Neues von Freischreiber: Lektüretipps, ein sexy Radiofeature und eine Studie zum Burnout-Syndrom bei Journalisten

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

ja, ja, ja: Es wird Frühling! Auch wenn draußen hier und da noch Schnee liegt, die Zeichen sind eindeutig. Das heißt aber auch: Es dauert nicht mehr lange, bis man wichtige Botschaften wieder ganz oldschool via T-Shirt verbreiten kann (wer braucht schon Zeitungen, wenn er einen Körper hat?). Wir empfehlen die Journalism-Kollektion von "Fibers" (vielen Dank für den Hinweis an Matthias Spielkamp). Allerdings sind wir selbst noch nicht ganz sicher, welches unser Favorit ist – "I am the Media" oder "Trust me, I'm a Journalist" oder – passend zur anstehenden Hochzeitssaison: "My heart belongs to a journalist"?

Zugegeben, das mit dem Vertrauen und den Journalisten ist so eine Sache, wie der erste unserer

Lesetipps

zeigt. Eine Studie zum Umgang wichtiger Medien in Deutschland mit der Wirtschaftskrise zeigt, dass die Sache, nun ja, sagen wir: hätte besser laufen können. Zusammengefasst in sieben Thesen gibt's die wichtigsten Ergebnisse der Studie bei Carta (der ganze Text ist dort verlinkt). Die in unseren Augen wichtigste Forderung: "Wie können Redaktionen eine demokratische öffentliche Diskussion befördern, deren interne Arbeitsprozesse geprägt sind von Hierarchien, Kostendruck, unsicheren Beschäftigungsbedingungen, Personalabbau und einem vermachteten, teilweise höfischen Meinungsklima? Wir brauchen eine öffentliche Debatte über die Produktionsbedingungen der veröffentlichten Meinung."

 

In die Kerbe direkt daneben schlägt der Blogger und Journalist Detlev Brechtel: "Printmedien bieten kaum noch die Qualität, zu der sie eigentlich fähig sein müssten. Sie bieten kaum noch Gründe, sie zu kaufen. Sie bieten in breiter Front ein jämmerliches Schauspiel." Seine Forderung: Mehr Profil, mehr echte Autoren! Wir schließen uns an und erinnern noch einmal an unsere Forderung nach mehr content-freien und dafür Inhalts-reichen Forderungen! Brechtels Text steht hier.

 

Um nochmal auf die merkwürdigen Produktionsbedingungen zurückzukommen – damit kennen wir freie Journalisten uns aus. Und leider wissen wir auch, dass das, was die Stern-Chefredaktion im Interview mit der taz bedauert, um sich greift: Das "Outsourcen von journalistischer Drecksarbeit" an Freie. Es muss nicht immer so laufen, wie bei der Bunten und den Detektiven (die Story, auf die sich die Stern-Chefs beziehen), oft ist es auch "nur" die Auslagerung von Jobs, die die Grenze zur PR längst überschritten haben, und mit denen sich die Redaktionen die Finger nicht schmutzig machen mögen. Auch eine Sache, über die man mal öffentlich reden müsste, wenn von "Qualitätsjournalismus" die Rede ist. Zumal wenn ein und derselbe Verlag für PR ordentliche Tagessätze an freie Journalisten zahlt und die Honorare für Journalismus weit darunter bleiben.

 

Damit belassen wir es für heute und wünschen eine qualitativ hochwertige Woche!

 

Die Freischreiber

 

P.S. Hoppla, jetzt hätten wir fast die Terminhinweise vergessen: Die Freischreiber in Bremen treffen sich am kommenden Montag, 15.03, um 20 Uhr im Bandonion, Gertrudenstr.37 im Viertel, wie gehabt im oberen Raum. Mögliche Gesprächsthemen: erste Erfahrungen darüber, ob die Zeitungen sich an die seit Februar geltenden Vergütungsregeln halten, Fortsetzung des beim letzten Treffen begonnenen Gesprächs über den für Herbst geplanten Zukunftskongress, Bildung einer Arbeitsgruppe für eine Freischreiber-Aktion auf der Wissenswerte. Anmeldungen von all denen, die bislang noch nicht auf der Liste stehen, bitte an Tanja Krämer.

 

Außerdem weisen wir auf ein Radio-Feature unseres Freischreiber-Kollegen Thilo Schmidt hin: "Sexy aber arm. Das kreative Prekariat in Berlin." Es läuft am 31. März um 19.20 Uhr auf SWR2. Mehr dazu.

 

Und dann haben wir noch die Bitte um Mithilfe, denn freie Journalisten sind – mal wieder – Teil eines Forschungsprojekts. Diesmal geht es um das wichtige Thema Burnout-Syndrom bei Journalisten.

Dazu schrieb uns Angela Neumann von der Hochschule Bremen: "Stress, lange Arbeitstage, immer weniger Zeit für gründliche Recherche. Der Alltag von Journalistinnen und Journalisten ist in der Regel (heraus)fordernd und nicht selten sehr anstrengend. Viele Faktoren führen dazu, dass sich diese Situation in der kommenden Zeit nicht signifikant verbessern wird. Im Gegenteil: Viele Journalistinnen und Journalisten müssen um ihren Job fürchten, arbeiten immer mehr und unter immer größerer Anspannung. Auch und besonders für Freie ist es oft nicht leicht, genügend gut bezahlte Aufträge zu akquirieren.

Im Rahmen meiner Bachelor-Arbeit zum Thema "Burnout bei Journalisten" möchte ich zeigen, wie der Druck der Medienwelt Körper und Geist belasten kann. Hierfür suche ich betroffene oder ehemals betroffene Journalisten/innen, die mir Ihre Situation schildern können und möchten. Dies kann natürlich auch gerne anonym geschehen. Weder Namen noch die jeweiligen Medien müssen genannt werden. Vielleicht leiden Sie selbst unter den Anforderung Ihres Jobs, fühlen sich erschöpft oder depressiv und wären bereit, mit mir darüber zu sprechen? Oder Sie kennen jemanden, dem es so geht und könnten ihm diesen Text weiterleiten?

Kurz zu meiner Person: Ich habe selbst Gesundheitswissenschaften studiert und beende gerade den "Internationalen Studiengang Fachjournalistik" an der Hochschule Bremen. Seit drei Jahren arbeite ich als freie Mitarbeiterin für die regionale Tageszeitung Weser-Kurier und habe zuletzt Praktika beim Stern, der Deutschen Welle und der Süddeutschen Zeitung absolviert."

Wer helfen möchte, wende sich an angela_neumann(at)gmx(punkt)de