Nominierungen für den Himmelpreis 2017

Für einen Platz im Freischreiber-Himmel sind in diesem Jahr zwei Personen nominiert, die sich in besonderer Weise für freie Journalistinnen und Journalisten engagiert haben: Sandra Uschtrin und Konrad Schwingenstein.

Sandra Uschtrin / Uschtrin Verlag

Das BGH-Urteil war kaum bekannt geworden, da wurde landein, landaus das Massensterben der Verlage beweint, welches das Urteil unweigerlich nach sich ziehen würde. Wir erinnern uns: Martin Vogel hatte erfolgreich dagegen geklagt, dass die VG Wort jahrelang widerrechtlich Tantiemen an Verlage ausgeschüttet hatte. Viele Verlage stimmten in das große Jammern mit ein und verschickten Bettelbriefe an ihre Autoren, diese mögen doch auf das ihnen zustehende Geld verzichten, um so den Verlag vor dem sicheren Konkurs zu bewahren, und dergleichen Dinge mehr. Gerade die kleinen Verlage schienen betroffen zu sein, als es darum ging, Geld zurückzuüberweisen, das ihnen nie gehört hatte.
Kleine unbeugsame Streiter, die sich positiv vom allgemeinen Gejammer abheben, sind uns natürlich per se sympathisch. Die Reaktion des Uschtrin Verlags auf das Urteil finden wir nicht nur sympathisch, sondern himmelpreiswürdig.

Denn umgehend postete Verlegerin Sandra Uschtrin auf Facebook folgende Selbstverständlichkeit: „Gleich überweise ich die 8.185,16 Euro, die die VG WORT fälschlicherweise in den Jahren 2012 bis 2015 an meinen Verlag gezahlt hat. Ich habe damit kein Problem. Denn dieses Geld steht den Autorinnen und Autoren zu, ohne Wenn und Aber. Und weil die VG WORT mir (und allen anderen Verlagen) dieses Geld in diesen Jahren nur unter Vorbehalt ausgezahlt hat, habe ich es selbstverständlich nicht ausgegeben und kann es jetzt problemlos zurückzahlen. Ich kann AutorInnen nur raten, keine Verzichts-/Abtretungserklärung zu unterschreiben.“

Der Text zur Nominierung von Sandra Uschtrin als PDF

Konrad Schwingenstein / August Schwingenstein Stiftung

Wenn in unserer Branche Mäzene auftreten, vergeben sie oft Stipendien oder fördern Bildungsveranstaltungen. Das ist verdienstvoll, aber es gibt nur wenige wie Konrad Schwingenstein, die sich den Fragen des Medienwandels stellen und ihn damit auch mitgestalten.

Angefangen hat Konrad Schwingenstein, Enkel eines der Gründer der Süddeutschen Zeitung, mit der Plattform „Torial“, auf der sich freie Medienleute sehr elegant ein aussagekräftiges Profil erstellen können. Dann kam Piqd, eine Plattform für handverlesenen Journalismus, die „Clickbaiting“ journalistische Substanz entgegenstellt und zudem ihre Piquer angemessener bezahlt als viele Verlagshäuser. Außerdem kümmert sich die Schwingenstein Stiftung mit der Torial Academy um zeitgemäße Fortbildung für Journalistinnen und Journalisten und einen Debattenraum für die Zukunft des Journalismus.

Konrad Schwingenstein sagt: „Wir arbeiten an zukunftsfähigen Konzepten und Modellen für Journalismus und seine Vermarktung.“ Und weil Journalismus für ihn dabei kein Kostenfaktor ist, sondern das eigentliche Anliegen, nominieren wir ihn auch in diesem Jahr für den Himmelpreis.

Der Text zur Nominierung von Konrad Schwingenstein als PDF

 

Die Preisverleihung findet am 29. April in Frankfurt statt. Weitere Informationen zur Preisverleihung hier.