Der direkte Draht in die Redaktion

Mark Heywinkel ist stellvertretender Redaktionsleiter und Head of Development von ze.tt. Als solcher verantwortete er in Zusammenarbeit mit der Berliner Agentur Palasthotel  die Entwicklung von fax, einem System für Redaktionen, um die Themen-Angebote freier Journalisten besser zu organisieren. Unterstützt hat das Projekt die Digital News Initiative von Google. Mark ist außerdem Autor des Ebooks “Liebe deine Freien“. Freischreiber-Vorstandsmitglied Jakob Vicari hat ihn zu fax befragt.

Die Kommunikation zwischen Redaktionen und Freien ist oft schwierig. Mark, wie seid ihr auf die Idee für fax gekommen?
Mark Heywinkel: Ich war selbst drei Jahre Freelancer und habe eine teils anstrengende Kommunikation mit Auftraggebern erlebt. Manchmal wusste ich nicht, ob Themenvorschläge angekommen sind, noch diskutiert werden oder ich sie anderen Redaktionen anbieten kann. Als Freelancer muss man oft nachhaken. Als ich bei ze.tt als Redakteur angefangen habe, habe ich mir auf die Fahne geschrieben, die Freienkommunikation zu verbessern. Durch persönliche Treffen, Guidelines für die Zusammenarbeit und eine transparente Kommunikation wollte ich dafür sorgen, dass unsere Freien gerne für ze.tt schreiben. Sebastian Horn, der damals ze.ttChefredakteur war, hatte irgendwann die Idee für ein eigenes Tool und hat sie bei der Google Digital News Initiative eingereicht. Nach seinem Weggang zu Zeit Online habe ich die Entwicklung übernommen.

Wie habt ihr vorher Freie organisiert?
Wie es in vielen Redaktionen üblich ist, haben wir die Kommunikation per Mail abgewickelt und Tabellen mit unseren Kontakten geführt. Die Mail-Kommunikation haben wir so weit optimiert, dass wir sie in einem zentralen Postfach gesammelt haben, um dafür zu sorgen, dass im Krankheitsfall immer jemand einen Blick auf die Vorschläge haben kann. Aber es ist schwierig, in einem Pool von 120 Leuten Daten, Fähigkeiten und Verfügbarkeiten abzufragen.

Und das ändert fax?
Ja. Jetzt sind alle Pitches und Kontaktdaten zentral an einem Ort auffindbar. In fax können freie Journalistinnen und Journalisten uns unmittelbar informieren, an welchem Ort sie sich befinden, was ihre Expertise ist und wie wir sie am besten erreichen können. Als nächstes Feature wünsche ich mir einen Status wie “verfügbar”, “auf Auftragssuche” oder “im Urlaub”. Damit wir den direkten Draht noch mehr stärken.

Wie seid ihr in der Entwicklung vorgegangen?
Wir haben zuerst Workshops gemacht, mit dem Team, der Agentur Palasthotel, aber auch mit Freien von außerhalb. Aus dem Konglomerat der Ideen ist fax entstanden. Wir wollten ein Tool nicht nur für uns, sondern für alle Redaktionen schaffen. Deshalb steht es auch unter der MIT-Lizenz für Open-Source-Software.

Was war die wichtigste Erkenntnis?
Nach dem Workshop haben viele Freie gesagt: Wir wollen nicht über ein unpersönliches Tool abgewickelt werden. Wir haben deshalb darauf Wert gelegt, fax freundlich und persönlich zu gestalten. Nicht nur Freelancer*innen können dort ein Profil anlegen, auch Redakteur*innen können sich persönlich mit einem eigenen Profil präsentieren. Mein Lieblingsfeature ist der Realtime-Chat zu einzelnen Themenvorschlägen. Das ist der direkte Draht in die Redaktion, viel unmittelbarer als eine E-Mail. Dazu sehen die Freien zu jeder Zeit den Status ihres Exposés oder Artikels. Diesen Einblick gab es vorher ja nicht. Viele Redaktionen sind ja immer noch Blackboxes, was ihre Workflows angeht.

Wie geht es weiter?
Erste Redaktionen haben sich schon gemeldet, weil sie fax interessant finden und es möglicherweise bei sich einsetzen wollen. Man kann das natürlich aber auch andersherum nutzen: Als Freienbüro könnte man es bei sich auf einem Server installieren und Redaktionen ein Ideenangebot zur Verfügung stellen. Und: Das System steht auf Github. Wir hoffen, dass sich Leute finden, die es weiterentwickeln.
Download: Fax auf Github