Hilfe, die Steuer! (I)

Manche Fragen tauchen in der Freischreiber-Steuerhotline besonders häufig auf. Deshalb verdienen sie einen eigenen Blogeintrag, geschrieben von unserem Steuerberater Rüdiger Schaar. Heute geht es um die Frage: Wann gilt für freie Journalisten eigentlich welcher Steuersatz? Im Prinzip ist die Sache ganz einfach, denn speziell für Journalisten gibt es eine vereinfachte Steuerregelung: Sie dürften grundsätzlich den ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent anwenden. Im Detail gibt es aber Fallstricke. • Wann gelten die 7 Prozent? Tätigkeiten, bei denen Rechte eingeräumt, übertragen oder wahrgenommen werden, müssen nach dem Umsatzsteuergesetz mit dem ermäßigten Umsatzssteuersatz von 7 Prozent abgerechnet werden. Hierzu zählen bei Journalisten u.a. Kommentare zu politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, technischen und religiösen Ereignissen und Entwicklungen, Kunstkritiken einschließlich Buch-, Theater-, Musik-, Schallplatten- und Filmkritiken sowie Reportagen, die über den bloßen Bericht hinaus eine kritische Würdigung vornehmen. Und entgegen häufiger Meinungen besteht auch bei Werbetexten und Pressemitteilungen urheberrechtlicher Schutz und somit kommt es auch hier zur Anwendung des ermäßigten Steuersatzes. Kein urheberrechtlicher Schutz besteht hingegen bei Tatsachennachrichten und Tagesneuigkeiten, es sei denn, sie haben durch eine individuelle Formgebung Wertcharakter erlangt – eigentlich wären hier also 19 Prozent Umsatsteuer fällig. Damit aber die Abgrenzung nicht zu schwer fällt, greift die besagte Vereinfachungsregelung: Journalisten dürfen auf ihre Leistungen aus journalistischer Tätigkeit grundsätzlich den ermäßigten Steuersatz anwenden, also alle Texte mit 7 Prozent Umsatzsteueraufschlag in Rechnung stellen. • Wann gelten 19 Prozent? Journalisten, die lediglich Daten sammeln und ohne redaktionelle Bearbeitung weiterleiten – z.B. Kurs- und Preisnotierung, Börsennotizen, Wettervorhersagen, Rennergebnisse, Fußball- und andere Sportergebnisse, Theater-, Opern- und Kinospielpläne sowie Ausstellungs- und Tagungspläne-, haben ihre Leistungen nach dem allgemeinen Steuersatz zu versteuern. Auch ist der normale Umsatzsteuersatz u.a. bei einer Lektorentätigkeit, bei der Veranstaltung einer Pressekonferenz, Moderationen oder Dozententätigkeiten zu berechnen. • Lehren, Moderieren, Beraten und andere Zweifelsfälle Redaktionseinsätze auf Honorarbasis werden mit 7 Prozent versteuert, wenn Texte verfasst werden und das Urheberrecht übertragen wird. Bei Arbeiten, in deren Rahmen keine Urheberrechte übertragen werden, wie zum Beispiel als Textchef, CvD oder beim Redigieren von Fremdtexten, gelten 19 Prozent. Für Moderationen und Vorträge gelten grundsätzlich 19 Prozent. 7 Prozent sind denkbar, wenn die Moderation im Radio gesendet wird und sich „von der Masse alltäglichen Geplauders durch eine gefällige Form“ abhebt. Für die Teilnahme an Podiumsdiskussionen werden 19 Prozent fällig. 7 Prozent sind denkbar, wenn der Ablauf der Podiumsdiskussion in einer Fachzeitschrift abgedruckt oder in Radio oder Fernsehen gesendet wird. Konzepte (für Texte, Reihen, Magazine oder PR-Maßnahmen) benötigen 19 Prozent, da keine Urheberrechte übertragen werden. Für Dozententätigkeiten gelten 19 Prozent. Wenn der Träger für einen Beruf ausbildet, kann es sein, dass dieser von der Umsatzsteuer befreit ist. Beratung von Redaktionen oder Einzelberatung und –coaching sind keine klassische Journalistentätigkeit. Sie gehören eher in den Bereich der Unternehmensberatung und werden daher mit 19 Prozent versteuert. Für Lektorat stätigkeiten gelten ebenfalls 19 Prozent. • Gesetzesvorhaben zur Mehrwertsteuer Wie lange die besagten Regelungen allerdings noch Bestand haben, ist derzeit nicht vorhersehbar. Laut einem Gutachten, das die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat, könnte die Steuer-Ermäßigung nämlich bald kippen: Das Gutachten kam zum Ergebnis, dass außer im Bereich der Lebensmittel der ermäßigte Steuersatz nicht begründbar sei. Auch der Bundesrechnungshof hatte die Auswahl der Produkte und Leistungen, bei denen der ermäßigte Steuersatz anzuwenden ist, als unübersichtlich und willkürlich bezeichnet. Ob und wann dieses Gutachten in das Gesetz einfließt, ist unklar. Vorerst wird sich eine Kommission mit dem Gutachten und mit den Anmerkungen des Rechnungshofes beschäftigen. Die Besetzung ist derzeit noch unklar. Laut Koalitionsvertrag soll spätestens 2013 ein Ergebnis vorliegen. ––– Rüdiger Schaar ist Steuerberater. Er hat das kostenlose Informationsportal zum Steuerrecht und zur Künstlersozialkasse www.medienvorsorge.de ins Leben gerufen und steht Freischreiber-Mitgliedern im Rahmen einer Hotline bei Steuerfragen zur Verfügung.