Neues von Freischreiber: Zur Angemessenheit von Honoraren, Rückblick und Ausblick etc.

Guten Tag,

 

mittwochs erhalten Sie regelmäßig unseren Rundbrief mit Neuigkeiten aus der Welt der freien Journalisten. Die Regelmäßigkeit, um die wir uns stets bemühen, ist zuletzt wegen zweier Extra-Newsletter etwas durcheinander geraten. Grund war die Diskussion um die Honorarsätze, wie sie die Journalistengewerkschaften DJV und dju gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger für hauptberuflich freie Tageszeitungsjournalisten vereinbart haben.

 

Wir haben mit einer ausführlichen Stellungnahme gegen diese "Gemeinsame Vergütungsregeln" protestiert, weil wir der Auffassung sind, dass sie Verhältnisse zementieren, unter denen professioneller Journalismus nicht mehr möglich sein wird. Zwar wird es für einige freie Journalisten tatsächlich höhere Zeilenhonorare als zuvor geben, die aber sind auch weiterhin weit davon entfernt, dass freie Journalisten damit ihr Leben bestreiten können. Was das für den Tageszeitungsjournalismus bedeutet, der von den Beiträgen freier Journalisten lebt, mag sich jeder selbst überlegen.

 

Unsere Stellungnahme hat uns große Aufmerksamkeit beschert. U.a. berichteten taz und Süddeutsche Zeitung auf ihren Medienseiten (nur in gedruckter Form), der Helgoländer Vorbote, Spiegel online und Perlentaucher, das Medienmagazin Berliner Journalisten, der Mediendienst kress; die Fotografen-Kollegen von Freelens reicherten unsere Argumente mit einem Akzent auf die bislang völlig indiskutable Haltung des BDZV zu den Bildhonoraren an, über die es deshalb bislang keine Regelung gibt. Matthias Spielkamp begründete in seinem Immateriblog ausgehend von unserem Beitrag, warum er die Vereinbarung von DJV, dju und BDZV ablehnt, die Sendung Markt und Medien des Deutschlandfunks befragte Freischreiber-Vorstandsmitglied Lars Reppesgaard zu unserer Haltung in dieser Sache, Steffen Grimberg, Medienredakteur der taz, äußerte sich im Deutschlandradio Kultur ebenfalls dazu. Das Netzwerk Recherche wies in seinem aktuellen Newsletter auf unsere Stellungnahme hin.

 

Raumgreifend beteiligte sich auch der DJV an der Debatte auf unserer Seite (wohl weil auf der DJV-Seite die Kommentarfunktion zunächst abgeschaltet war), u.a. äußerten sich (immer wieder) der Freien-Referent Michael Hirschler, die Sprecherin des Freien-Fachausschusses, Heike Rost, und der Pressesprecher Hendrik Zörner. Uns hat der Tonfall, den die DJVler an den Tag legten, gewundert: Warum so gehässig, warum so arrogant gegenüber unserem Verband und der Stellungnahme, die doch eigentlich recht konstruktiv war? Nach mehreren Tagen veröffentlichte der DJV dann eine längliche Entgegnung auf der eigenen Seite, die dokumentiert, wie weit sich der DJV offenbar von den Anliegen freier Journalisten entfernt hat. Die Frage, warum eine Gewerkschaft Regelungen zustimmt, die weiterhin mickrige Honorare "angemessen" nennen, bleibt auch dort unbeantwortet.

 

Bis auf einen anonymen Diskussionsteilnehmer war von der dju in der Debatte auf unserer Seite gar nichts zu hören. Wir hatten uns schon gefragt, was dort los ist – wissen aber sicher, dass es die Journalisten-Abteilung unter dem Dach des Gewerkschaftsmultis Verdi weiterhin gibt, denn in seiner gestrigen Sitzung hat die dju-Tarifkommission die Vergütungsregeln gebilligt.

 

Wenn in ihrer Sitzung am 18. Januar auch die zuständigen DJV-Gremien zustimmen, werden die Honorarsätze ab dem 1. Februar gelten. Unser Tarifrechner zum Selberbasteln zeigt, wie viele Texte freie Tageszeitungsjournalisten dann schreiben müssen, um von ihrer Arbeit leben zu können. Freelens zeigt in Ergänzung zu unserem Tarifrechner einen Stundenrechner für Freiberufler.

 

Bis dahin lohnt es sich zumindest für DJV-Mitglieder noch, Stellung zu den Vergütungsregeln zu nehmen.

 

Weiterhin können sich freie Journalisten und alle anderen noch an der Online-Petition beteiligen, die die freie Journalistin Tanja Krämer initiiert hat, um die Journalistengewerkschaften dazu zu bringen, die berechtigten Einwände der betroffenen freien Journalisten noch zu berücksichtigen. Die Petition war zwischenzeitlich abgestürzt und nicht erreichbar, nachdem innerhalb kurzer Zeit schon 150 Personen dort unterschrieben hatten.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei all denen, die sich an der Debatte auf unserer Seite beteiligt haben, bei denen, die über Twitter auf unsere Stellungnahme hingewiesen haben, und bei den Vielen, die uns durch Zuspruch und Lob ermutigt haben. Vielen Dank!

 

Kommenden Montag geht unsere Freiflächen-Kampagne weiter – dort können Sie erleben, wie wichtig freie Journalisten sind. Ohne sie wären viele Magazine ziemlich löchrig.

 

Zum Schluss gestatten Sie uns noch einen Hinweis auf das neue Online-Magazin MAGDA. Eine Reihe freier Autoren und Journalisten, darunter auch einige Freischreiber-Mitglieder, hat dieses "journalistische Experiment in einer Welt ohne Geschäftsmodelle" unter völlig neuen redaktionellen Bedingungen gestartet: ohne Apparat, ohne Aufpasser, ohne Sicherheiten. So frei, wie es freie Journalisten heutzutage sein können. MAGDA freut sich über Leser!

 

Und wir verabschieden uns damit für heute,

 

herzliche Grüße, Ihre Freischreiber!