„Mein Hirn ist immer noch voller Humus“ – Freischreiber pflanzen Bäume

Ein Wochenende lang raus aus dem Alltag und rein in die Natur. Etwas mit den Händen erschaffen. Dabei andere Journalisten kennenlernen. Reden, lachen, miteinander arbeiten. Und am Ende des Wochenendes stehen 900 neue Weißtannen im bairischen Bergwald, von Freischreibern und ihren Freunden gepflanzt. Das klingt reichlich versponnen? War es vielleicht auch. Denn die Freischreiber waren im Wald! Auf Einladung des Bergwaldprojekts haben zwölf Medienmenschen aus ganz Deutschlandein Wochenende lang die Schreibtische gegen Wiedehopf-Hauen und Pflanzsäcke eingetauscht. Eine Jagdhütte im Allgäu war ihr Zuhause, der Bergwald der Bayerischen Staatsforsten ihr Einsatzgebiet. Freischreiber engagieren sich – ausnahmsweise mal nicht für den Journalismus, sondern für den deutschen Wald. Wie das so war? „Mein Hirn ist immer noch voller Humus, Mineralböden und Zersetzungsaromen, die Erwerbsarbeit lahmt. Spricht dafür, dass es ein super Wochenende war“, schreibt der Münchner Freischreiber Jörg Spaniol im Rückblick. Und sein baden-württembergischer Kollege Jens Eber ergänzt: „Ich kann Jörg nur zustimmen. Schon den ganzen Vormittag ertappe ich mich dabei, verzückt noch Reste vom Bergwald unter den Fingernägeln zu finden, dabei auf den Kalender zu starren und zu überlegen, wann ich denn mal wieder so beherzt im Boden wühlen könnte.“ Bergromantik unter Hirschgeweih also? Klar, die gab es zuhauf. Aber das war nicht alles. Das Bergwaldprojekt, dessen Einladung die Freischreiber gefolgt sind, hat sich der politischen Umweltarbeit und dem gesellschaftlichen Engagement verschrieben. Und deshalb wurde viel diskutiert: über Sinn und Unsinn der Jagd etwa, über die miesen Machenschaften der Outdoor-Branche, über die Grenzen der Wohlstandsgesellschaft oder die Vision eines Bürgerwalds. Dass der Berliner Kollege Frank Brunner noch bis nachts um 2 Uhr auf der Treppe saß und einen Text in sein Smartphone tippte, hatte allerdings andere Gründe: Das Hauptstadtbüro von Spiegel Online wartete auf eine Geschichte des Rechtsextremismus-Experten. Am Ende der Projekttage stand fest: Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Freischreiber im Wald war. Für 2012 ist bereits eine Wiederholung geplant. Wer dabei sein möchte, kann jetzt schon eine Mail an Andrea Mertes von den Münchner Freischreibern schicken. Und wird dann rechtzeitig