Neues von Freischreiber: Mit der Machete durch den Dschungel und ein Blick über den Tellerrand
Sehr geehrte Damen und Herren,
es sind spannende Zeiten für uns Journalisten: Die Welt der Medien wandelt sich, und keiner weiß, wohin es geht. Dementsprechend wird viel geredet und diskutiert und gemeint, und keiner weiß, wann es damit ein Ende hat, der Punkt also erreicht ist, an dem sich die Zukunft nicht mehr ankündigt – was mancher als düsteres Donnergrollen, mancher als silbrigen Lichtstreif am Horizont vernimmt –, sondern da ist. Einfach da. Oder wird der Tag nie kommen und es wandelt sich weiter?
Wir wissen es nicht, wollen aber in unserem wöchentlichen Brief immer auch dazu beitragen, die Texte ins Licht zu rücken, die uns in der Debatte als besonders klug und lesenswert aufgefallen sind. Dass wir da mitunter selbst in einem Dschungel stehen und nur noch die ganz große Machete heraus holen können, wollen wir nur mal am Rande erwähnen.
Hier also das, was wir aus dem Dschungel mitgebracht haben:
Heribert Prantl, Innenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung und bekannt für seine geschichtsfesten Leitartikel, hat auch in der Zukunftsfrage mal in die andere Richtung geschaut, zurück in die Vergangenheit. Herausgekommen ist ein langes, sehr lesenswertes Stück, in dem es um das geht, was den Journalismus mal ausgemacht hat – und natürlich auch um das, was ist und kommen wird: "Die wirklich große Gefahr für den Journalismus hierzulande geht vom Journalismus, von den Medien selbst aus – von einem Journalismus, der den Journalismus und seine Kernaufgaben verachtet; der Larifari an die Stelle von Haltung setzt; die Gefahr geht von Verlegern aus, die den Journalismus aus echten und vermeintlichen Sparzwängen kaputtmachen; sie geht von Medienunternehmern aus, die den Journalismus auf den Altar des Anzeigen- und des Werbemarktes legen." Den ganzen, langen Text gibt es in den Blättern.
Dass es bei Journalismus um etwas Großes, Wichtiges geht, wird hierzulande ja gerne behauptet, vornehmlich allerdings, um mit dem Leistungsschutzrecht ein bisschen neues Geld einzusammeln. Warum man mit der Bedeutung von Journalismus besser keinen lobbyistischen Schindlunder betreiben sollte (sondern sich lieber mal um ebensolche Bedeutung bemühen sollte), sieht man nicht nur beim Blick zurück in die Geschichte, sondern auch, wenn man den Blick ein bisschen über den eigenen Tellerrand hebt. Weswegen wir diesen Text über die journalistische Entwicklungshilfe – und deren Grenzen – der Deutschen Welle empfehlen.
Als Vorbereitung für den Freischreiber-Zukunftskongress am 18. September in Hamburg raten wir in dieser Woche zu einem ein Stück von Peter Glaser, der auch einer unserer Gäste auf dem Kongress sein wird. Er denkt darüber nach, wie das Internet den Journalismus verändert.
Außerdem möchten wir Sie gerne auf die Aktivitäten unserer Regionalgruppen hinweisen. Gestern abend haben die Bremer Freischreiber ein Seminar mit Christian Sauer zum Thema "Souverän schreiben" veranstaltet, dort ging es um die Textbaustelle Hirn, das Bauchgefühl beim Schreiben, die Beteiligung der Hirnhälften im Schreibprozess, Schreibvermeidungsstrategien und Tipps für die eigene Kreativität.
Am Dienstag, 22. Juni, treffen sich die Berliner Freischreiber, Thema des Abends ist das von freien Journalisten gegründete online-Magazin MAGDA. Näheres zu den Regionaltreffen, zu denen auch Nicht-Mitglieder herzlich eingeladen sind, finden Sie auf unserer Regionaltreffen-Informationsseite.
Soweit für heute, herzliche Grüße,
Ihre Freischreiber