Neues von Freischreiber: Surfen kostet, benachteiligte Radiojournalisten und die Zukunft, die uns alle angeht

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie die Freischreiber-Website als RSS-Feed abonniert haben (was wir natürlich empfehlen), werden Sie gemerkt haben, dass sich in der vergangenen Woche dort einiges getan hat. Wenn Sie keinen Feed haben, sollten Sie mal wieder auf die Seite gehen, denn, wie gesagt, es gab einiges in der vergangen Woche.

Zum Beispiel Neues vom Leistungsschutzrecht. Leider nichts Gutes: Das Bauchgefühl, dass wir angesichts dieses von den Verlagen gewünschten Rechts die ganze Zeit schon hatten, hat offenbar nicht getrogen: Denn ganz offensichtlich wird das Leistungsschutzrecht freie Journalisten benachteiligen – neben all den anderen Problemen, die es auch noch mit sich bringt. Es sieht nämlich ganz so aus, als müssten freie Journalisten in Zukunft zahlen, wenn sie Internet-Seiten von Verlagen ansurfen wollen – selbst wenn die im Netz weiterhin ohne Paywall zugänglich sind. Die Gewerkschaften haben zwar eine Idee, wie man das wieder gutmachen kann. Aber besser wird es dadurch kaum. Lesen Sie selbst.

Freischreiberin Ulrike Langer hat in ihrem Blog Medialdigital aufgeschrieben, wie sich die Debatte bisher entwickelt hat. Ihr Beitrag ist die Chronologie eines Ausverkaufs.

Ebenfalls neu in unserem Blog: Der Protest der Freifunker, also der Radio- und Fernsehjournalisten bei Freischreiber. Sie werden benachteiligt – und zwar absurder Weise dann, wenn sie professionell als Freie arbeiten und deshalb mehrwertsteuerpflichtig sind. Sie verdienen dann weniger als jene, die ab und an mal einen Beitrag machen und deshalb nicht mehrwertsteuerpflichtig ist. Die ganze Story gibt's hier.

Zwei Vorfälle, die deutlich machen, dass Freie am untersten Ende der Nahrungskette stehen und leider immer noch zu oft leer ausgehen. Ein alarmierendes Signal kommt auch aus den USA: das Forbes-Magazin hat den "unternehmerischen Journalismus" entdeckt. Allerdings auf eine bedenkliche Weise: Freie bekommen dort nun kein Pauschalhonorar mehr, sondern werden nach Anzahl der Klicks bezahlt, die ihre Artikel generieren.

Schön ist das alles nicht. Aber ein guter Grund, sich als Freier zu überlegen, ob es Alternativen zum Sich-von-Verlagen-schlecht-behandeln-Lassen gibt. Denn selbst wenn es derzeit bei vielen noch so einigermaßen läuft: Wie das alles weitergeht, weiß niemand. Und die Lobby für freie Journalisten ist immer noch viel, viel, viel zu klein.

Eine gute Gelegenheit, gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu erwischen, bietet der Freischreiber-Zukunftskongress am 18. September in Hamburg. Dort geht es um die Frage, wie freie Journalisten sich selbst so weiterentwickeln können, dass sie selbstbewusst und auf Augenhöhe mit Verlagen verhandeln können oder ihr eigenes Ding machen und damit unabhängig werden. Und natürlich geht es darum, Netzwerke zu knüpfen und so die Lobby für Freie zu stärken. Denn, ganz ehrlich: retten wird uns niemand außer wir selbst. Und deshalb heißt der Zukunftskongress auch: "Mach's dir selbst – Wie freie Journalisten in Zukunft arbeiten und Geld verdienen werden."

Also: Schnell anmelden, in einigen Workshops werden die Plätze bereits rar, noch aber haben Sie freie Auswahl!

Eine Betten- und Mitfahrgelegenheiten-Börse (selbstredend auch für Mitglieder) finden Sie auf der Freischreiber-Website im Forum.

 

Außerdem haben wir noch ein paar Lektüretipps:

Der Journalist Mark Heywinkel beschreibt in seinem Blog Mediatopia den Medienwandel. Wir empfehlen seine Seite als Vorbereitung auf unseren Kongress, auf dem es ja genau um diese Frage gehen soll, die auch Heywinkel nachgeht: Wie könnte die Medienwelt von morgen aussehen, und wie müssen sich Journalisten mit wandeln?

In Frankfurt/Main haben sich die vier freien Journalisten vom Büro Schwarzburg zusammen gefunden, um, wie sie schreiben, "endlich mal ohne Redaktions- und Kundenzwänge etwas Schönes und Gutes" zu machen. Heraus gekommen ist das Magazin NORDend, das sich vor allem dem Frankfurter Stadtteil gleichen Namens widmet – hintergründig, voller Geschichten, ohne Ausgehtipps und Promigeschwätz. Mehr zum Konzept und zum Heft steht hier.

sueddeutsche.de hat einige andere Magazingründer besucht und schreibt über eine Art Gründungswelle, die ganz ohne Großverlage durch die Zeitschriftenregale schwappt.

Es sich selbst machen ist irgendwie angesagt, sagen wir ja auch. Deshalb: Kommen Sie nach Hamburg, wir freuen uns auf Sie!

Herzliche Grüße, Ihre Freischreiber

P.S. Gerade frisch in einem Garten in der nördlichen Lüneburger Heide entstanden: Eva-Maria Schnurr, unsere stellv. Vorsitzende, erklärt in einem Videofilmchen, warum wir den Kongress veranstalten, was es dort geben wird und warum es gut ist, daran teilzunehmen. Film ab!