Print-Hund und Netz-Katz: Die Ewig-Gestrigen verschlafen die Entwicklung

Journalismus und Internet – das ist noch immer ein Verhältnis wie Hund und Katz. Die einen bellen wie die Verrückten gegen die lächerlichen Internetstubentiger an, den anderen sträuben sich sämtliche Nackenhaare, wenn sie an die hundsföttische Presse nur denken. Kein Jubiläum einer großen Tageszeitung, einer Journalistenakademie, eines Medienkonzerns, keine Preisverleihung und kein Mediendisput kommen heute ohne ein ausführliches (und meist einschleimendes) Lob des Qualitätsjournalismus aus – bei gleichzeitiger Verächtlichmachung von Blogs, sozialen Medien und Datenkraken. Und im Netz? Sobald Journalisten dort für mehr Qualitätsjournalismus plädieren, beißen die Trolle wild um sich und schleudern ihre üblichen Invektiven gegen den gekauften und verrotteten „Scheißjournalismus“. In der feinen Bucerius Law School in Hamburg hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann jetzt anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Akademie für Publizistik erneut das Hohelied des Qualitätsjournalismus gesungen, das geplante Leistungsschutzrecht der Presseverleger als Schutzschild dieses Qualitätsjournalismus verkauft, und die altruistischen Blogger (Ausnahme: Niggemeier) als resonanzlos verhöhnt. Es ist schon bezeichnend, dass die unterirdischen Honorarsätze dieser Qualitätsmedien bei solchen Veranstaltungen selten zur Sprache kommen, und dass den Medienzirkus-Veranstaltern, wenn sie an Internet-Journalismus denken, immer nur Stefan Niggemeier einfällt. Der Ärmste muss inzwischen (gemeinsam mit Sascha Lobo) auf sämtlichen Podien dieser Republik „das Netz“ repräsentieren, die keynotes speaken und die Qualitäts-Jurys bereichern. Wären all diese Qualitätsverfechter auf dem Zukunftskongress der Freischreiber gewesen, hätten sie vielleicht erfahren, dass die Entwicklungen längst über die alten Kratz- und Beißreflexe von Print-Hund und Netz-Katz hinweggegangen sind. Update: Freischreiber-Mitglied Stefan Niggemeier hat sich inzwischen zu seinen “falschen Freunden” geäußert