Scheinselbstständigkeit im Journalismus: Workshop auf der #LiMA in Berlin

Vom 21. bis zum 26. September 2015 geht die Linke Medien Akademie (#LiMA15) unter dem Motto »De-Fragmentierung« in die nächste Runde. Auf dem Programm stehen Workshops, Vorträge, Debatten, Aktionen und Raum für Vernetzung rund um die theoretischen und praktischen Seiten der defragmentierten Medienlandschaft. Freischreiber ist mit einem Workshop zum Thema Scheinselbstständigkeit im Journalismus dabei.

Scheinselbständigkeit im Journalismus
Dienstag, 22.9.2015, 18-20 Uhr im Seminarraum 1.504
Humboldt Universität, Berlin

Es ist längst ein heimliches Massenphänomen: Viele freie Journalisten sind in Dienstpläne eingebunden, haben ein Büro und arbeiten in den Redaktionen, als seien sie angestellt. Was man als Problem der Verlage betrachten könnte, wälzen diese mitunter auf die freien Mitarbeiter ab: etwa mit rechtswidrigen Vertragsklauseln, befristeten Verträgen oder kurzfristigen Aufkündigungen der Zusammenarbeit. (Hier dazu die Freischreiber-Position zum Thema Scheinselbstständigkeit und für Mitglieder eine FAQ-Liste mit Antworten vom Freischreiber-Anwalt).

Es geht hier nicht um Kleinigkeiten. Beschäftigen Verlage Freie als wären sie Angestellte, begehen sie in vielen Fällen Sozialversicherungsbetrug. Auch können die Freien von Nachforderungen der Sozialkassen betroffen sein. Zudem geht es um Dumping-Honorare und die Einschränkungen, einen freien Beruf auch wirklich frei ausüben zu können. Wann Selbstständigkeit und wann eine abhängige Beschäftigung vorliegt, ist im Gesetz nicht klar definiert, insbesondere bei Print- und Onlinejournalisten kann niemand mit Sicherheit beurteilen, wo die Grenze verläuft. Arbeitsgerichte und Sozialversicherungsträger entscheiden in jedem Einzelfall anhand eines Kriterienbündels, wobei die Gewichtung von Gericht zu Gericht unterschiedlich sein kann.

In der Veranstaltung geht es zunächst um konkrete Fälle, Probleme und Auseinandersetzungen, die es in Bezug auf Scheinselbständigkeit im Journalismus gibt. Darauf wird die rechtliche Lage betrachtet und werden Möglichkeiten erörtert, wie für Freiberufler, Pauschalisten und Verlage/Medienhäuser damit umgehen können. Anschliessend soll diskutiert werden, wie Politik und Gesetzgeber hier gefordert sind.

Henry SteinhauLeitung: Henry Steinhau, freier Medienkultur-Journalist und Autor in Berlin, freier Redakteur bei iRights.info. Mitglied des ehrenamtlich arbeitenden Vorstands des Freischreiber e.V., Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten.

Programm der #LiMA15
Twitter: @LIMAticker