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Gruner + Jahr: Freischreiber fordert rechtssichere Rahmenbedingungen für Freie

Freischreiber fordert von Gruner + Jahr, gemeinsam mit den freien Mitarbeitern nach Lösungen zur Weiterbeschäftigung zu suchen und die Verantwortung für die Verlagsstrategie nicht länger auf die Chefredakteure abzuwälzen.

Im Dezember 2014 verschickten wir an Julia Jäkel unsere CD mit Redaktionsgeräuschen, damit sie sich nach der Entlassungswelle nicht so einsam fühlt. Wir hatten uns getäuscht, denn einsam war niemand. Die entlassenen Redakteure wurden schnell durch freie Redakteure ersetzt. Schönheitsfehler dieser vermeintlichen Strategie: Sie ist rechtswidrig. Wer Freie beschäftigt, darf sie nicht nahezu Vollzeit arbeiten lassen und fest in die Redaktionsabläufe einbinden, sonst sind sie scheinselbständig, und der Arbeitgeber betrügt die  Sozialkassen.

Schwer vorstellbar, dass man das in der Rechtsabteilung von G+J nicht gewusst hat. Man hat wohl gehofft, dass der Zoll nicht so genau hinschaut, so wie es in der Branche jahrelang üblich war.

Bei einem Treffen mit den Verlagsabgesandten Andreas Petzold vom stern und Stefan Waschatz (Personalchef) – das zunächst mehrfach abgelehnt wurde und erst auf hartnäckiges Bitten der freien Kollegen stattfand – wurde erklärt:

– Ansprechpartner der freien Kollegen für die Umstrukturierung seien die Chefredakteure

– eine vollständige Übersicht über die Umstrukturierung gebe es erst Ende März. Ein Stichtag zum 1. April, ab dem keine Freien mehr im Haus beschäftigt werden sollen, existiere gar nicht

Aus unserer Sicht wenig glaubwürdig. Erstens ist die Verlagsstrategie Sache der Verlagsleitung, nicht der Chefredakteure, die die laufenden Produktionen sichern müssen.

Zweitens: Es werden längst Fakten geschaffen. Viele freie Kollegen werden schon jetzt nicht mehr gebucht und müssen sich neue Auftraggeber suchen. Anderen wurde explizit von ihren Chefredakteuren mitgeteilt, dass sie ab dem 1. April nicht mehr für ihre Redaktion arbeiten werden.

Freischreiber fragt:

– Warum wälzt die Verlagsleitung die Verantwortung für den Umgang mit freien Mitarbeitern auf die Chefredakteure ab?

– Wie verhält es sich wirklich mit diesem Stichtag 1. April, ab dem keine Freien mehr im Haus beschäftigt werden sollen?

– Wer übernimmt für dieses Missmanagement auf dem Rücken der Freien die Verantwortung?

Freischreiber fordert:

– Gruner + Jahr muss jetzt rechtssichere Rahmenbedingungen für Freie schaffen.

– Der Verlag muss für jene Kollegen, die nahezu in Vollzeit für den Verlag arbeiten, nun tarifgebundene Anstellungsverträge anbieten, bei denen sie angemessen nach ihrer Berufserfahrung eingruppiert werden.

–  Der Verlag muss freien Kollegen Teilzeitverträge oder Werkverträge anbieten, die ihnen weiterhin Raum für freie Tätigkeiten lassen, etwa für ihre Arbeit als Autoren.

Unsere Pressemitteilung vom 9.2.2016: FREISCHREIBER zu G+J