Radio: „Systemwechsel“ zu Lasten der Freien?

Während die freien Radiojournalisten mit den Sendern noch um Mehrwertsteuer und Bruttohonorare streiten, droht bereits neuer Ärger: Auf seinem Freienblog meldet der djv, dass die öffentlich-rechtlichen Sender „einen grundsätzlichen Wechsel im Vergütungssystem“ anstreben. „ An die Stelle von Übernahme- und Wiederholungsvergütungen sollen Zahlungen für zeitlich begrenzte Lizenzen treten.“ Das bedeutet: Innerhalb des vereinbarten Zeitraums darf ein Stück beliebig oft wiederholt oder von anderen Anstalten übernommen werden, ohne dass ein zusätzliches Honorar anfällt. Sollten die Sender diesen Systemwechsel bei den kommenden Verhandlungen über die Urheberrechtsverträge durchsetzen, wird sich der Saarländische Rundfunk wohl besonders freuen. Denn seit längerem übernimmt das SR2 Kulturradio vom Deutschlandradio Kultur die Reihen „Fazit“ und „Ortszeit“. Seit dem 7. März laufen auch die vom Deutschlandfunk produzierten Sendungen „Andruck – das Magazin für politische Literatur“ und „Das Kulturgespräch“ zeitgleich auf SR2. Nach dem neuen Modell würden freie Journalisten für die Zweitausstrahlung ihrer Beiträge kein Honorar mehr bekommen. Laut djv wollen die Gewerkschaften dem neuen Modell nur zustimmen, wenn gewährleistet ist, „dass Urheberinnen und Urheber sowie ausübende Künstlerinnen und Künstler (Mitwirkende oder auf Produktionsdauer Beschäftigte) insgesamt durch eine solche grundlegende Umstellung der Vergütungsstruktur nicht schlechter gestellt werden“. Wie diese Gewährleistung verankert werden soll, weiß bislang allerdings niemand.