Neues von Freischreiber: Digitale Journalisten, Raubritter, Orchideen etc.
Liebe Leserinnen und Leser,
wozu machen wir das hier eigentlich alles noch? Die Frage kann man sich stellen, wenn man Meldungen wie diese hier liest: Ein US-Unternehmen entwickelt den "digitalen Journalisten"; eine Software, die Nachrichten aus Datenbank-Material "komponiert" – und der Firmengründer frohlockt schon, in nicht allzu ferner Zukunft werde eins seiner Computerprogramme den Pulitzer-Preis gewinnen.
Nun gut, gehen wir mal davon aus, dass doch noch ein paar Jahrzehnte bis Jahrhunderte verstreichen werden, bis wir komplett durch Maschinen ersetzbar sind - und bis dahin streiten wir weiter für unsere Rechte als Autoren. Mit einem davon, dem Urheberrecht, haben wir uns ja zuletzt an dieser Stelle ziemlich intensiv befasst - und eine breite Debatte mitangestoßen, in der jetzt immer mehr Verbände (und Medienjournalisten) sich an unserer Stellungnahme orientieren, deren zentraler Gedanke lautet: Die Urheber als dritte und wichtigste Gruppe müssen ihre Interessen sowohl gegenüber den Verwerten als auch gegenüber den Nutzern klarstellen und verdeutlich. Mehr dazu auf unserem Blog.
Auch die Fotografen-Kollegen von Freelens stellen in ihrem Positionspapier zu Urheberdebatte fest: "Die viel gerühmte Partnerschaft zwischen Urheber und Verwerter im Interesse z.B. eines Qualitätsjournalismus ist Vergangenheit."
Heribert Prantl erklärt in der Süddeutschen, warum der Europäische Gerichtshof ACTA stoppen muss - dahinter lauere nämlich eine EU-Richtlinie, die wirklich gefährlich sei. Die Ökonomen Volker Grossmann und Guy Kirch schreiben in der FAZ vom "Schutz der Raubritter".
Und im Deutschlandfunk-Portal "Diskurs" konstatiert Freischreiber Matthias Spielkamp: "Das Urheberrecht ist vom Orchideenfach weniger Experten in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt."
Ein nicht minder aktuelles Thema, das uns derzeit große Sorgen macht: Dem WDR droht der geistige, politische und kulturelle Abbau. Ermutigend: Der Proteststurm dagegen tobt stärker, als es sich die Initiatoren hätten träumen lassen - die Zahl der Unterstützer eines offenen Briefs an die Intendantin Monika Piel ist binnen weniger Tage auf mehr als 4000 hochgeschnellt. Mitmachen kann man hier. Und einen Überblick über die Reaktionen - unter anderem eine rustikale Replik vom WDR-Hörfunkdirektor Wolgang Schmitz - gibt's bei Carta.
Auch beim österreichischen Rundfunk gärt es: Die freien Mitarbeiter des ORF fordern eine Verdopplung der Honorare. Radiodirektor Karl Amon gibt sich verständnisvoll und stellt eine "ordentliche Summe" in Aussicht: "Stolz darf nicht die einzige Entlohnungsform sein."
Die Kampagne "Pro Quote" hat mit ihrer Forderung nach einer 30-Prozent-Quote für Frauen in redaktionellen Führungspositionen große Wellen geschlagen; mehr als 800 Unterstützer haben sich auf der Website solidarisch erklärt, darunter auch der gesamte Freischreiber-Vorstand. Über die kontroversen Reaktionen - unter anderem von "asthmatisch japsenden Quoten-Ablehnern" - amüsiert sich Freischreiberin Silke Burmester in ihrer taz-Kolumne "Die Kriegsreporterin".
Das Neueste aus unserer beliebten Reihe "Mach's dir selbst" kommt diesmal aus Griechenland: Weil die Zeitung Eleftherotypia pleite ist, veröffentlichen die Mitarbeiter sie jetzt in Eigenregie.
Und zum Abschluss ein Hör-Tipp: Michael Hirschler, Leiter des Referats Freie Journalisten beim DJV, berichtet per Podcast von einer Protest-Aktion freier Kollegen für faire Honorare vor dem Stadtbüro des Bonner Generalanzeigers.
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Die Berliner Freischreiber treffen sich das nächste Mal am Dienstag, 13. März, um 19.30 Uhr an Gemmas Wohnzimmertafel in Charlottenburg. Thema ist die Freischreiber-Position zum Urheberrecht: Da viele unserer Mitglieder mit einiger Sorge verfolgen, welche Positionen die Piraten-Partei in dieser Sache zu vertreten scheint, haben wir den Piraten Stephan Urbach eingeladen, der das mit uns diskutieren möchte. Auch ein Vertreter der Digitalen Gesellschaft, die eine ähnliche Position vertritt, wird unser Gast sein. Das Gespräch ist als Hintergrundgespräch angelegt und soll der internen Debatte dienen. Anmeldungen bitte an gemma - Punkt - poerzgen - attt - gmx - Punkt - net
Ein zweites Treffen der Berliner Freischreiber gibt es am Mittwoch, 28. März um 19.30 Uhr mit dem Redaktionsleiter Ekkehard Knörer von der essayistischen Monatszeitschrift Merkur. Unter dem neuen Herausgeber Christian Demand will sich der Merkur als Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken neu positionieren und stärker für neue Schreiber, mehr Autorinnen und andere Themen öffnen. Darüber möchte Herr Knörer auch mit den Freischreibern an diesem Abend gerne ins Gespräch kommen. Anmeldungen bitte an gemma - Punkt - poerzgen - attt - gmx - Punkt - net
Eine weiterhin prallvolle Woche wünschen
Ihre Freischreiber
