Neues von Freischreiber: Lektüretipps und gedrückte Daumen

Guten Tag,

 

neulich schrieb uns jemand, er habe endlich mal die Muße gehabt, unsere Lektüretipps in Ruhe durchzugehen und sie mit Gewinn gelesen. Das hat uns sehr gefreut – wirft aber auch die Frage auf, die wir uns mitunter selbst stellen: Ist unser Rundbrief zu lang, steht da zu viel drin, wird er am Ende nur überflogen, weil er zu lang ist? Wen es drängt, kann uns seine Meinung dazu gerne mitteilen: kontakt@freischreiber.de

 

Und jetzt: einige Hinweise und Lesetipps.

 

Hinweis I

 

Geld für Recherchen gebraucht? Hier gibt's welches: Recherchestipendien von bis zu 10.000 Euro gibt's ab sofort für wissenschaftsjournalistische Projekte. Vergeben werden diese "Ad-Hoc-Stipendien" von der TU Dortmund mit Mitteln der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen der Initiative Wissenschaftsjournalismus, die u.a. auch von der BASF getragen wird (sagen wir mal lieber dazu).
Ziel ist es, "mutige, anspruchsvolle Rechercheprojekte" zu fördern und die "Urteilsfähigkeit von Journalisten" zu stärken. Gefördert werden deshalb:

• innovative Herangehensweisen & Umsetzungen von komplexen Wissenschaftsthemen,

• Forschungs- und Studienaufenthalte in Forschungseinrichtungen weltweit,

• Recherchen zu gesellschaftspolitisch relevanten Fragen der Wissenschaft,

• investigative Recherchen.

Weitere Informationen unter www.initiative-wissenschaftsjournalismus.de

 

Hinweis II

 

Silke Burmester ist für die nächste – vorvorletzte – Runde des Nannenpreises in der Kategorie "Humor" nominiert. Wir drücken die Daumen, dass es ihre Kolumne "Die Kriegsreporterin", die sie fürs Medienressort der taz schreibt, bis aufs Podium schafft. Angesichts der Shortlist des Nannenpreises allerdings bleibt unsere hier angestoßene Diskussion aktuell.


Und damit kommen wir zu unseren Lektüretipps:

 

Mit dem Slogan "100% Content-Free" wirbt das Harper's Magazine neuerdings für sich selbst, wie Ronnie Grob entdeckt hat. Inhalt statt Content – eine Forderung, die wir nur unterstützen können: Schließlich leiden freie Journalisten am meisten unter der Herumschubserei ihrer Texte quer durch die Medienlandschaft. Und nicht nur, dass nicht mehrfach gezahlt wird – Content macht die Medien auch einfach langweilig und gleichförmig und ist somit eine Art Selbstzerstörungsformel der Verlage (nur haben die das zum Teil noch nicht gemerkt). Aber jetzt das: "Everybody gives you 'content'. But you'll never find that in Harper's Magazine". Kann das hier mal jemand nachmachen?

 

Schon klar, wir wissen, Content ist billig, Inhalte kosten mehr Geld. Aber wer sagt, dass niemand bereit ist, dafür zu zahlen? Freischreiber-Mitglied Jens Weinreich jedenfalls will das jetzt mal ausprobieren: Auf seinem Blog bietet er Möglichkeiten zum Bezahlen an und sucht nach Sponsoren – weil Qualitätsjournalismus nun mal seinen Wert hat. Wir drücken die Daumen (schon zum zweiten Mal in diesem Schreiben – das ist gelebtes Miteinander unter uns Freien).

 

Der Medienberater Marian Semm ausgerechnet, was ein lokales Blog bringen könnte. Das Ergebnis: 145.000 Euro Jahresumsatz sind möglich, davon könnte ein Mensch leben, die Anzeigenakquise und Vermarktung rausgeben und ein bisschen Honorare für Freie zahlen. Semms Rechenspiele gibt's hier.

 

Hyperlokal, das haben wir ja schon in den vergangenen Ausgaben des Newsletters geschrieben, ist für viele Beobachter die Zukunft des (Lokal)journalismus. Auch große Zeitungen wie die New York Times sehen das offensichtlich so und bauen sich hyperlokale Ableger. Dass sie dabei allerdings auf Studenten zurückgreifen, macht ein bisschen nachdenklich.

 

Klar, Studis sind billig und willig. Aber kann das tatsächlich die Zukunft des Journalismus sein?

 

In diesem Sinne: Immer schön teuer bleiben,

 

die Freischreiber