Hallo, ihr Zeitungssubventionierer!

In der Schweizer Medienwoche steht ein aufschlussreiches Interview mit dem Leiter des Feuilletons der Neuen Zürcher Zeitung, Martin Meyer. Der hatte vor einiger Zeit gesagt, es sei „eine Ehre“, für die NZZ zu schreiben, auf das Honorar komme es nicht an. „Können Sie sich vorstellen“, lautete die Frage an Meyer, „dass das ein Affront ist für einen Journalisten, der versucht, sein Geld auf dem freien Markt zu verdienen? Meyers Antwort: „Ich versuche zu erklären, was ich damit – übrigens ohne jede Provokation gegenüber freien Journalisten – gemeint habe, da es zu Missverständnissen Anlass gab. Feuilleton-Berichterstattung ist sehr aufwändig. Wenn Sie ein Buch besprechen müssen, sagen wir: von 500, 1000 oder sogar 1700 Seiten wie das neue von Péter Nádas, dann müssen Sie sich überlegen, wie lange sie brauchen, um das zu lesen. Sie kommen auf eine Woche, vielleicht zwei. Dann erstellen Sie sich ein Schreibkonzept für die Rezension, schreiben den Text, polieren und redigieren ihn. Am Schluss haben Sie sicher einen halben Monat investiert. Auch wenn Sie den Stundenlohn einer Putzfrau einsetzen, kommen Sie auf eine Summe, die wir nie zahlen könnten, weil wir unter Umständen drei, vier, fünf solche Rezensionen täglich im Blatt haben. Darum sind wir auf Idealisten angewiesen, die sich das leisten können und wollen, und das sind eigentlich sehr viele, die für uns schreiben. Ohne diese Schar von freien Mitarbeitern, die bereit sind, auf eine normale Entlöhnung zu verzichten, könnten wir unser Feuilleton gar nicht machen. Ergo: Diese Art von Feuilleton wird mindestens teilweise von unseren freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern subventioniert. Ich kann und darf deshalb ergänzen: Es ist uns eine Ehre, dass diese Kolleginnen und Kollegen für uns tätig werden.“ Mal ehrlich: So klar und ironiefrei hat das noch keiner formuliert.