Newsletter vom 29. Juni 2009

Liebe Kollegen,

es folgt der Freischreiber-Newsletter vom 29. Juni. Diesmal mit den Themen:

1. Ein Wunder! Elke Heidenreich hat ein Buch herausgegeben, ohne es zu wissen

2. Aus Leidenschaft gegen Ausverkauf

3. Ein Blick ins interne Forum

4. Das Freischreiber-Tutorial



1. Elke Heidenreich hat ein Wunder vollbracht: Sie hat ein Buch herausgegeben, ohne dass sie dezidiert dafür einen Text geschrieben hätte. Noch besser: Sie hat im Vorfeld noch nicht einmal gewusst, dass es dieses Buch geben würde. Des Rätsels Lösung: Für „Bücher könnte ich lassen – Oper nie!“ hat die Deutsche Literaturgesellschaft zwei Heidenreich-Texte von der FAZ gekauft, bei der Heidenreicht den obligatorischen Autorenvertrag unterschrieben hatte. Ihre Reaktion: „Ich bin empört über die Machenschaften der Deutschen Literaturgesellschaft!“ Warum die der FAZ nicht besser sind, steht im aktuellen Eintrag des Freischreiber-Blog.

2. Und wo wir schon beim Thema sind: Der Kampf gegen die Praxis der Total-Buy-Out-Verträge hat sich zu einem unserer zentralen Betätigungsfelder entwickelt. So haben wir gemeinsam mit den Kollegen von Freelens vor zwei Wochen ein zwölfseitiges Papier ans Justizministerium geschickt, in dem wir erklären, wie die gegenwärtige Vertragspraxis uns Urheber entrechet und welche Veränderungen im Urhebervertragsrecht aus unserer Sicht notwendig sind. In diesen Wochen beginnen im Justizministerium die Beratungen zum „Dritten Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft“, unser Papier soll sicherstellen, dass dabei auch unsere Interessen berücktsichtigt werden.

Gleichzeitig arbeiten wir daran, in den einzelnen Regionalgruppen mit den für unsere Belange zuständigen Politikern ins Gespräch zu kommen, um sie über unsere Interessen und Forderungen zu informieren. Dass die Dinge langsam in Bewegung zu kommen scheinen, hat sich am vergangenen Mittwoch in Hamburg gezeigt: Die Bürgerschaft beriet über den "Schutz des Geistigen Eigentums im Internet". Anlass dafür war ein Antrag der CDU/Grün-Regierung, in dem unter anderem gefordert wurde, zu prüfen, ob aus Hamburgischer Sicht auf Bundesebene Bedarf für Gesetzesänderungen besteht - schließlich ist das Urheberrecht Bundesrecht.

Interessant aus Freischreiber-Sicht war aber insbesondere ein Antrag der SPD, in dem folgende beiden Passagen zu finden sind:

"Der Senat wird aufgefordert,

1) sich die Erklärung Hamburger Verlage zum Schutz geistigen Eigentum zu eigen zu machen (über die Hamburger Erklärung haben wir im Blog berichtet) und festzustellen, dass auch die freiberuflichen unter den Urheberrechtsinhabern von den Verlagen und Sendern fair am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Arbeit beteiligt werden müssen.

2) sich im Bundesrat dafür einzusetzen, dass auf rechtlichem Wege sichergestellt wird, dass die bislang üblichen Buy-Out-Verträge zwischen Verlage und Sendern auf der einen Seite, und den Freiberuflern und Selbständigen auf der anderen Seite, der Vergangenheit angehören, damit jeder wirtschaftliche Erlös aus einer Zweit- oder Mehrfachverwertung - etwa durch die GENIOS-Datenbank oder Internetseiten - durch einen fairen Schlüssel zwischen Werkvermittlern und Urhebern aufgeteilt wird."

Diese Antrag wurde gemeinsam mit dem Antrag der schwarz-grünen Regierung sowie einem weiteren Antrag der Linken an den Kulturausschuss überwiesen, dort wird jetzt weiter beraten.

Für die Freischreiber ist es ein ganz wichtiger Schritt, dass das Thema Buy-Out-Verträge und faire Beteiligung am Erfolg unserer Arbeit nach unserem Kenntnisstand erstmals in einem Landesparlament zur Sprache gekommen ist. Wir hoffen natürlich, dass dieser Antrag auch Folgen auf Bundesebene zeigt, und schauen jetzt mal, was der Kulturausschuss berät. Versprochen sei: Wir bleiben dran und halten die Freischreiber auf dem Laufenden!

3. Ein kurzer Blick ins interne Forum: Ralf Grötker hat einen Beitrag verfasst, um eine Diskussion über die Arbeit von Freischreiber in den kommenden Monaten anzustoßen. Im Fach „Anregungen und Vorschläge an den Vorstand“ schreibt er unter der Überschrift „Unsere Agenda“:

„Der Verein ist gegründet, Satzungsprobleme sind  behoben worden, die Webseite wurde neu gestaltet ... und doch vermisse ich eine Diskussion über die Agenda von Freischreiber. Hier im Forum - und nicht nur in den Regionalgruppen.  Was konkret haben wir eigentlich vor?“

Wäre doch schön, wenn sich eine engagierte Debatte entspinnen würde darüber, wie wir uns in den kommenden Monaten weiterentwickeln sollen. Denn auch in Zukunft wird gelten: Freischreiber kann nur so stark sein, wie wir uns gemeinsam machen.

4. Wer sich noch nicht ins Forum oder die vielen anderen Winkel unseres virtuellen Verbandshauses vorgewagt hat: Jakob Vicari erklärt in einem siebeneinhalb Minuten dauernden Video alle Funktionen unserer Webseite. Das Tutorial findet Ihr hier.

Und damit: eine erfolgreiche Woche aus Berlin. Wer zwischendurch etwas Aufmunterung brauchen kann, sehe sich das Ergebnis einer investigativen Recherche des SWR an: Obama ist Schwabe.     
 

Es grüßt im Namen des Freischreiber-Vorstands:

Kai Schächtele