Springer redet von sozialverträglichen Personalveränderungen - doch die Freien kommen gar nicht vor

Für dieses Jahr sind die Bewerbungsfristen abgelaufen. Doch der Springer Verlag steht schon in den Startlöchern für den nächsten Hölle-Preis. Es kam, wie so oft bei Springer, für die Mitarbeiter überraschend: Der Konzern legt die Redaktionen von Welt, Welt am Sonntag (WamS), Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost zusammen. Die Ankündigung des Verlags klang enthusiastisch: Von Kostensenkung ist da die Rede, einhergehend mit einer Steigerung der journalistischen Qualität, von einem Erfolgsmodell, das branchenweit zum Vorbild geworden sei, von angeblich sehr guten Erfahrungen in der Vergangenheit. Aber gute Erfahrungen für wen? Für die Leser, die auf Vielfalt verzichten müssen, gewiss nicht. Auch nicht für die Redaktionen, die immer weiter ausgedünnt werden, so dass die Zeit für Recherche oft fehlt. Schon gar nicht für die freien Autoren, für die gilt: ein Text, ein Honorar, vielfache Nutzungen durch den Verlag. Abgeschlossen wird die frohe Kunde des Verlags durch einen Schlusssatz, der einen eigenen Absatz bilden darf und ganz für sich steht: “Notwendige Personalveränderungen werden sozialverträglich umgesetzt.” So wie in der Vergangenheit? Sprechen wir über die Vergangenheit. Über die Sozialverträglichkeit von Personalentscheidungen. Und Überraschungen im Hause Springer – wie war das noch? Ist noch gar nicht lange her, da kam der nette Herr Strunz von der WamS zum Abendblatt, aus der Hauptstadt nach Hamburg, das er ebenso provinziell fand wie das Blatt gestrig. Chefredakteur und Hanseat Menso Heyl war auf einen Posten mit unbestimmten Aufgaben verschoben worden, und Claus Strunz, der kleine Mann mit den großen Plänen, kam mitsamt Entourage angerauscht, um den Laden aufzumischen. Was er tat. Und zwar ordentlich. Kurz nach seinem Dienstantritt bat er nach der Mittagskonferenz alle Mitarbeiter, ihre Mails anzusehen. Mehr als ein Viertel der Belegschaft fand eine persönliche Einladung vor. Im Viertelstundentakt wurde den Kollegen vom netten Herrn Strunz erklärt, man habe leider keine Verwendung mehr für ihn oder sie, er oder sie möge bitte die persönlichen Dinge nehmen, den PC ausschalten, den Hausausweis abgeben, und sich nach Hause begeben. Er oder sie sei freigestellt. Sofort. Menschlich unschön, aber sozial verträglich? Einige der Kollegen standen kurz vor der Rente, doch andere hatten Kinder zu versorgen, Alleinerziehende waren darunter. Immerhin, man bot ihnen eine Abfindung. Von der können freie Journalisten nur träumen. Denn wenn Verlage über Sozialverträglichkeit reden, kommen die Freien meist gar nicht vor. So auch bei Springer. Wie man mit Freien umgeht, demonstrierte Strunz-Nachfolger Lars Haider: Als im Sommer dieses Jahres die Regionalteile des Hamburger Abendblatts für Harburg, Stade und Buxtehude im Zuge einer Umstrukturierung des Blatts zusammengelegt wurden, orientierte sich Haider offenbar an der Kommunikationsstrategie seines Vorgängers und kündigte 18 festen Freien Mitarbeitern und Pauschalisten am 10. August von jetzt auf gleich die Zusammenarbeit. Offiziell hieß es, so berichtete Newsroom, das Ende der eigenständigen Lokalteile sei “nicht mit einem Personalabbau in der Redaktion verbunden” gewesen. Woraus man nur schließen kann: Freie Journalisten zählen bei Springer nicht zum Personal. Was aber sind sie dann?