Marcus Jordan: „torial“ ist eine große Chance für die Renaissance des Kollektivs

Protokoll des Treffens der Berliner Freischreiber am 06.05.2014 an Gemma Pörzgens Wohnzimmertafel.

Unser Gast war Marcus Jordan, Chefredakteur bei „torial“. Er berichtete, wie das journalistische Portfolio-Netzwerk (mit dem auch Freischreiber kooperiert) entstand und welchen Anspruch es hat.

Nachdem Konrad Schwingenstein, Enkel des Mitbegründers der „Süddeutschen Zeitung“, seine Anteile verkauft hatte, wollte er dazu beitragen,  einen „kreativen Prozess für digitale Dynamik“ auf den Weg zu bringen, erzählt Marcus Jordan. Über Jahre sei deshalb mit großem finanziellem Aufwand ein Konzept der journalistischen „Sichtbarkeit“ ohne das laute „Social-Media-Rauschen“ entwickelt worden. „Qualitativ super aufgestellt“, nahm es vor knapp einem Jahr seine konkrete Arbeit auf.

Das kostenlose Internet-Forum, in dem Redaktionen weniger nach Namen, sondern vor allem gezielt nach Schlagworten auch für Nischenthemen suchen können, biete Journalisten eine einzigartige Gesamtpräsentation ihrer Expertise – wenn das Profil gepflegt und aktualisiert würde. Gleichzeitig wies Marcus Jordan darauf hin, dass „torial“ die „Kraft und Macht“ der anbietenden Journalisten gegenüber Redaktionen und ihren Hierarchien fördern wolle. Denn bei aller persönlichen Eitelkeit in der Branche, sei das Internet doch eine „große Chance für die Renaissance des gesunden Kollektivs“. Der Begriff der „Freiheit“ habe angesichts der Freiheit im Netz einerseits und der ständig weiter wachsenden Zahl freier Journalisten andererseits eine „doppelte Dynamik“.

Wegen des Leistungsschutzrechts ist allerdings hartnäckiges Klinkenputzen nötig. Denn bei den meisten Verlagen, so Marcus Jordan, zeige sich in besonderem Maß, was für alle Journalisten gilt, für die der Beruf Berufung ist: ausgeprägtes Misstrauen.

Der Erfolg von „torial“, hänge von der Qualität der Kontakte ab, die das Portfolio-Netzwerk nutzten. Derzeit sei jeder willkommen. „Hygienemaßnahmen“ seien erst geplant, wenn sich die Plattform etabliert habe. Derzeit arbeite man daran, „torial“ in eine Stiftung zu überführen.

Mehr über den Gast: www.torial.com.