Freie revisited - Eine neue Umfrage

Fast fünf Jahre liegt sie nun schon zurück, die Freischreiber-Studie von Isabelle Buckow – eine Online-Umfrage unter freien Journalisten, die im Sommer 2009 Mitglied bei den Freischreibern waren. Fünf Jahre, in denen sich einiges verändert hat in der Branche: Medien sind insolvent gegangen, Stellen wurden gestrichen, Einstellungsstopps verhängt, immer mehr Freie strömen auf den Markt. Fünf Jahre, in denen viel über den Journalismus im Allgemeinen diskutiert wurde, digitaler Wandel, Multimediastrategien, neue Erzählformen, Bezahlmodelle im Internet. Doch was gibt es Neues über uns zu berichten, über die Freien?

Der DJV hat von Januar bis März 2014 eine neue Umfrage zu den Arbeitsbedingungen freier Journalisten durchgeführt. 1.353 freie Journalisten aus ganz Deutschland machten mit, die ersten Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht. „Die aktuelle Umfrage folgt der Systematik der bisherigen Umfragen, um Veränderungsprozesse in der Berufsgruppe nachweisen zu können“, schreibt der DJV auf seiner Internetseite. Grund genug, einmal genauer hinzusehen, was sich an der Situation der Freien in Deutschland getan hat.

Zum Vergleich:

  • 2009 sah der „typische“ freie Journalist im Verband der Freischreiber so aus:
  • 40 Jahre alt
  • weiblich,
  • „echt“ frei,
  • ohne festen Auftraggeber,
  • ohne vertraglich festgeschriebene Arbeitszeiten- oder Honorarregelungen,
  •  mit einen Hochschulabschluss und
  • einer festen Beziehung,
  • oft ohne Kinder,
  • zwischen fünf und sechs Auftraggeber,
  • hauptsächlich für Print-Medien (vor allem Publikumszeitschriften) tätig,
  • rund 42 Arbeitsstunden pro Woche,
  • freiwillig frei.

Der „typische“ Freischreiber war zufrieden mit der Auftragslage, der Zahlungsmoral der Auftraggeber sowie dem Verhältnis zu Auftraggeber, fest angestellten Redakteuren und anderen Freien. Er klagte aber über starken wirtschaftlichen Druck, die Konkurrenz unter freien Journalisten, die hohe Arbeitsbelastung, mangelnde Zeit für Recherche und die Höhe der Einkommen.

Rund 2.000 Euro verdiente der „typische“ Freischreiber durchschnittlich im Monat, brutto. Gut jeder zweite musste sogar mit noch weniger Geld auskommen. Männer verdienten rund 700 Euro mehr als Frauen. Ergebnisse, die in etwa den Zahlen entsprachen, die der DJV 2008 in einer repräsentativen Umfrage unter freien Journalisten veröffentlicht hatte. Demnach verdiente ein freier Journalist durchschnittlich 2.147 Euro brutto. Jeder vierte freie Journalist übte nebenbei andere Tätigkeiten aus, um den eigenen Lebensunterhalt finanzieren zu können. In der Online-Befragung der Freischreiber gab sogar jedes dritte Mitglied eine Nebentätigkeit an, weil man vom Journalismus allein nicht mehr leben könne. Hauptarbeitsgebiete waren Public Relations und Werbung.

  • Was also hat sich in den letzten fünf Jahren getan?
  • Inwiefern hat sich die Lage der Freien verschlechtert?
  • Oder hat sie sich vielleicht sogar verbessert?

Glaubt man dem Zwischenbericht des DJV, liegt das Einkommen der Freien 2014 bei 2.180 Euro brutto im Monat und hat sich damit im Lauf der letzten fünf Jahren nicht verändert. Es stagniert, trotz Inflation. Es sei keinerlei Verbesserung der Vergütung festzustellen, so der DJV, verglichen mit anderen Berufsgruppen würden freie Journalisten „unterdurchschnittlich“ verdienen.

Dies sind die ersten Ergebnisse der neuen DJV-Studie:
Das Einkommen der freien Journalisten schwankt stark, je nachdem, in welchen Medienbereichen sie arbeiten. Freie, die für Rundfunkanstalten oder Publikumszeitschriften arbeiten, liegen mit rund 3.000 bzw. 2.275 Euro brutto deutlich über Kollegen, die für Zeitungen arbeiten. Sie kommen nur auf 1.395 Euro monatlich. Der „typische“ freie Journalist ist weiblich (54 Prozent) und hochgradig akademisiert. Frauen werden nach wie vor schlechter bezahlt als Männer (Männer verdienen etwa 23 Euro pro Stunde, Frauen nur 18 Euro). Der DJV begründet diese Zahlen damit, dass Frauen sich eher um die Kinderbetreuung kümmern würden und entsprechend auf weniger Arbeitszeit pro Woche kämen. Diese ist mit 41 Stunden pro Woche zurückgegangen, was laut DJV daran liegen könnte, dass es 2014 weniger Arbeit gibt als 2008. Eine andere Erklärung: Die Zahl der Kinder betreuenden Frauen im Journalismus hane stark zugenommen, was dazu führe, dass die Berufsgruppe insgesamt weniger Zeit zum Arbeiten habe.

Laut DJV wird die Berufsgruppe der freien Journalist immer älter. 38 Prozent sind zwischen 41 und 50 Jahren alt – genau wie die befragten Journalisten in der Freischreiber-Studie 2009. Die meisten bezeichnen sich als Wortjournalisten (67 Prozent), gut jeder Dritte gibt an, auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig zu sein. Die Arbeitszeit in diesem Bereich liege bei 61 Prozent der Befragten aber nur bei 20 Prozent. Für den DJV ein Zeichen, dass die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eher nur „mitgenommen“ wird.

Nach wie vor verdienen freie Journalisten in den neuen Bundesländern weniger (Ein Beispiel: Thüringen: 1.356 Euro, Nordrhein-Westfalen: 2.212 Euro), mehr als jeder zweite Freie wird nicht nach den 2010 vereinbarten Vergütungsregeln für Tageszeitungen bezahlt (68 Prozent). Die freien Journalisten in der DJV-Studie sind mit der Auftragslage eher zufrieden, bezeichnen sich als fest frei (mehr als ein Viertel), die schon immer frei arbeiten (ein Drittel). Sie arbeiten freiwillig frei (mehr als ein Drittel), alleine (89 Prozent) und haben zwei bis fünf Auftraggeber im Jahr (>50 Prozent).

Auch heute klagen freie Journalisten über die erhöhten Leistungsanforderungen. Der Stress habe zugenommen, gleichzeitig sei die Arbeit aber interessanter geworden. Die Freien in der DJV-Studie sehen kein Konkurrenzverhalten unter Freien, auch mit der Zusammenarbeit mit Redaktionen sind sie zufrieden. Mehr als die Hälfte fühlt sich durch fest angestellte Redakteure unterstützt (53 Prozent), mehr als ein Viertel hat einen Arbeitsplatz in einer Redaktion. Insgesamt sind die freien Journalisten mit ihrem Beruf zufrieden (42 Prozent zufrieden, 31 Prozent sehr zufrieden).

Die Bilanz: Fünf Jahre sind vergangen, trotzdem hat sich die Lage freier Journalisten kaum verändert. Die Arbeitsbedingungen vieler Freien sind immer noch schlecht. Das größte Problem sind die katastrophal niedrigen Honorare, die an Freie gezahlt werden und die jeden Dritten in die Lage versetzen, Nebentätigkeiten ausüben zu müssen. Dennoch: Für die meisten Freien ist der Journalismus nach wie vor mehr als nur ein Job. Er ist eine Art Berufung, etwas, mit dem man sich verwirklichen möchte. Auch, wenn die Bedingungen nicht immer die besten sind.

Der abschließende DJV-Bericht wird im September 2014 erwartet.