Hölle-Kandidat Nr. 2: NZZ

Freischreiber nominiert die Neue Zürcher Zeitung für den Hölle-Preis 2018.

Begründung: Helmut Schmidt soll einmal gesagt haben, er lese lieber gleich die NZZ als die Auslandsberichte des Bundesnachrichtendienstes. Keine Frage: Wer NZZ liest, ist informiert. Und doch steht eine Nachricht garantiert nicht in diesem Blatt: wie Freie bei der altehrwürdigen Schweizer Tageszeitung ausgenommen werden.

Dass Tageszeitungen die Beiträge ihrer Freien weiterverkaufen und damit gut verdienen, ist heutzutage schon fast Standard.  Zumindest aber können die Freien das Gleiche tun und ihre Texte ebenfalls anderen Zeitungen zur Zweitverwertung anbieten.

Nicht so bei der NZZ: Hier nötigt ein Knebelvertrag die Freien dazu, ihr Urheberrecht „vollumfänglich“ abzutreten. Wer einen Text einmal in der NZZ publiziert hat, darf dies nirgendwo anders mehr tun.

Für eine solch umfangreiche Rechteabtretung dürfte man ein ordentliches Honorar erwarten. Und in der Realität? Gibt’s in manchen Ressorts gerade mal knapp über 600 Euro für eine komplette Seite. Rechercheaufwand: eine Woche. Oder länger.

Die NZZ hat sich einen guten Ruf erworben, weil sie auch vor investigativen Recherchen nicht zurückschreckt. Wünschenswert wäre es, wenn die Zeitung den gleichen Eifer bei der Abschaffung ihrer eigenen Missstände an den Tag legen würde.

Hier geht´s zum Nominierungstext als pdf.

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Freischreiber e.V. vergibt einmal im Jahr den Himmel- und Hölle-Preis. Er geht an Redaktionen, Personen, Verlage oder andere Unternehmungen, die sich im vergangenen Jahr für die Belange des freien Journalismus eingesetzt bzw. zum Schaden des Berufsstandes beigetragen haben. Hier geht es zu den Statuten. Und hier zu den Nominierten für den Himmel-Preis 2018. Die Preisverleihung findet mit der Bekanntgabe der Preisträger am 17. November in Berlin zusammen mit der Gala “10 Jahre Freischreiber” statt.

24. Oktober 2018