Deutsche Hölle

Unsere Hölle-Preis Nominierung Nr. 3 gilt dem Rundfunk.

Die Deutsche Welle ist ein Sonderfall unter den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern: Sie wird nicht mit Gebührenmitteln finanziert, sondern direkt aus dem Bundeshaushalt, genauer aus dem Etat des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, angesiedelt im Bundeskanzleramt. Man sollte meinen, dass so ein Sender ein guter Arbeitgeber ist. Für die Festangestellten mag das der Fall sein, als Freier sieht man sich mit einem totalen Buy-Out konfrontiert.

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Deutsche Welle

Jeder Freie Mitarbeiter muss die „Honorarbedingungen für Freie“ unterschreiben und die sehen vor, dass man 14 Nutzungsrechte an die DW abtritt – zeitlich unbegrenzt und medienunabhängig. Einmal im Netz, stoßen die DW-Beiträge auch auf Interesse ausländischer Medien. Die fragen an, ob sie die Beiträge auch haben können, was die Lizenzabteilung in der Regel erlaubt, mal entgeltlich, mal unentgeltlich. Nur: der Urheber bekommt davon nichts mit, geschweige denn, dass er Geld sieht. Freie dürfen ihre DW-Beiträge auch nicht im Inland verkaufen, obwohl das für die DW keine Konkurrenzsituation darstellt, da sie ja der deutsche Auslandsrundfunk ist. Es gibt auch keine Wiederholungshonorare, dabei wird im Auslands-TV sehr viel wiederholt. Nur wenn ARD-Anstalten einen Beitrag senden, gibt es im Rahmen des “Programmaustausches” etwa die Hälfte des Honorars, bei privaten Sendern gar nichts.

Höllische Besonderheiten des multimedialen Auslandsrundfunks

Wir haben die DW mit diesen Zuständen konfrontiert und folgende Antwort erhalten: „Die von Ihren Fragen berührten Themenbereiche (Weiterverwertungen, Rechteeinräumungen, Wiederholungsvergütungen und Tagespauschalen) sind [bei den Honorarzahlungen] durchweg berücksichtigt und spielen durch die Besonderheiten des multimedialen Auslandsrundfunks eine von den inländischen Rundfunkveranstaltern abweichende Rolle.“Pressesprecher Johannes Hoffmann weist auf die Steuerfinanzierung der DW hin, daher unterliege sie„auch finanziell von Gebühren/Abgaben und /oder werbefinanzierten Rundfunkveranstaltern abweichenden Voraussetzungen. Dass sich die Deutsche Welle dennoch bei der Honorierung im Mittelfeld der ARD-Landesrundfunkanstalten befindet, ist Ausdruck des oben beschriebenen fairen und guten Umgangs mit ihren freien Mitarbeitern.“ Dass man keine Wiederholungshonorare zahlt, begründet Hoffmann mit den „Besonderheiten des Auslandsrundfunks und der damit zusammenhängenden Programmschemata. Wegen der bei der weltweiten Verbreitung zu berücksichtigenden Zeitzonen sind (… )Wiederholungen unerlässlich, um die Zielgruppen in den jeweiligen Weltregionen vor allem auch zu den Zeiten zu erreichen, in denen Medien am stärksten rezipiert werden, also insbesondere am Morgen und in der Abend-Primetime.“

Wir finden, dass es sich die DW damit zu einfach macht und sehen sie wegen ihrer Buy-Out-Konditionen für Freie Mitarbeiter als einen Kandidaten für den Freischreiber-Hölle-Preis 2013 an.