Nominiert für die Hölle: DuMont Schauberg

Am 22.4. verleiht Freischreiber den Himmel- und Höllepreis 2016. Hier begründen wir die Nominierung von Hölle-Kandidat DuMont Schauberg. (PDF)

DuMont Schauberg war einmal ein Familienunternehmen, in dem Journalisten geachtet wurden. In fetten Jahren ist das einfach. Trotzdem steht auch hier der Verdacht im Raum, in den letzten Jahren freie Mitarbeiter beschäftigt zu haben, als wären sie Angestellte. Von den Einsparungen bei den Sozialabgaben hätte dann das Unternehmen profitiert. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln (Aktenzeichen 112 UJs 2/15) wegen Scheinselbstständigkeit.

Unter dem Druck des Gesetzgebers will der Verlag diese Fehlentwicklung nun korrigieren. Allerdings erneut zulasten der betroffenen Freien. Die taz berichtet davon, dass den bisher frei Arbeitenden auf ein Jahr befristete Verträge angeboten wurden – bei einer Bezahlung, die weit unter dem bisherigen Honorar liegt. Laut Betriebsrat ist von Bruttogehältern von 1.800 Euro bei 40 Wochenstunden die Rede. Damit das außerhalb des Tarifs überhaupt möglich ist, werden die bisher Freien nach übereinstimmenden Medienberichten in einer tariffreien Tochtergesellschaft angestellt.

Unterirdische Vertragsbedingungen für Journalisten, die zum Teil schon seit Jahren für das Haus arbeiten, findet Freischreiber. Gute Chancen für DuMont Schauberg auf den Höllepreis 2016.

Die Preisverleihung findet am 22. April 2016 um 20 Uhr im Betahaus Hamburg (Eifflerstraße 43) statt. Alle Nominierungen hier.

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Marvin Schade berichtet bei meedia:
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