aus den unüberschaubaren Weiten und unzähligen Verästelungen des Internets einige lesenswerte Texte heraus gefischt. Es geht vor allem um die Frage, ob Verlage in Zukunft überhaupt noch so unersetzlich sein werden, wie sie es lange waren. Und ist der Rettungsanker namens Leistungsschutzrecht, den sie ausgeworfen haben, überhaupt tauglich, um Qualitätsjournalismus auch im Internet-Zeitalter zu sichern? Lesen Sie selbst:
Heute vor einer Woche wurde auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung und irights.info in Berlin über das Leistungsschutzrecht diskutiert, das die großen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage so gerne hätten, um ein bisschen was von Google und all den anderen angeblichen Großverdienern im Netz abzubekommen. Neben dem Leistungsschutzrecht-Beauftragten des Axel Springer-Verlags, Christoph Keese, saßen auch wir auf dem Podium – und warfen die Frage auf, ob Verlage und Qualitätsjournalismus wirklich so untrennbar miteinander verbunden sind, wie es die Verlage gerne behaupten. Schließlich sind viele Verlage selbst nicht mehr bereit, für Qualitätsjournalismus zu zahlen, wie man z.B. an den Honoraren für freie Autoren sehen kann.
Ist das Leistungsschutzrecht überhaupt die richtige Lösung für das Problem – wie man nämlich (Qualitäts)journalismus im Internet finanzieren kann? Und braucht es dafür in mittlerer Zukunft überhaupt noch Verlage? Den Bewegtbildrückblick auf die Diskussion gibt es bei Carta, eine Nachlese findet sich auch bei der Böll-Stiftung.
Blicken wir in die Zukunft – ohne Verlage. Ja, es klingt erst mal gewagt, aber es gibt tatsächlich gute Gründe daran zu glauben, dass Autoren dank der gesunkenen Herstellungs- und Vertriebskosten ihre Arbeit in naher Zukunft auch selbst vermarkten können.
So schlägt Jeff Jarvis in einem FAZ-Interview vor, dass Autoren lose in Netzwerken zusammenarbeiten, sich gemeinsam vermarkten und so Verlage überflüssig machen könnten. "Der Journalist wäre dann ein Gründer. Das wäre ein Modell, das man ausprobieren muss", sagt Jarvis. Hier gibt es das Interview in voller Länge.
Der Autor Markus Albers hat diesen Versuch gestartet und sein neues Buch "Meconomy" ganz ohne Verlag auf den Markt gebracht. Hier erzählt er darüber.
Erschrocken fragte da sogar Springers "Berliner Morgenpost/Die Welt": Machen Ebooks Verlage überflüssig?
Nein, keine Angst liebe Verlage, Ihr schafft das schon selbst, wie ein Beitrag von Brigitte Baetz im Deutschlandfunk wieder einmal zeigte.
Wir möchten es ja gerne glauben, dass es den Verlagen nur und ausschließlich um Qualitätsjouranlismus geht. Allein, es fällt schwer.
Aber vielleicht wird ja jetzt zumindest alles ein bisschen beser: Die DPA hat sich nämlich neue Qualitätsstandards verordnet. Stefan Niggemeier dokumentiert sie, und es schadet auch Zeitunsgverlagen und – natürlich – auch freien Autoren nicht, da mal reinzuschauen. Schließlich wollen wir ja alle nur das Eine: Qualität!
Und die kommt bekanntlich von Qual. Was zu wissen die Sache nicht unbedingt einfacher, aber ein bisschen erträglicher macht.
Kommen wir zu unserer Terminübersicht und einigen Hinweisen:
Die Freischreiber-Gruppe in Bremen trifft sich, wie bereits vermeldet, am kommenden Mittwoch, 2. Februar, um 20 Uhr im Bandonion. Abendgast wird der Chefredakteur des Weser-Kuriers, Lars Haider, sein. Haider hat diesen Posten vor einem Jahr übernommen und Bremens auflagenstärkste Tageszeitung seitdem kräftig umgekrempelt. Welche Rolle spielen die Freien beim Weser-Kurier, wie geht es angesichts sinkender Auflagen überhaupt mit einer Regionalzeitung weiter und welche Chancen bietet das Internet – das alles könnte an dem Abend mit Lars Haider besprochen werden. Wir freuen uns über seine Zusage und laden hiermit alle Interessierten herzlich ein. Anmeldungen nimmt Tanja Krämer entgegen.
Im Journalistenbüro Freie Redaktion in Berlin sind ab 1. Februar bzw. 1. März zwei Plätze zu vergeben. Das Büro liegt direkt am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg, fünf Minuten von der U2 (Eberswalder Straße) entfernt. Die Miete beträgt pro Büroplatz monatlich 170 Euro inklusive Nebenkosten und Internet; Fax, Kopierer etc. sind vorhanden. Bei Interesse einfach an Alva Gehrmann wenden: gehrmann(a)freieredaktion(punkt)de
Das Netzwerk Recherche sucht für seine Jahreskonferenz wieder Helferinnen und Helfer. Die Konferenz findet statt am 9. und 10. Juli In Hamburg. Gesucht werden junge Journalisten, die Lust haben in einem Team von etwa 30 Leuten den Vorstand und die Orgagruppe tatkräftig beim Auf- und Abbau, bei der Anmeldung, an den Büchertischen, bei den Podien und bei der Betreuung der Referenten zu unterstützen. Weitere Informationen hat Tina Groll aus dem Vorstand des Netzwerks Recherche: tina.groll(a)netzwerkrecherche(punkt)de
Damit verabschieden wir uns für heute – herzliche Grüße,
Ihre Freischreiber