Reden ist Silber, Nominieren ist Gold – Start für den Himmel-und-Hölle-Preis 2012

Nur noch acht Wochen sind es bis zum Jüngsten Gericht: Am Samstag, 24. November, schickt Freischreiber zum zweiten Mal besonders unfaire oder faire Redaktionen und Verlage in die Hölle beziehungsweise in den Himmel. Das Fegefeuer brennt in diesem Jahr in München. Dort findet die Preisverleihung statt, die wir im Anschluss mit einer großen Party feiern. Seit Mai sammelt unsere Vorjury Nominierungen, überprüft sie und recherchiert sie juristisch wasserdicht nach. In loser Reihenfolge stellen wir ab heute die für den Himmel oder die Hölle nominierten Kandidaten vor, aus denen die Hauptjury schließlich die Preisträger küren wird. Den Anfang macht ein Fall, der uns schon seit einiger Zeit beschäftigt. „Im Schattenreich der grauen Herren“ oder „Phantom der Presse“ lauten die Artikelüberschriften, wenn von der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) in Stuttgart die Rede ist. Tatsächlich weiß kaum jemand, dass dort der größte deutsche Abozeitungs-Konzern sitzt, dessen Reich von der Pfalz bis nach Oberbayern und vom Bodensee bis nach Frankfurt an der Oder reicht. Seit der Konzern im Jahr 2008 für über eine halbe Milliarde Euro die Mehrheit an der „Süddeutschen Zeitung“ übernahm, wird umstrukturiert, gebündelt, entlassen, gespart, outgesourct und weiterverwertet auf Teufel komm raus. SWMH-Verleger und Geschäftsführer Richard Rebmann sagt zu alledem seit Jahren nichts. Wenn es gar nicht anders geht, dementiert er oder erklärt sich für nicht zuständig. Interviews gibt der 54-Jährige, der auch Vizepräsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger ist, nur seinen eigenen Zeitungen. Man könnte sagen: Er scheut die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. Zu schweigen, die Dinge auszusitzen, scheint bei der SWMH Programm zu sein. Dass erfuhren auch 31 Reisejournalisten, die im Januar 2012 einen offenen Brief an die Redaktionsleitung von „Sonntag Aktuell“ schickten, die zur SWMH gehört. „Sonntag Aktuell“ dient seit drei Jahrzehnten im Süden der Republik den Abonnenten von drei Dutzend Zeitungen als siebte Ausgabe. Sie wird vom sogenannten Themenpool der „Stuttgarter Nachrichten“ produziert. Seit letztem Jahr liefert die Redaktion Texte und Fotos ihrer Autoren ohne eine weitere Vergütung an die „Münchner Abendzeitung“ und an ihr neues Reiseportal www.fernweh-aktuell.com. AGBs oder einen (Buy-Out-)Vertrag gibt es nicht, sondern nur eine Mail, in der die Autoren darüber in Kenntnis gesetzt wurden. Wir berichteten. „Im vergangenen Jahr blieben Anfragen in Sachen fernweh-aktuell.com unbeantwortet“, heißt es in dem Brief vom Januar. „Aber für ein solches Gespräch ist es ja noch nicht zu spät. Deshalb bitten wir Sie, mit den freien Autoren von Sonntag Aktuell einen konstruktiven Dialog zu beginnen.“ Bis heute, 28. August, gibt es keine Reaktion darauf. Offenbar ist der Chefredaktion dieses Anliegen schnurz. Statt die ganze Bande einfach nur zum Teufel zu schicken, wollen wir, der Verband:Freischreiber, nun die Chefredaktion der „Stuttgarter Nachrichten“ wegen der Verweigerung eines Dialogs für den diesjährigen Hölle-Preis nominieren.