vom 10T04:45:00+00:00.03.2020

10. März 2020

Das Manifest der Freien
 

 

Liebe Freischreiberïnnen, liebe Kollegïnnen und liebe Freundïnnen von Freischreiber,

am Montag hat das Medium Magazin unser Manifest der Freien veröffentlicht. Wir appellieren darin an alle Medienhäuser, ihre freien Mitarbeiterïnnen vor Bedrohungen zu schützen, genauso wie sie es bei ihren Festangestellten tun. Es darf nicht sein, dass Freie ungeschützt dem Hass ausgesetzt sind, wenn sie für Sender und Verlage arbeiten. Hass und Hetze erreichen uns in unserem sensibelsten Bereich, unserem Zuhause. Uns fehlt die schützende Haut der Redaktion: Viele von uns arbeiten vom heimischen Schreibtisch aus“, heißt es im Manifest. „Unser Smartphone ist fast immer an. Damit landet jede Drohung, jeder gehässige Kommentar, jede Beleidigung auf unseren Küchentischen, in unseren Kinderzimmern, in unseren Betten.“ Freie Journalistïnnen sind im Netz nicht nur privat unterwegs, sie werden auch stellvertretend für ihr Medium angefeindet, erhalten Beleidigungen, Beschimpfungen, Morddrohungen, ungefiltert, ungeschützt.

Deshalb fordern wir und die 30 Erstunterzeichnerïnnen des Manifests die Solidarität und Rückendeckung der Medienhäuser, für die wir arbeiten: Um uns gegen Drohungen und Anfeindungen zu wehren, brauchen wir Unterstützung und juristischen Beistand. Schickt uns eure Anwälte oder kalkuliert Anwaltspauschalen für den Fall der Fälle ein.“ Drohungen dürfen nicht folgenlos bleiben, nur weil uns die Mittel fehlen. Ab sofort steht das Manifest der Freien mit seinen zehn Punkten zur Unterzeichnung offen. Zeichnen Sie mit (Mail an manifest@freischreiber.de genügt) und tragen Sie das Manifest in Redaktionen und Verlage. 

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Diese Debatte ist überfällig. Das sieht auch Doris Achelwilm so, medienpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag. Sie hat bei der Bundesregierung aktuelle Daten zu politisch rechts motivierten Angriffen auf Medienvertreterïnnen erfragt. Das dürftige Ergebnis: „Ob Straf- und Gewalttaten gegen Journalist*innen und Medien zu Strafverfahren führen oder doch überwiegend im Sande verlaufen, beschäftigt die Bundesregierung wenig“, so Achelwilm in ihrer Pressemitteilung. „Ob Strafverfolgungsbehörden zuletzt vermehrt für Pressefreiheit und die Rechte von Medienschaffenden sensibilisiert wurden, bleibt im Unklaren. Über die Anzahl möglicher Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Polizeibeamt*innen wegen der Nichtverfolgung von Straftaten hat die Bundesregierung keine Informationen.“ Dabei gehöre das Thema auf die Tagesordnung der Konferenz der Innenminister.

 


 Mitmachen und Ärmel hochkrempeln: Jetzt :Freischreiberin (oder :Fördermitglied) werden! 


Vier Tage dauerte die erste Anhörung im Prozess gegen Julian Assange. Sie wurde von vielen Seiten beobachtet, unter anderem von Christian Mihr, dem Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen (RSF). Mihr schreibt: „Noch immer bin ich über die Umstände der Anhörung schockiert. Denn Julian Assange wurde vorgeführt und behandelt wie ein schlimmer Gewalttäter. Während der ganzen Verhandlung saß er hinter einer Scheibe in einem Glaskasten, aus dem heraus er nicht direkt mit seinen Anwälten kommunizieren konnte. Am zweiten Tag der Anhörung wurde bekannt, dass Julian Assange am Vortag im Gefängnis offenbar misshandelt worden ist: Er wurde zweimal einer Leibesvisitation unterzogen, elf Mal mit Handschellen gefesselt, fünf Mal in andere Zellen verlegt – ihm verfahrensrechtlich zustehende Prozessunterlagen wurden beim Betreten und Verlassen des Gefängnisses beschlagnahmt.“ Auch die  Prozessbeobachterin und Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen (Die Linke) glaubt nicht an ein faires Verfahren. In einem Interview mit dem Spiegel sagt sie: „Alles bisherige deutet auf eine Vorverurteilung, auf einen reinen Schauprozess hin.“ Am 18. Mai wird der Prozess fortgeführt, dann werden die Zeugen gehört.

Inzwischen fordern Transparency Deutschland und Netzwerk Recherche Konsequenzen aus dem Fall Assange: Journalistïnnen dürften nicht länger als „Landesverräter“ verfolgt werden, wenn sie vom Staat als geheim eingestufte Dokumente veröffentlichten.
 

Freischreiberiges

Können wir eigentlich auch ohne sprachverunstaltende Sonderzeichen gendern? Wie vermeide ich Klischees, wenn ich über Menschen mit Behinderungen schreibe? Welche Formulierungen sind ungewollt rassistisch oder beleidigend? Und: Gibt es kein deutsches Wort für “People of Colour”? Um diese Fragen geht es am Donnerstag (12.03.) beim Freischreiber-Abend zum Thema diskriminierungssensibles Schreiben. Es diskutieren: Christine Olderdissen (genderleicht.de), Judyta Smykowski (leidmedien.de) und Melina Borčak (Freischreiber Berlin). Infos und Anmeldung hier.

Freischreiber und Klimareporter Raphael Thelen hat zusammen mit Theresa Leisgang, ebenfalls Klimareporterin, auf eigene Faust ein 20.000-Kilometer-Projekt gestartet, um über die Folgen der Klimakrise zu berichten. Startpunkt ist Südafrika. Von hier aus reisen die beiden über Land durch alle Klimazonen bis zum nördlichen Polarkreis. Das Projekt heißt „Am Puls der Erde“, nachzulesen im Medium Magazin. „Der Klimawandel ist kein Thema“, schreibt Thelen darin. „Er ist der Rahmen, der das Leben auf der Erde bestimmen wird, der Rahmen für unsere Zukunft.“ Lesen Sie auch sein eindringliches Essay „Verdammt, die Welt geht wirklich unter“.

Steve Przybilla, ehemaliges Vorstandsmitglied von Freischreiber, Amerika-Spezialist und Riffreporter, hat seine erste Video-Reportage bei den Riffreportern veröffentlicht: „On Patrol“ – unterwegs mit amerikanischen Streifenpolizisten in Colorado.

Freischreiber-Vorstand Jakob Vicari bringt weiter den Sensorjournalismus unter die Leute. Gerade war er in der Münchner Stadtbibliothek, um in zwei Workshops zu zeigen, wie sich mit selbstgebastelten Sensoren die Luftqualität messen lässt. Die Daten liefern die Grundlage für journalistische Berichterstattung. Wer Vicari nicht länger verpassen möchte: Vom 8. bis 10. Juni gibt es in Hannover ein Dreitagesseminar mit ihm an der Medienakademie von ARD und ZDF.

Freischreiberin Insa van den Berg hat an „Sachsen in Arbeit“ mitgeschrieben. Das Buch geht u. a. der Frage nach, wie sich die Arbeitswelt in Sachsen seit der Wiedervereinigung entwickelt hat. Erscheint am 12. März im Verlag edition überhand, Herausgeber Johannes Kiess, 12,95 Euro.

 


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Dies & das

Hurtig! Deadline für das transatlantische Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung ist schon am 15. März. Das Transatlantic Media Fellowship Program wendet sich an Journalistïnnen aus den USA, Kanada und Deutschland, die zum Beispiel zu Klima- und Energiepolitik recherchieren wollen. 3500 Dollar pro Person für Reisekosten und Honorar.

Die Langzeitstudie Medienvertrauen der Johannes Gutenberg Universität Mainz hat für 2019 neue Zahlen ermittelt. Sie sind ähnlich stabil wie in den Vorjahren. Demnach vertrauen 43 Prozent der befragten 1200 Bürgerïnnen den etablierten Medien (2018: 44 Prozent, 2017: 42 Prozent). Doch zugleich ist das Misstrauen gewachsen. 28 Prozent vertrauen den etablierten Medien nicht. Die Polarisierung nimmt also zu, die Gruppe derjenigen, die mit „teils, teils“ eine mittlere Position einnehmen, ist so geschrumpft wie noch nie. Erfreulich ist dagegen ein weiterer Befund: Lügenpresse-Vorwürfe sind zwar weiterhin verbreitet, aber sie werden weniger unwidersprochen hingenommen als noch 2018 oder 2017. 58 Prozent der Befragten weisen den Vorwurf zurück, Medien würden die Bevölkerung systematisch belügen (zum Vergleich: 51 Prozent waren es im Jahr 2018).

 Die Markenberaterin Maren Martschenko hat nach zehn Jahren Selbstständigkeit zehn Learnings für die Freiberuflichkeit extrahiert, die auch für Journalistïnnen lesenswert sind. Darunter ist die alles entscheidende Frage: Was ist es wert zu tun, auch wenn ich scheitern könnte? 

Und was wird aus Freischreiber-Vorständen, wenn sie nicht mehr Freischreiber-Vorstand sind? Dass es ein Leben danach geben kann, sogar ein sehr zukunftszugewandtes, beweist das Team um Kai Schächtele mit Vollehalle, „der Klimashow, die Mut macht“. Seit dem 6. März ist auch der Starpianist Igor Levit an Bord. Freischreiber-Vorsitzende Carola Dorner hat sich das Ganze angesehen: „Kai Schächtele wird zum Hausmeister Kartöngle, dessen Tochter mal eben aus der Zukunft anruft. Klingt durchgeknallt? Ist es auch. Vollehalle ist eine Collage aus Interviews, Gesprächen, Daten und Musik. Igor Levit begleitet das Programm zum ersten Mal. Musik kann Zustände beschreiben, sagt er, und genau das gelingt ihm bei Vollehalle.“ Empfehlung: unbedingt hingehen. Schon wegen des Mottos, wie es freischreiberiger nicht sein könnte: „Was kann man gegen die Klimakrise allein schon tun? Aufhören, allein zu sein.“   

Das war es wieder von uns. Bleiben Sie uns gewogen, bleiben Sie nicht allein.

 

Ihre Freischreiberïnnen
 

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Cover MediumMagazin
Das Freischreiber-Manifest der Freien
„Die Pressefreiheit kann daran gemessen werden, wie mit Freien umgegangen wird. Ohne sie funktioniert Journalismus heute nicht mehr”, sagt Ferda Ataman im aktuellen MediumMagazin. Unterzeichnen Sie jetzt das Freischreiber-#manifestderfreien. Mail an manifest@freischreiber.de genügt.

Freischreiber Manifest der Freien


Das Honorar-Tool für mehr Transparenz: Honorare hier eintragen: wasjournalistenverdienen.de


Podcast-Webinar mit Regine Marxen am 03. April um 12 Uhr. Infos und Anmeldung für Mitglieder hier.


Crashkurs Positionierung mit Michael Obert / Reporter Akademie Berlin. Infos und Anmeldung hier.


Heute (10. März): Freischreiber-Abend in Fürth. Infos und Anmeldung hier.


Mit Stipendium zur Geschichte: Die Aufzeichnung des Webinars mit Nicole Graaf können Mitglieder hier anschauen.


:Freiheit beginnt mit fairen Verträgen. Code of :Fairness


Nach der VGWort-Deadline ist vor der VGWort-Deadline. Alles was man dazu wissen muss, erfahren Mitglieder jederzeit im Slack-Kanal #vgwort.

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