Die Süddeutsche und ihre Erben

Freischreiber verleiht zum sechsten Mal den Himmel- und Höllepreis. Konrad Schwingenstein (Himmel) und Süddeutsche Zeitung (Hölle) ausgezeichnet. 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Den Negativ-Preis der Branche verleiht der Freischreiber-Vorstand in diesem Jahr an die Süddeutsche Zeitung. Seit Jahresanfang gibt die SZ Texte ihrer freien Autoren an den Schweizer Tagesanzeiger weiter, ohne die Autoren dafür zusätzlich zu honorieren. Damit werden freie Autoren schlichtweg enteignet, kritisiert Freischreiber. Der frühere Vorsitzende von Freischreiber, Benno Stieber, sagte in seiner Laudatio (Volltext am Ende dieser Mail): „So viel Kaltschnäuzigkeit hat den Hölle-Preis wahrlich verdient. Vielleicht findet sich auch ein mutiger betroffener Autor, der gegen diese Bedingungen klagt. Ich denke, Freischreiber würde das unterstützen.“

Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung hatte sich schon vor der Preisverleihung in einem Gespräch gegenüber dem Deutschlandfunk uneinsichtig gezeigt. Auch ein Hölle-Preis ändere nichts, die Vertragsbedingungen würden auf keinen Fall rückgängig gemacht. Der Diskussion wollte sich Chefredakteur Krach nicht stellen und blieb deshalb der Preisverleihung fern. Trotzdem muss die Süddeutsche Zeitung nicht leer ausgehen, wie die Vorsitzende von Freischreiber, Carola Dorner, betonte: „Dass wir den Preisträgern ihren Hölle-Preis hinterhertragen müssen, sind wir gewohnt. Das stört uns nicht. Wir hatten bei dieser Gelegenheit schon sehr konstruktive Gespräche. Letztlich ist der Hölle-Preis nichts anderes als eine Einladung zum Gespräch über Arbeitsbedingungen.“

Himmel-Preis für Konrad Schwingenstein

Wie auch schon im Vorjahr wurde mit dem Himmel-Preis keine Redaktion, sondern eine Einzelperson bedacht. Der Preisträger in diesem Jahr war der Süddeutsche-Verlagserbe und Mäzen Konrad Schwingenstein. Schwingenstein investiert seit Jahren in Projekte, die den digitalen Journalismus vorantreiben. Zuerst gründete er „Torial“, eine Plattform, auf der sich freie Medienleute ein Profil erstellen können. Dann folgte die Torial Academy, die neben Workshops einen Debattenraum für den Journalismus der Zukunft anbietet. Und schließlich kamen „Piqd“, die Plattform für handverlesenen Journalismus, und log.os social, eine alternative Buchhandelsplattform.
„Konrad Schwingenstein schafft mit seinen Investitionen eine lesens- und schreibenswerte Zukunft. Und er würdigt unsere Arbeit. Etwas, das wir heutzutage sehr selten erleben“, so Vorstandsmitglied Katharina Jakob in ihrer Laudatio (Volltext am Ende dieser Mail). Schwingenstein erwiderte in seiner Dankesrede: „Wenn ich schon Geld ausgebe, dann soll das auch bei den freien Journalisten ankommen.“ Eine bewundernswerte, wenig verbreitete und vor allem eine preiswürdige Haltung, findet Freischreiber.

Nominiert für den Himmel-Preis war neben Schwingenstein auch die Verlegerin Sandra Uschtrin. Anwärter auf den Hölle-Preis gab es gleich fünf: Die dpa wegen miserabler Honorare, Travel House Media für Bettelbriefe an Autoren, der Verlegerverband BDZV für die Kündigung der gemeinsamen Vergütungsregeln kurz vor in Kraft treten des Verbandsklagerechts und Der Freitag für den Umgang mit der freien Journalistin Petra Reski.

Freiheitsrede von Constantin Seibt

Gastredner der Preisverleihung war Constantin Seibt, der mit dem Online-Magazin „Republik“ in der Schweiz gerade einen Crowdfunding-Rekord gebrochen hat, nachdem er eine Festanstellung zugunsten der Freiheit aufgegeben hatte: „Das Fluchen über die großen Konzerne kann man lassen. Mein Konzern wollte in eine andere Richtung als ich.“ Er machte sich an die Gründung eines Projekts, das nicht weniger vorhat, als einen neuen Journalismus zu etablieren. Einen Journalismus, der das Vertrauen den Leser verdient, und eine Redaktion, die sich bewusst ist, dass Honorar immer in zwei Währungen gezahlt wird: in Geld und in Freiheit.

Bei seinem Jahrestreffen in Frankfurt wählte Freischreiber einen neuen Vorstand. Der Vorsitzende Benno Stieber, der dem Vorstand seit der Gründung vor neun Jahren angehört hatte, trat nicht mehr an. Carola Dorner, freie Journalistin aus Berlin, wurde zu seiner Nachfolgerin gewählt. Dem neuen Vorstand gehören außerdem an: Katharina Jakob (Hamburg), Frank Keil (Hamburg), Gabriele Meister (Mainz), Peter Neitzsch (Hamburg), Steve Przybilla (Freiburg), Andreas Unger (München) und Jakob Vicari (Lüneburg). Henry Steinhau, bislang Vorstandsmitglied aus Berlin, schied aus dem Vorstand aus.

Freischreiber wurde 2008 von freien Journalistinnen und Journalisten gegründet, setzt sich für angemessene Arbeitsbedingungen für Freie in der Medienbranche ein. Der Verband hat heute rund 700 Mitglieder.

………………..
: Freischreiber e. V.  
Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten
Ansprechpartner: Yvonne Pöppelbaum, Telefon: 040 / 22 86 71 52 kontakt@freischreiber.de
Informationen zum Preis unter: https://www.freischreiber.de/positionen/himmel-und-hoelle-preis/

Allgemeine Infos unter: www.freischreiber.de


Laudatio Hölle-Preis 2017
Preisträger: Süddeutsche Zeitung

von Benno Stieber

Verlage und Autoren bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Sie wollen nur unser Bestes, heißt es immer – unsere Texte. Ganz billig, am liebsten aber umsonst.

Wir kennen das schon länger: Renommierte Häuser bezahlen traditionell schlecht und finden nichts dabei. Verleger umgehen auch noch die ärmlichsten Vergütungsregeln und kündigen sie, wenn sie einklagbar werden sollen. Und sie denken sich immer wieder allerhand aus, um uns Stück für Stück das Recht auf Mehrfachverwertung, das uns erst zu Urhebern macht, zu nehmen. Und dann verlieren manche auch noch ihren letzten Funken Verleger-Ehre und drücken sich, wenn es darum geht, Freien in rechtlichen Auseinandersetzungen den Rücken freizuhalten.

Eher neu ist es, dass Verlage jetzt schon Bettelbriefe an ihre Autoren schreiben, um weiterhin 30 Prozent der VG-Wort-Tantiemen abzugreifen, die ihnen höchstrichterlich nicht mehr zustehen. Dabei schrecken sie, ähnlich wie Staubsaugervertreter oder die Automobilindustrie mit ihren Dieselgrenzwerten, nicht davor zurück, die Tatsachen zu entstellen.

Wer das für Symptome einer Branchenkrise hält, hat nur zum Teil recht. Denn erstens gilt in Redaktionen der alte Satz: „Kein Geld hatten wir schon immer“ – zumindest wenn es um den Honorartopf für Freie geht. Zum anderen muss man immer wieder betonen: Was wir erleben, ist keine Krise des Journalismus. Es ist eine Vertriebskrise. Übersetzt heißt das, die horrend gut bezahlten Verlagsmitarbeiter, die uns heute um verdiente Honorare bringen wollen, haben mindestens in den letzten 20 Jahren, als die Renditen noch zweistellig waren und Luft für Investitionen in die Zukunft gewesen wäre, ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

So gesehen ist der Hölle-Preis auch als Förderpreis zu betrachten. Wir wollen die Preisträger ermutigen, sich endlich auf ihr eigentliches Kapital zu besinnen: ihre Autoren, in unserem Fall die Freien. Denn wir wären nicht die Freischreiber, wenn wir diese Hoffnung bereits aufgegeben hätten. Wenn wir jetzt also gemeinsam in die Hölle blicken, dann am besten mit einem grimmigen Lachen. Ich versuche es mal mit einem Witz:

Kommt ein freier Journalist zum Arzt. Der Arzt sagt: „Sie haben noch ein halbes Jahr zu leben.“
Antwortet der Freie: „Oh Gott, von was denn?“

Mal 60 Cent, mal auch nur 30 Cent die Zeile. Wie kann man unter diesen Bedingungen eigentlich noch für Tageszeitungen schreiben? Eine gute Frage. Wenn man sieht, dass selbst die renommierte Süddeutsche auch für aufwendiger recherchierte Texte normalerweise höchstens 1,33 Euro die Zeile zahlt.

Für eine Tageszeitung also eigentlich noch ganz gut. Das bedeutet aber auch hier: Da muss ein durchschnittlich langer Zeitungstext schon an einem Tag recherchiert und geschrieben sein, damit sich das lohnt. Vor-Ort-Recherchen fallen aus oder werden nicht bezahlt.

Für den Freien bleiben zwei Modelle: eine gute Pauschale, die es nur selten gibt, oder eben die Zweitverwertung für mehrere Tageszeitungen, mit der insbesondere spezialisierte Kollegen zu einem angemessenen Tagessatz kommen können. Besonders gute Zweitabnehmer waren bislang, wen wundert es, Schweizer Zeitungen – wegen des harten Frankens und des hohen Lohnniveaus. Anfang des Jahres erreichte uns dann aber ein Mailwechsel zwischen einem ahnungslosen Autor und der Redaktion des Tagesanzeigers in Zürich: „Danke für Ihr Angebot. Ihren sehr interessanten Text haben wir bereits von der Süddeutschen Zeitung übernommen und produzieren ihn gerade für unser Onlineportal. Dank der intensivierten Kooperation zwischen Tagesanzeiger und SZ dürfen beide Parteien seit einigen Wochen Texte aus allen Ressorts direkt übernehmen. Ich hoffe, das ist für Sie okay, und verbleibe mit freundlichen Grüßen…“

Uns schreibt der betroffene Autor:

„,Ich hoffe, das ist für Sie okay‘ ist übrigens meine Lieblingsstelle. Es war dann so, dass ich protestiert habe, zumal ich noch keinen Vertrag mit der Klausel unterschrieben hatte.“

Der Autor beschwert sich also und bekommt als Antwort: Ja, es gebe wohl noch Konfusion bei der Süddeutschen, wie die SZ-Freien künftig für die zusätzliche Nutzung entlohnt würden.

Anfang des Jahres fängt der SZ-Verlag dann damit an, neue Autorenverträge zu verschicken. Darin heißt es:

„Werden im Wege der Drittverwertung anderen Verlagen Printnutzungsrechte eingeräumt, so wird dies nach den jeweils geltenden Regelungen der Süddeutschen Zeitung GmbH, deren aktuellen Stand Sie bei der Honorarbuchhaltung erfragen können, zusätzlich honoriert.“ 

Aha, denk man, dann gibt es vielleicht doch ein Zusatzhonorar. Wenn man aber dort anruft, was wir vor ein paar Wochen getan haben, sagt eine sehr freundliche Dame, der das Ganze hörbar unangenehm ist, so weit sie wisse, sei keine zusätzliche Honorierung für die Zweitverwertung in der Schweiz vorgesehen.

Okay, in einer solchen Situation bleibt dem Freien nicht mehr viel übrig, als den schwarzen Tintenstift zu nehmen und diese Passage aus dem Vertrag zu streichen. Geht aber auch nicht. Ein weiterer betroffener Autor berichtet uns, dass ihm mit einer Beschäftigungssperre vonseiten der Süddeutschen gedroht wurde, wenn er die neuen Bedingungen nicht akzeptiert.

Wir halten fest:
Die Süddeutsche vertickt Texte ihrer freien Autoren an den Schweizer Tagesanzeiger. Eine finanzielle Beteiligung am eigenen Text ist laut Vertrag vorgesehen! Wenn man sich danach erkundigt, wie hoch die Beteiligung ist, lautet die Antwort NULL. Und wer das nicht unterschreibt, wird nicht mehr beschäftigt.

Im Ernst? Die große Süddeutsche Zeitung, Flaggschiff des Qualitätsjournalismus, frisch und verdient mit dem Nannen-Preis dekoriert und irgendwie auch Pulitzer-teilbepreist? Die Zeitung, in der sich Heribert Prantl mehrmals täglich für Recht, Gesetz und die Entrechteten in der Welt einsetzt?

Diese Süddeutsche greift zu solchen Gangster-Methoden?

Das kann doch nicht wahr sein, haben wir uns gedacht. Und wenn Sie das jetzt auch denken, hätte ich einen Tipp für Sie.

Rufen Sie in den nächsten Tagen einfach mal zwischen 9 und 18 Uhr bei der Honorarabteilung der Süddeutschen Zeitung an und erkundigen Sie sich nach den Zweitverwertungsbedingungen.

Ich hätte auch die Telefonnummer für Sie: 089/2183–8678.

Denn vernünftigen Argumenten scheint die Süddeutsche nicht aufgeschlossen zu sein.

Dem Medienmagazin des Deutschlandfunks Medias Res sagte der Chefredakteur der SZ, Wolfgang Krach:

Die Regelung werde auf keinen Fall rückgängig gemacht. Und ja – wer mit den Bedingungen nicht einverstanden sei, könne nicht mehr für die Süddeutsche schreiben. Daran werde auch ein möglicher Hölle-Preis der Freischreiber nichts ändern.

Friss oder stirb, Freier.

Besonders lustig dabei ist, dass der DLF-Reporter noch berichtet, dass man von Krach ganz „viele anerkennende Worte über Freie“ hören könne. Dumm nur, dass Anerkennung keine Miete zahlt.

Lieber Herr Krach, so viel Kaltschnäuzigkeit hat den Hölle-Preis wahrlich verdient.

Aber es muss ja nicht bei dem Preis bleiben. Vielleicht findet sich ja ein mutiger Autor, der gegen diese Bedingungen, die man sittenwidrig finden könnte, klagt. Ich denke, Freischreiber würde dafür eine sehr erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne auf die Beine stellen, die für Geld und Aufmerksamkeit sorgt.

Wolfgang Krach hat uns dann noch wissen lassen, dass er heute Abend nicht kommen wird, um den Preis entgegenzunehmen.

Kein Problem, Herr Krach, wir sind da flexibel. Don’t call us, we call you!

Oder besser noch: Wir kommen einfach mal ins SZ-Hochhaus und bringen Ihnen diesen wirklich schönen Preis vorbei. Wir machen das. Versprochen.

Benno Stieber
Ehem. Vorstandsvorsitzender, Freischreiber e. V.

Laudatio Himmel-Preis 2017
Preisträger: Konrad Schwingenstein

von Katharina Jakob

Konrad Schwingenstein hat Geld, und er weiß damit umzugehen. Die Süddeutsche Zeitung, die unter anderem seiner Familie ihre Existenz verdankt, schrieb im vergangenen Jahr Folgendes über ihn anlässlich seiner ersten Himmelpreis-Nominierung:

Schwingenstein finanziert die Plattform Torial, die es Journalisten ermöglicht,
hübsche Portfolios zu erstellen. 

Das ist die alte Welt, die offenbar nicht verstanden hat, worum es Konrad Schwingenstein geht. Er ist ein Pionier, kein Kosmetik-Unternehmer. Es geht nicht um hübsche Portfolios, sondern schlicht um die Zukunft des Journalismus. Um unsere Zukunft. Die hat sich höchstwahrscheinlich im Internet versteckt, wo man sie suchen muss. Das tut unser Preisträger. Und dafür setzt er sein Geld ein.

Im August 2014 hat er mit seinen Mitstreitern die August-Schwingenstein-Stiftung gegründet und ist seitdem extrem umtriebig. Ein Jahr nach Torial entstand die Torial Academy, eine digitale Bildungs-Plattform, die unter anderem Webinare anbietet, darunter viele zu Trends im Journalismus (zum Beispiel über die Gründung eines Medien-Start-ups oder Einführung ins Mobile Reporting). Das alles ist offen, kostenlos und für jedermann und jedefrau. Weil Schwingenstein der Ansicht ist, ich zitiere:

Bei allem, was für die Zukunft des Journalismus prophezeit wird – ziemlich sicher ist, dass er immer mehr so wird wie das Internet selber: offen, durchlässig, flexibel und ohne die alten Hierarchien.

Mit so etwas tun sich die Verlagshäuser schwer. Die Medien versuchen bis heute, sagt unser Preisträger weiter, ihre alten Strukturen in die digitale Welt zu retten. Das kann nicht funktionieren, wir wissen das. Deshalb fördern seine Projekte Netzwerke statt Hierarchien. Deshalb wendet er sich vor allem den freien Journalisten zu, den Existenzgründern, den Herumexperimentierern, den Nicht-alles-besser-Wissern, den Hoffnungsvollen, den Neugierigen.

In zweieinhalb Jahren, das ist eine Zeitspanne, in der andere gerade mal ihre Steuererklärung hinkriegen, hat Konrad Schwingenstein nicht nur Torial, die Torial Academy, sondern auch Piqd und logos gefördert, ins Leben gerufen oder deren Existenz erst möglich gemacht. Piqd existiert seit Herbst 2015 und bringt handverlesenen Journalismus ins Netz. Sogenannte Kuratoren, die Experten für ihre jeweiligen Themen sind, suchen im Netz nach lesenswerten Stücken und empfehlen sie den Lesern. Zusammen mit einer Begründung, warum dieses Stück relevant ist. Und zusammen mit dem Angebot, darüber zu diskutieren. Es ist das, was Facebook versucht und nicht kann. Denn über Relevanz entscheiden hier Kuratoren und Leser, nicht Algorithmen. Inzwischen hat Piqd den deutschen Leserkreis gesprengt und wird international.

Logos, das neueste Projekt, zielt auf den Buchmarkt. Der Online-Buchhandel ist in der Hand weniger Anbieter, die unsere Nutzerdaten sammeln und für ihre Zwecke verwenden. Logos wehrt sich gegen diese Monokultur und bietet eine alternative Buchhandelsplattform an. Sie schützt die Privatsphäre der Nutzer, ist Universalbibliothek, Marktplatz und Netzwerk. Logos ist noch im Entstehen begriffen und sucht weiterhin Förderer. Wer sich also für die Revolution des Lesens interessiert, sollte einen Blick auf dieses Schwingenstein-Projekt werfen.

Haben wir Konrad Schwingenstein nun also mit dem Himmelpreis ausgezeichnet, weil er uns Geld gibt?
Ja, klar.
Und natürlich nein. Vor allem nein. Konrad Schwingensteins Geld ist super, es ist der Motor für neue Ideen, es gibt Hoffnung und schafft den Raum, den es braucht, um sich auf die Suche nach neuen Strukturen zu machen. Aber es ist noch viel, viel, viel mehr als das. Es ist Wertschätzung, und es gibt uns den Glauben an die Sache zurück, den wir bei unseren klassischen Auftraggebern viel zu sehr vermissen. Wo man uns bei Honorarverhandlungen erzählt, die Freude am Tun sei doch schon Lohn genug. Und wo wir so oft den Eindruck haben, sie könnten jetzt eigentlich auch Schweinehälften verkaufen statt Artikel. Massenware, Scheiß auf den Erzeuger.

Aber auch Geld geben hat für manche ein Geschmäckle. Da schwingt die Befürchtung mit, dass es der Geber nicht ehrlich meinen kann, dass er hintenrum vielleicht was Unanständiges will. Wie ein Sittenstrolch.

Das ist natürlich grundgrottenfalsch. Konrad Schwingenstein ist ein Ehrenmann, weil er mit seinem Geld zutiefst sinnvolle Dinge anstellt. Er kauft sich nicht den dritten SUV, was seltsamerweise in dieser Welt kein bisschen anrüchig ist. Nein. Er schafft uns eine lesens- und schreibenswerte Zukunft. Und er liebt und würdigt unsere Arbeit.
Haben Sie, lieber Herr Schwingenstein, unendlichen Dank für all das.

Katharina Jakob
Vorstandsmitglied, Freischreiber e. V.

Statuten Himmel-und-Höllepreis 2017 (PDF)
Freischreiber Code of Fairness (PDF)