Kommt es zum "Brain Drain"?

Der Unmutspegel unter freien Journalisten steigt. Geärgert haben sie sich zwar oft, aber nun fressen sie ihren Ärger nicht länger in sich hinein: Sie protestieren laut und vernehmlich. Wie zuletzt Freischreiber-Mitglied Matthias Spielkamp. Beim „Publishers Forum“ in Berlin hielt Spielkamp Ende April eine zornige Rede, die deutlich macht, dass die Hinnahmebereitschaft freier Journalisten nicht endlos ist. Spielkamp wirft den Presseverlegern Doppelzüngigkeit vor: In Sonntagsreden beschwören sie gern die Wichtigkeit des Qualitätsjournalismus, doch werktags schaffen sie Bedingungen, die ihn aktiv verhindern. Die Verlage, so Spielkamp, erzeugen damit einen massiven „Brain Drain“. Durch arrogantes und unfaires Verhalten sorgen sie dafür, dass sich die besten und engagiertesten Journalisten allmählich von ihnen abwenden. „Journalismus, der seinen Namen verdient“, mahnt Spielkamp „wird sich immer seinen Weg suchen. Dass er in dem historisch begrenzten Zeitraum der letzten Jahrzehnte, in dem politisch begrenzten Raum, den demokratisch verfasste Länder darstellen, in Verlagen stattgefunden hat und zu einem großen Teil noch stattfindet, ist keine Notwendigkeit. Verlage haben einfach das beste Umfeld für Journalismus geboten.;Sobald sie das nicht mehr tun, wird Journalismus woanders stattfinden.“