Für eine moderne VG Wort

Hamburg. Freischreiber setzt sich auch bei der kommenden Mitgliederversammlung der VG Wort in München für einen rechtskonformen Verteilungsplan und eine zukunftsfähige Verwertungsgesellschaft Wort ein.

Grundsätzlich geht die neue Beschlussvorlage Des VG-Wort-Vorstands in die richtige Richtung. „Endlich ist die VG Wort bereit, das BGH-Urteil weitgehend umzusetzen“, sagte der Vorsitzende des Verbands, Benno Stieber. Die neue Beschlussvorlage, die die VG Wort Mitglieder in der vergangenen Woche erreicht hat, enthält strenge Regeln, wann kleinen Verlagen bei drohender Insolvenz eine Rückzahlung gestundet werden darf. Die Verleger müssen eine drohende Insolvenz belegen, bei hohen fälligen Summen muss sogar ein Wirtschaftsprüfer eingesetzt werden. Bei diesem Verfahren stand der Verteilungsvertrag der VG Bild/Kunst Pate. Das sei ein Erfolg der Kritiker, so der Freischreiber-Vorsitzende.

Die Verbesserungen im Verteilungsplan hatte der Vorstand der VG Wort in die neue Beschlussvorlage eingearbeitet, nachdem der ursprüngliche Entwurf bei der Mitgliederversammlung durchgefallen war. In der Zwischenzeit hat die VG Wort die Verlage zur Rückzahlung der zu unrecht ausgezahlten Tantiemen aufgefordert. „Der Blockade-Vorwurf, den uns VG Wort Mitglieder und die Presse gemacht haben, war also bloße Propaganda, erklärt Stieber.

Weiterhin wendet sich Freischreiber gegen das vorgesehene anonymisierte Abtretungsverfahren, bei dem Urheber auf die ihnen rechtmäßig zustehenden Tantiemen zu Gunsten der Verlage verzichten können. Welche Gefahren ein solches Verfahren birgt, zeigen Veröffentlichungen des Börsenvereins, wie auch der Verbände der Presseverleger, die ihren Mitgliedern bereits Strategien empfehlen, wie sie Autorinnen und Autoren zur Abtretung drängen können. „Diese Empfehlungen zeigen, wie verlogen die angebliche Koexistenz von Verwertern und Urhebern schon lange ist“, sagte Stieber. Es wird Zeit, eine respektvolle Geschäftsbeziehung auf Augenhöhe zwischen Autoren und Verwertern herzustellen, so Stieber.

Darüber hinaus haben Mitglieder des Verbands der Freien Journalistinnen und Journalisten einen Änderungsantrag eingebracht, der Verjährungszinsen für säumige Verlage im Rückzahlungsplan vorsieht. „Es kann nicht sein, dass die Verlage durch die Stundung ein zinsloses Darlehen auf Kosten der Urheber erhalten“, erklärt Stieber.

Freischreiber wird weiter dafür streiten, dass das Urteil des Bundesgerichtshofs zu Gunsten der Urheber von der VG Wort in vollem Umfang umgesetzt wird. Zu den weiteren Perspektiven erklärt der Verband: „Etwaige Gesetzesvorhaben in Berlin oder Brüssel müssen berücksichtigen, dass die Verleger nur Geld aus der VG Wort erhalten können, wenn sie zuvor auch Rechte eingebracht haben. Eine Beteiligung auf Kosten der Urheber lehnt Freischreiber ab.“

Zur Kritik, die Rückzahlungen an die Urheber brächten kleine Verlage mit anspruchsvollem Programm an den Rand der Insolvenz erklärt Stieber: „Es kann nicht sein, dass kleine Verlage auf dem Rücken oft schlecht bezahlter Urheber gerettet werden sollen. Da muss sich die Politik etwas anderes einfallen lassen.“ Denkbar wäre etwa ein Fördersystem wie in der Filmwirtschaft. 

Warum engagiert sich Freischreiber bei der VG Wort? Der Verband freier Journalistinnen und Journalisten, von denen viele auch Sachbücher schreiben, geht davon aus, dass Verlage für Urheber in der digitalen Welt tendenziell weniger wichtig werden, der Anteil von Tantiemen für Nutzungsrechte als Einkommensquelle für freischaffende Journalisten dagegen tendenziell wichtiger wird. „Dafür brauchen wir eine moderne VG Wort, die sich dieser Aufgabe stellt”, erklärt Stieber.

22. November 2016

Anhang: Antragstext (PDF)

 

Zum Lesen möchten wir auch folgenden Text von Freischreiber Wolfgang Michal empfehlen:
“25 Prozent der Verlage stehen vor dem Ruin, wenn die Autoren das Geld zurückverlangen, das ihnen laut BGH-Urteil zusteht. Mit solchen Alarmmeldungen will der Börsenverein des deutschen Buchhandels die Abgeordneten zwingen, die jüngsten Gerichtsentscheidungen zu revidieren.” Hier geht’s zum Text: “#FakeNews jetzt auch im Feuilleton”