„Bei uns leben alle Freien im Paradies!“

Glückskekse! Von Freischreiber! „Ja gerne – von wem?“, fragten vor der FAZ Redakteure, die einen Kindersitz im Auto, ein teures Klappfahrrad unterm Hintern oder einen offenen Blick hatten. Die anderen fuhren uns fast über die Füße.

Wir haben vor Ort schon mal die freundlichen Vertreter der Sportredaktion mit einem gefühlten Himmel-Anstecker versehen und über die Betonkopffahrer herzlich gelacht. „Die Freischreiber? Ihr beschimpft uns doch immer, weil wir Texte zweitverwerten und nicht bezahlen!“ Dieser FAZ – Mann outete sich als einer der genau dafür Verantwortlichen. Einen Keks drauf. Möge er in sich gehen. Etliche haben aber auch uns Rhein-Mainern das Herz gewärmt, darunter eine Feuilletonvolontärin, ein Redakteur der Frankfurter Sonntagszeitung, die nette Sekretärin von Technik und Motor und Alfons Kaiser, Ressortleiter Deutschland und die Welt: „Finde ich gut, dass ihr das macht“. Der FAZ -Chef vom Dienst allerdings fand offenbar nichts an uns gut – ein kluger Kopf? „Bringen Sie ihm doch ein paar Glückskekse mit“, schlugen wir dem (sehr netten) Sicherheitsbeauftragten vor. Doch der lächelte nur traurig. Insgesamt besuchte er uns dreimal: Beim ersten Mal, zu hören, was wir da treiben, beim zweiten, uns zu erklären, wo wir uns aufhalten dürfen, und beim dritten Mal, um uns mit Nachdruck den öffentlichen – und damit erlaubten – Aufenthaltsbereich zu zeigen (den wir im Glückskeksfieber nicht eingehalten haben). Eine Redakteurin hat wohl Angst vor zu viel Freiem bekommen, erst wollte sie den Keks, dann rumorte wohl ihr Gewissen, denn sie rief: „Aber nicht mich veröffentlichen!“ – das führte zu Securitys Auftritt Nummer 3: „Wenn jetzt noch eine Meldung in der Sicherheitszentrale eintrifft, muss ich das vierte Revier einschalten.“ Sein Tipp, wir sollten doch zum Hessischen Rundfunk fahren – genau das stand auf unserer Liste. Vorher jedoch erwischten wir noch einen Wirtschaftsredakteur von der Frankfurter Neuen Presse (FNP), deren mehr als maue Honorare kein Geheimnis sind. Nahm den Keks und schlug die FNP für den Himmelpreis vor: „Bei uns leben alle Freien im Paradies!“ Aber jetzt schnell, noch vor der Mittagspause, zum Hessischen Rundfunk. Der Pförtner (beim ehemals als Rotfunk beschimpften Sender) sah uns nicht als Problem, sondern wies glückskeksbewegt den Weg zur Kantine. Dort kamen Redakteure in Scharen: Möchten sie einen Glückskeks? Nein. Oh, einen Glückskeks? Doch, ja. Von wem? Warum? Wir haben geredet und geredet und verteilt und verteilt, und unser jüngstes Redakteursglück Raffael verteilte das Beste: sein hinreißendes Lächeln. Eine Bildungsredakteurin hat sich sogar den Code of Fairness in Ruhe durchgelesen. Wie viele andere hier ist sie Freie und Redakteurin. Das geht beim HR so fließend ineinander über, dass manche erst antworteten, „Ja ich bin Redakteur, Äh nein, ich bin Freier.“ Eine solche Feste & Freie bestärkte uns: „Finde ich gut. Eine nette Aktion!“ Sie wollen eine hessische Redaktion nominieren? Ob für Himmel oder Hölle, schreiben Sie an vorschlag@himmel-und-hoelle-preis.de. (Fotos: Pat Meise)