"Auch Gewerkschaften sind nur so stark, wie sich Mitglieder für ihre Interessen engagieren"

Es ist eben alles eine Frage der Perspektive. Burkhard Schaffeld ist der Justitiar des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und, wie man annehmen darf, mit sich im Reinen. Vor kurzem gab er Studenten der Stuttgarter „Hochschule der Medien“ ein hörenswertes Interview, in dem es um die Arbeit freier Journalisten und deren Honorierung ging. Die Zuarbeit freier Mitarbeiter sei unerlässlich, sagt er dort. Das Schreckgespenst des Zeitungslesers sei der Medienbeamte, „der nicht zur Vielfalt, sondern (…) zu ihrem Ende beiträgt.“ Bis hierhin möchte man ihm nicht widersprechen. Dann aber wird er auf die Unzufriedenheit der Freien mit Arbeitsbedingungen und Honoraren angesprochen und offenbart eine bemerkenswerte Sicht der Dinge. „Nun“, antwortet er, „es ist nur allzu menschlich, dass immer gehofft wird, einen noch besseren Preis für seine Leistung zu erzielen.“ Dass die Zeitungsverlage ihre freien Journalisten unangemessen niedrig bezahlten, sei ein Vorwurf, der auch durch häufige Wiederholung nicht richtiger würde. Und er verweist darauf, dass zwischen Verlegern und Journalistengewerkschaften „sogenannte gemeinsame Vergütungsregeln” vereinbart worden seien. An dieser Stelle wüsste man gern, worauf sich sein „sogenannt“ wohl beziehen mag – auf „Vergütung“ oder auf „gemeinsam“? Letzteres kann man getrost ausschließen. Denn bislang scheint es Verlage nicht weiter zu kümmern, was ihr Verband in ihrem Namen verabredet hat. Nur wenige sind bereit, die neuen Vergütungsregeln, deren Zustandekommen wir Anfang dieses Jahres scharf kritisiert haben, zur Kenntnis zu nehmen. Nein, hören Freie dieser Tage oft, die neuen Honorarsätze kämen nicht zur Anwendung. Und wenn doch, würde der Etat trotzdem nicht erhöht, was zur Folge hätte, dass eben weniger Freie beauftragt werden könnten. Der Deutsche Journalistenverband und die Deutsche Journalistinnen und Journalisten-Union haben deshalb die Kampagne „Faire Zeitungshonorare“ gestartet. Ihr Ziel: die Verlage daran zu erinnern, dass ihr Verband bereits vor einem Dreivierteljahr Honorarsätze verabschiedet hat, auf die sich seine Vertreter heute so gern berufen. Am kommenden Freitag wird es deshalb einen bundesweiten Aktionstag geben, unter anderem sollen sich freie Journalisten vor dem Haus des BDZV in Berlin bemerkbar machen. Im Aufruf dazu schreiben die beiden Verbände: „Auch die Gewerkschaften sind (jenseits der Klagemöglichkeit) nur so stark, wie ihre Mitglieder sich auch selbst für ihre Interessen engagieren!“ Und weil wir, unabhängig von unserer Kritik an den Vergütungsregeln, diese Überzeugung teilen, weisen wir gern auf ihre Kampagne hin. Es wäre doch schön, wenn die freien Mitarbeiter, von denen Herr Schaffeld so schwärmt, zeigen würden, dass sie sich nicht gern veräppeln lassen.