In die Kriminalität gedrängt

Neulich saß ich in einem Saal des Bremer Amtsgerichts. Verhandelt wurde der Fall eines jungen Mannes, dessen Leben seit Jahren eine einzige Tragödie ist. Manchmal ist er clean, meistens aber braucht er harte Drogen. Angeklagt war er wegen eines Banküberfalls und weil er sieben Päckchen Tabak der Marke “Schwarzer Krauser” im Wert von 34,20 Euro entwendet hatte. Den wollte er rauchen, die Kohle aus dem Banküberfall brauchte er für Stoff. Beschaffungskriminalität nennt man das. Mit mir saß eine Kollegin in der Verhandlung, die als Freie für eine kleine nordwestdeutsche Tageszeitung schreibt. In einer Pause fragte ich, was sie verdiene mit der Gerichtsreportage. Sie sagte, sie bekomme eine Pauschale. Normalerweise 35 Euro, wenn die Verhandlung länger dauere auch mal 45 Euro. Uff. Wir saßen drei Stunden in dem Saal. Als das Urteil verkündet war, hatte sie noch keine Zeile geschrieben. Sie ging dann schnell nach Hause. Wahrscheinlich, um nicht noch mehr Zeit vergehen zu lassen. Bis dahin konnte sie bei einem Pauschalhonorar von 35 Euro mit 11,66 Euro Stundenlohn rechnen. Jede Stunde mehr würde dieses Taschengeld weiter senken. Ich konnte die Kollegin nicht mehr fragen, ob sie da nicht auch manchmal an Beschaffungskriminalität denke.