Wir können nicht mehr zahlen (I)

Bei einigen Blättern haben sie jetzt auch Gleichstellungsbeauftragte. Zum Beispiel bei einer großen Wochenzeitung. Man schrieb mir einen Brief, in dem stand: “Wir würden gerne Ihren Artikel XYZ in eine Ausgabe unserer nächsten Buchreihe übernehmen. Bitte unterschrieben Sie unten, dass Sie einverstanden sind – als kleines Dankeschön erhalten Sie ein Belegexemplar”. Ich schrieb zurück, der Verlag werde sicher verstehen, dass ich als Unternehmerin von einem “kleinen Dankeschön” nicht leben könne, weswegen ich nicht unterschreiben würde. Daraufhin rief eine freundliche Verlagsangestellte an. Sie: Wir finden Ihren Text so toll, er ist ein zentraler Bestandteil des Buchs. Sie müssen unterschreiben. Ich: Wenn Sie ein Honorar zahlen, können Sie den Text noch mal drucken. Sie: Leider ist für die Buchreihe kein Honorar für Autoren vorgesehen. Ich: Dann hat jemand offenbar falsch geplant. Sie: Nein, wir wollen damit gar kein Geld verdienen, das ist reines Marketing. Ich: Aber warum muss ich das Marketing des Verlags bezahlen? Sie: Naja, wissen Sie, wir wollen jetzt auch Festangestellte und Freie gleichstellen. Festangestellte bekommen ja auch nicht nochmal extra was, wenn ein Artikel zwei Mal erscheint. Ich: Prima, finde ich eine gute Idee. Das mit der Gleichstellung heißt dann ja wohl auch, dass ich demnächst Geld bekomme, wenn ich krank bin, und Geld, wenn ich in den Urlaub fahre, und wenn’s gut läuft sogar noch eine Gewinnbeteiligung, oder? Sie: schweigt.