Neues von Freischreiber: Freienfeiertag, Raketenwissenschaft und Bier für die SPD
Liebe Leserin, lieber Leser,
das ist doch mal was: eine Art Muttertag für freie Journalisten könnte man das nennen, was am Donnerstag, 26. April, gefeiert wird. Die Rede ist vom "Internationalen Tag des Urheberrechts", von dessen Existenz wir bis vor drei Stunden auch noch nichts wussten. Aber natürlich fordern wir jetzt Blumen. Und Pralinen. Und, natürlich, mehr Rechte, Urheberrechte natürlich!
Weswegen es uns irgendwie beruhigt hat, dass das Urheberrecht "keine Raketenwissenschaft" ist, wie der Hamburger Medienanwalt Reinhard Karl im Interview mit dem Magazin "Intro" behauptet.
Fühlt sich allerdings oft genug so an: Aus Gesprächen wissen wir, dass viele freie Journalisten das Thema Urheberrecht zwar wichtig finden, aber ob der Komplexität der Materie inzwischen aus der Debatte ausgestiegen sind. Deshalb hier nochmal ein paar Texte für den Überblick:
Einen guten Einstieg ins Thema liefert da z.B. das Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung.
Eine Sammlung von Links zu den wichtigsten Beiträgen zur Urheberrechtsdebatte der vergangenen Wochen hat die freie Journalistin und DJV-Kollegin Heike Rost zusammengestellt.
Und die zentrale Freischreiber-Position zum Thema - für alle, die ob der ganzen Diskussion aus den Augen verloren haben, was wir eigentlich darüber denken - gibt es hier.
Genaue Lektüre lohnt - Missverständnisse gibt es ja leider genug in der Debatte. Auch deshalb hat der ehemalige Freischreiber-Vorsitzende Kai Schächtele in einer Antwort auf eine Polemik von Geo-Chef Peter-Matthias Gaede noch einmal die Position freier Journalisten deutlich gemacht.
Schächtele schreibt angesicht der immer neuen Jubelgewinne von Medienunternehmen und den nirgens steigenden Honoraren: "Was ich von den Expeditionen im Namen des Stammes Freischreiber mit nach Hause gebracht habe, ist vor allem die Erkenntnis, dass es die heilige Allianz von Urhebern und Unternehmern, von Kreativen und den Verwertern schon lange nicht mehr gibt. Es ist ein immer wieder gern bemühter Mythos, dass es den Urhebern nur dann gut geht, wenn es auch den Verwertern gut geht. Halleluja, von welcher Zeit sprechen wir? Mitte der Siebziger? Die Wahrheit ist: Die Bedingungen, unter denen die Kreativen in Deutschland arbeiten, sind von der Prosperität der Unternehmen, die mit dieser Arbeit Geld zu erlösen versuchen, weitgehend entkoppelt."
Deshalb freut uns sehr, dass auch die Kollegen vom DJV sich inzwischen der Freischreiber-Forderung angeschlossen haben, dass das Urheberrecht (genauer: Das Urhebervertragsrecht) zugunsten der eigentlichen Urheber überarbeitet werden muss.
Denn dass die "Gemeinsamen Vergütungsregeln", die freien Journalisten eigentlich angemessene Vergütung für ihre Arbeit sichern sollten, nicht funktionieren, ist ja immer offensichtlicher. Deshalb fordert der DJV nun - wir tun das schon länger - eine Verbandsklagebefugnis zur Durchsetzung der Vergütungsregeln sowie eine verbindliche Schlichtung, damit die Verhandlungen nicht jahrelang ergebnislos verschleppt werden können.
Schade finden wir allerdings, dass die Gewerkschaft unsere Forderung nach einem Verbot von Buyout-Verträgen nicht teilen möchte.
So, das war nun genug Schwarzbrot, wegen des Feiertags gibt's jetzt Kuchen! Und zwar in Form eines Textes, der beschreibt, warum Journalist sein der beste Beruf überhaupt ist. Weil man dafür bezahlt wird, jede Menge lesen zu dürfen. Weil man ständig interessante Leute trifft und dafür auch bezahlt wird. Und weil man herumkommt. Ja, so sollte es sein...
Wer jetzt denkt: "Aber ich bin doch frei, ich komm' doch gar nicht rum", der bewirbt sich beispielsweise für ein "Middle East Fellowship" der Internationalen Journalisten-Programme IJP: Zwei Monate in Ägypten, Jordanien, Libanon, Israel oder den Palästinensergebieten. Alle weiteren Infos hier.
TERMINE
Die Berliner Freischreiber treffen sich das nächste Mal am Mittwoch, 16. Mai um 19.30 Uhr an Gemmas Wohnzimmertafel. Eingeladen ist diesmal Jörg Sundermeier vom Berliner Verbrecher-Verlag. Es geht um die Zusammenarbeit von Verlagen mit freien Autoren, aktuelle Entwicklungen in der Branche und die Frage, ob die Marketingstrategien der großen Verlage die klassische Rezension nicht längst abgelöst haben. (Und schon jetzt vormerken: Am Donnerstag, 14. Juni, folgt der nächste Termin zu Steuer- und Versicherungsfragen für freie Journalisten.) Anmeldungen bitte an gemma - Punkt - poerzgen - att - gmx - Punkt - net
Und die Freifunker und die Berliner Freischreiber versammeln sich gemeinsam am 14. Juni, ebenfalls um 19.30 Uhr an Gemmas Tafel. Zu Gast ist der Steuerberater Rüdiger Schaar, der darüber spricht, wie man als freier Journalist sein Geld mehren kann: von Künstlersozialkasse bis zu den steuerlichen Vorteilen von Rentenversicherungen. Anmeldungen an gemma - PUNKT- poerzgen - ättt - gmx. - net.
Die Münchner Freischreiber laden zum nächsten Stammtisch am 7. Mai um 19.30 Uhr im Ladenbüro von Anna Fuhrmann und Heidi Schmidt, Senftlstraße 2. Diesmal ist der Freienvertreter Bernd Mann von Ver.di zu Gast und für alle Fragen und Diskussionen offen. Knabbereien und Getränke sind willkommen; um Anmeldung bis 28. April wird gebeten: mail - at - heidischmidt - Punkt - eu.
Feiern Sie schön das Urheberrecht
Ihre Freischreiber!
