Hölle-Kandidat Nr. 3: WDR

Freischreiber nominiert den WDR für den Hölle-Preis 2018.

Begründung: Einmal Zusatzleistung umsonst, bitte! Printjournalisten klagen schon länger darüber, dass sie auch Fotos, Social-Media-Texte und andere Zusätze mitliefern sollen. Meist für umme oder zumindest für ein weitaus geringeres Honorar, als es ein Fotograf oder Social-Media-Redakteur bekommen würde. Beim Rundfunk gibt es ähnliche Entwicklungen: selbst drehen, selbst schneiden, selbst vertonen, Sendungen selbst fahren. Und das teilweise sogar komplett unbezahlt: Freie Fernsehautoren beim WDR bekommen für selbst geschnittene Kurzbeiträge kein Extrahonorar. Wir finden: Der kostenlose Selbstschnitt ist auch ein Einschnitt, und zwar ein nicht tolerierbarer. Auch im Hinblick auf die Cutter-Kolleginnen und -Kollegen.

WDR-Autoren bekommen für den Eigenschnitt gerade mal 10,5 Prozent Honorar extra, 12,5 Prozent bei eigener Schnitt-Software-Technik. Für alles unter einer Minute gibt es gar nichts. Null. Niente. Nada. Im Sommer dieses Jahres haben WDR und die Gewerkschaften ver.di und DJV die „Vergütung“ von Eigendreh und Eigenschnitt ganz offiziell per Tarifvertrag abgesegnet. Unseren Segen haben sie nicht. Wer selbst schneiden und drehen möchte, nur zu. Wir lieben kreative Journalistinnen und Journalisten. Aber bitte nicht kostenlos.

Hier geht´s zum Nominierungstext als pdf.

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Freischreiber e.V. vergibt einmal im Jahr den Himmel- und Hölle-Preis. Er geht an Redaktionen, Personen, Verlage oder andere Unternehmungen, die sich im vergangenen Jahr für die Belange des freien Journalismus eingesetzt bzw. zum Schaden des Berufsstandes beigetragen haben. Hier geht es zu den Statuten. Und hier zu den Nominierten für den Himmel-Preis 2018. Die Preisverleihung findet mit der Bekanntgabe der Preisträger am 17. November in Berlin zusammen mit der Gala “10 Jahre Freischreiber” statt.

24. Oktober 2018