vom 24T10:21:56+00:00.09.2019

24. September 2019

Was Freie wert sind, wenn es um die Wurst geht

Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
brennen junge Journalist*innen nicht mehr für ihren Job, wie es die alten Hasen einst taten? Das zumindest legt eine Kolumne des ehemaligen Chefredakteurs Christian Lindner (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen FDP-Chef) auf kress.de nahe. Lindner beklagt, dass der jungen Generation die Work-Life-Balance immer wichtiger werde. Diese könne ihr Brennen für den Beruf ein- und ausschalten „wie einen Induktionsherd“.
 
Freischreiber-Vorstandsmitglied Jens Eber wird bei solchen Sätzen wütend. In einer Replik, die ebenfalls auf kress.de erschienen ist, geht er auf die Arbeitsbedingungen ein, die Verlagsmenschen wie Lindner gerne ausblenden:
 
„Selbst wenn die wunderbaren jungen Talente (und die gibt es!) im gleichen Maße wie die Alten brennen und schuften und Stunden kloppen würden – sie würden nie auch im gleichen Maße entlohnt werden.“
 
Und weiter: „Von Tariflöhnen, wie sie ein heute 60-jähriger Redakteur einstreicht, kann ein 22-jähriger Einsteiger nur träumen.“ Ähnlich miserabel sehen die Arbeitsbedingungen für Freie aus: mickrige Honorare, Buyout-Verträge, wenig Anerkennung (siehe Lindner).
 
Und doch schließt Jens mit einem positiven Credo: „Es gibt auch heute sehr faire Arbeit- und Auftraggeber, die eine gesunde Balance im Leben ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mit Argwohn begleiten, sondern als Wert an sich betrachten. Freischreiber zeichnet solche Auftraggeber bekanntlich mit dem Himmelpreis aus, das nächste Mal am 9. November. Für solche Kunden brennt man dann gerne.“
 
Neues aus dem Vorstand

 

Der Freischreiber-Vorstand ist am Wochenende zusammengekommen, unter anderem, um unser baldiges Mitgliedertreffen aka „Betriebsausflug“ zu planen (9. November). Das Highlight: eine gemeinsame Busfahrt nach Himmelpforten und Teufelsbrück, um vor passender Kulisse den Himmel- und Höllepreis der Freischreiber zu verleihen. Kein Scherz, diese altehrwürdigen Orte gibt es wirklich!


 
Lesenswert
 
Unbedingt: das Buch “Tausend Zeilen Lüge” von Juan Moreno. Da liest man mit angehaltenem Atem von der soliden Wand des “Spiegels”, gegen die der freie Reporter Moreno angerannt ist, um die Fälschungen seines Co-Autors Claas Relotius offenzulegen. Wie grausam solide diese Wand war, macht dieses Buch überdeutlich. Dabei ist der Text zurückhaltend und unaufgeregt geschrieben, was ihn nur umso bedrückender macht.
 
Buchcover Tausen Zeilen Lügen„Wir beide wussten, dass da gerade meine Existenz verhandelt worden war. Wenn es die Runde machte, dass ich das Wunderkind des deutschen Journalismus aus Neid mit Dreck bewarf, war für mich das Reportageschreiben, überhaupt mein Leben als Reporter gelaufen.“

Wir lesen da als Freie, was wir wert sind, wenn es um die Wurst geht. Und wie unfassbar knapp es zur Sache ging. Es blieben nur wenige Tage, dann wären der vermeintliche Starrreporter und die Ressortleitung befördert worden. Zugleich standen die Relotius-Fälschungen kurz vor der Aufdeckung durch eine amerikanische Journalistin. Angesichts der Dimensionen des Falls kann man Moreno nur dazu beglückwünschen, diesen Höllentrip durchgestanden – und dieses Buch geschrieben zu haben. Wir vergeben dafür sieben von fünf Sternen. (Rowohlt, 288 S., 18 Euro)

Auch lesenswert: Dieser offene Brief der Initiative Nonprofitjournalismus: In den kommenden Tagen und Wochen berät der Bundesrat über die Einführung des gemeinnützigen Journalismus. Was spricht dafür? Was sagen die Kritiker? Hier steht es.
 
Freischreiberiges
 
Die Wissenschaftspressekonferenz (WPK) und die Hamburger Freischreiber organisieren am 30.9. in Hamburg einen kleinen Klimagipfel: Der Wandel ist da –  Wo steht der unabhängige Journalismus, wenn es buchstäblich um die Zukunft der Welt geht? Mit: Vertretern von Extinction Rebellion (XR), Klimaforscher Mojib Latif, Medienwissenschaftler Michael Brüggemann und dem freien Journalisten Claus Hecking (Capital / SPON) Es moderiert: Eva Augsten. Infos und Anmeldung hier.

Freischreiberin Lisa McMinn hat es unter die „Top 30 unter 30“ des Medium-Magazins geschafft. Die Hamburger Journalistin schreibt unter anderem für „Geo“ und „Die Zeit“. Wir gratulieren herzlich.
 
Die österreichische Freischreiberin Susanne Wolf hat ein neues Buch veröffentlicht. Es heißt „Zukunft wird mit Mut gemacht“ und stellt die Frage, was jede/r Einzelne tun kann, um Klimawandel, Umweltzerstörung und Artensterben zu stoppen (Verein für Konsumenteninformation VKI, 146 Seiten, 19,90 Euro).
 
Stipendien, Preise, Seminare
 
Die Reporterfabrik ermuntert Journalist*innen seit einiger Zeit dazu, Schulen zu besuchen. Aber wie geht das genau? Mit welchen Methoden lassen sich die jungen Leute am besten begeistern? Dazu bieten die beiden NDR-Journalist*innen Carolin Fromm und Christian Deker ein Webinar an, und zwar am 17. Oktober um 19:30 Uhr. Zur Anmeldung bitte eine Mail schreiben. 

Diesen Herbst vergibt die Reporter-Akademie Berlin gemeinsam mit ihren Partnern Amnesty International, Caritas International und Dumont-Verlag wieder drei Stipendien an junge Journalistinnen und Journalisten im Wert von je rund 1.000 Euro. Das Stipendium umfasst die Teilnahme an zwei Intensiv-Workshops der Reporter-Akademie. Bewerbungen können noch bis zum 10. Oktober eingereicht werden.
 
Dies und das
 
Veröffentlichen Redaktionen journalistische Inhalte von Dritten auf ihren Online-Plattformen, liegt die presseethische Verantwortung bei ihnen. Das hat der Deutsche Presserat in einer Grundsatzentscheidung beschlossen. Anlass waren sechs Beschwerden gegen FOCUS Online. Die Redaktion hatte Beiträge veröffentlicht, die von Drittquellen stammten – beispielsweise von der Polizei oder lokalen journalistischen Publikationen.


 Mitmachen und Ärmel hochkrempeln: Jetzt :Freischreiberin (oder :Fördermitglied) werden! 


 
Termine
 
Darf Journalismus kommerziell sein? Oder schränkt der Vertrieb die Pressefreiheit ein? Darüber diskutieren die Teilnehmer*innen beim „Scoopcamp“ in Hamburg am 25. September. Last-Minute-Tickets gibt es unter diesem Link.
 
Die Bedrohung saudischer Journalisten machte vergangenes Jahr durch die Ermordung Jamal Khashoggis weltweit Schlagzeilen. Im Rahmen der „Global Investigative Journalism Conference“ besprechen die Dokumentarfilmerin Safa Al Ahmad und die Journalistin Katrin Sandmann Möglichkeiten, über das Land zu berichten: 26. September, 19 Uhr, Körber-Forum Hamburg, Kehrwieder 12. Der Eintritt ist frei.
 
In der Talkreihe „Medien.Idee.Macher“ der Akademie für Publizistik geht es diesmal um Podcasts. Mit welchen Themen kann man punkten? Welches technische Know-how wird benötigt? Wie kann man Geld mit Podcasts verdienen? Darüber sprechen die drei Podcast-Profis Sabine Rückert („Die Zeit“), John Ment („Radio Hamburg“) und Elisabeth Rank („Audible“). Die Veranstaltung findet am 22. Oktober am Ballindamm 25, Hamburg, statt. Der Eintritt ist frei; bitte hier anmelden.
 
Weltreporter, das größte Netzwerk deutschsprachiger Auslandskorrespondent*innen, feiert sein 15-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass organisiert der Verband eine Podiumsdiskussion. Das Motto: „Das Verschwinden der Welt: Wer rettet die Berichterstattung aus dem Ausland?“, 26. Oktober, 19 Uhr, Volksbühne Berlin (Grüner Salon, Tickets gibt es hier).
 
Zum Schluss noch ein Appell:
 
Für unsere Termin- und Workshop-Rubrik erhalten wir regelmäßig Pressemitteilungen, die wir, wenn sie passen, gerne aufnehmen. Darüber freuen wir uns. Viele Veranstalter sind „Stammkunden“, oft aus den Großstädten Berlin oder Hamburg. Wir wissen, dass auch die Provinz lebt und bitten deshalb alle Leser*innen: Schicken Sie uns Ihre Veranstaltungen, die für Journalist*innen interessant sein können. Denn unsere Mitglieder leben in ganz Deutschland – und darüber hinaus.
 
In diesem Sinne: Frohes Schaffen und eine gute Zeit!

Ihre
:Freischreiberinnen und :Freischreiber!

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Slack-Chat Zweitverwertung
Nur für Mitglieder: Zweitverwertung – wie machst du das? Am 26. September gibt es um 11 Uhr einen Wie-machst-du-das-Chat zum Thema “Zweitverwertung” mit Freischreiber Steve Przybilla in unserem Slack-Team.


Freischreiber-Position zur Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie
Wir UrheberInnen fordern: Keine pauschale Beteiligung der Verlage an den Ausschüttungen der VG Wort
Unsere Stellungnahme zur Umsetzung der EU-Urheberrechtslinie (hier als PDF).


Das Honorar-Tool für mehr Transparenz: Honorare hier eintragen: wasjournalistenverdienen.de

Busfahrt ins Grüne mit Himmel- und Höllepreisverleihung, Mitgliederversammlung, Box-Workshop und Zeit für Austausch – der Freischreiber-Betriebsausflug am 9.11. von Hamburg nach Himmelpforten und über Teufelsbrück wieder zurück. Infos hier.


How to Instagram?

Auf Einladung der Wissenschaftspresse-konferenz (WPK) kommt die großartige Eva Horn in die CoWorkBude und erzählt, was man auf Instagram alles machen kann – und was vielleicht besser nicht. Warum lohnt es sich für Wissenschaftsjournalisten, hier noch einen weiter Social Media-Kanal zu eröffnen? Wir werden es hören und sehen. Anmeldung für Mitglieder hier.


Nur für Mitglieder
STEUER-SERVICE
Wir haben einen FAQ, eine Steuerhotline und bieten sogar die Möglichkeit, über unseren Partner terratax an einem vereinfachten Steuerverfahren mitzumachen. Mehr dazu hier

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