Der Himmel-und-Hölle-Preis 2012: Warum Freischreiber auch im zweiten Jahr in die Bütt steigt

Anfang dieser Woche ist das Dossier für den diesjährigen Himmel-und-Hölle-Preis bei der Haupt-Jury eingetroffen. In den vergangenen Monaten hat die Vorjury sämtliche Vorschläge, die freie Journalistinnen und Journalisten an uns geschickt haben, sorgfältig geprüft. In den Tagen bis zur Preisverleihung am 24. November werden wir hier weitere Details veröffentlichen. Zunächst beantwortet Kai Schächtele, Mitglied der Vorjury, einige häufig gestellte Fragen: Frage: Letztes Jahr gab es ja einigen Wirbel um den Himmel-und-Hölle-Preis. In diesem Jahr wird der Preis ein zweites Mal verliehen. Warum steigt Freischreiber noch einmal lautstark in die Bütt? Kai Schächtele: Das tun wir, weil das Motiv, warum wir den Preis im vergangenen Jahr vergeben wollten, auch in diesem Jahr noch triftig ist: nämlich auf strukturelle Probleme in der Branche hinzuweisen, aber auch diejenigen zu würdigen, die zeigen, dass es anders geht. Was ist in diesem Jahr der Unterschied? Der größte Unterschied ist, dass wir zwei unterschiedliche und voneinander unabhängige Jurys eingerichtet haben. Es gab eine Vorjury, die die Vorschläge, die uns erreicht haben, auf ihre Stichhaltigkeit überprüft und dann entschieden hat, welche eine Nominierung verdient haben. Insgesamt haben wir drei Nominierungen für den Hölle-Preis und vier für den Himmel-Preis ausgesprochen. Die Jury besteht nicht wie im vergangenen Jahr aus der Gesamtheit aller Freischreiber-Mitglieder, sondern setzt sich zusammen aus erfahrenen Journalisten und Branchenexperten. Und die werden nun jeweils einen Preisträger küren. Kann man sagen, dass sich auch in der Branche etwas geändert hat seit der Preisverleihung im vergangenen Jahr? Was wir in den Monaten danach oft zu hören bekamen, war, dass Redakteure im Scherz gesagt haben: Ich will ja nicht verantwortlich dafür sein, dass wir in der kommenden Runde für den Hölle-Preis nominiert werden. Im Informellen hat sich der Preis auf jeden Fall niedergeschlagen. Es gab aber auch konkrete Konsequenzen. Eine Redaktion, die im vergangenen Jahr für den Hölle-Preis nominiert war, Spiegel Online, hat eine Idee von uns aufgegriffen und Ombuds-Leute eingerichtet. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Ankündigung von Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron auf unserer Podiumsdiskussion, er müsse an die Honorare ran, zu keinen substantiellen Veränderungen geführt hat. Davon abgesehen glaube ich aber, dass die Wirkung eingetreten ist, die wir uns ganz am Anfang davon versprochen haben. Das heißt, es wird auch im kommenden Jahr einen Himmel-und-Hölle-Preis geben? Das können wir heute noch nicht sagen. Wenn wir am Abend des 24. November in München die Preisträger verkünden werden, wird es bereits einen neuen Vorstand geben. Tagsüber werden wir eine Mitgliederversammlung abhalten, bei der auch der Vorstand neu gewählt wird. Ein Teil des alten Vorstands, der den Verband seit der Gründung im Jahr 2008 geführt hat, wird dann nicht mehr dabei sein. Es wird also einen kleinen Generationswechsel geben. Ob der nächste Vorstand dann die gleichen Prioritäten setzen wird wie wir, wissen wir nicht. Wir glauben aber, dass wir mit dem Preisverfahren, wie wir es jetzt über die Bühne bringen, eines gefunden haben, das zukunftstauglich ist. Die Grundlage für den Preis ist der Code of Fairness. Gibt es denn bereits Redaktionen, die ihn unterzeichnet haben? Oder zumindest Tendenzen, dass er mal eine Umsetzung erreichen kann? Naja, mit dem Code of Fairness ist es wie immer im Leben: Es ist ein langer Weg zum vollendeten Glück. Und auf diesem Weg haben wir die ersten Schritte zurückgelegt. Um es konkret zu machen: Es gibt noch niemanden, der ihn unterschrieben hat. Es gab Redaktionen, die einzelne Punkte daraus für wichtig halten, die von sich aber gesagt haben: Wir halten die Punkte sowieso schon ein, warum sollen wir dann unterschreiben? Und es gab Redaktionen, die mit so gut wie allen Punkten einverstanden sind, aber Bauchschmerzen mit einem einzelnen haben, zum Beispiel mit den Zahlungsmodalitäten, also wann ein Honorar bezahlt werden soll, nach Abgabe oder nach Erscheinen. Deshalb wollen sie sich nicht zur Einhaltung des ganzen Codes verpflichten lassen. Dafür, wie Freischreiber damit umgehen kann, gibt es bereits ein paar Ideen. Aber auch da gilt: Das muss der nächste Vorstand entscheiden. Was ist dann überhaupt der Erfolg für die Freien, den Freischreiber durch den Preis und die Diskussionen um den Code of Fairness erreicht hat? Der wichtigste Effekt des Preises für die Freien besteht darin, dass bei Redaktionen und vor allem bei Verlagen, in denen ja die eigentlichen Verantwortlichen für die oft inakzeptablen Friss-oder-stirb-Verträge sitzen, die Wahrnehmung gestiegen ist, dass sich Freie so etwas nicht mehr widerspruchslos gefallen lassen. Auf solche Missstände hinzuweisen, ist ja Teil der Freischreiber-DNA. Mit dem Preis hat diese Aufmerksamkeit ein anderes Niveau erreicht. Und was haben die Freien selbst davon? Den Verband gibt es jetzt seit vier Jahren, und bis heute hat es sich gehalten, dass uns viele Freie sagen: Der Verband hat bei mir zu einem ganz anderen Selbstbewusstsein geführt. Dabei spielt auch der Himmel-und-Hölle-Preis eine maßgebliche Rolle.