Worüber Journalistenschüler und Spiegel-Leute in diesen Tagen so reden

Der Offene Brief, den 150 Journalistenschüler in dieser Woche an die deutschen Zeitungsverleger schickten, zieht Kreise. Bereits einen Tag nach ihrer Veröffentlichung hat die Online-Petition mehr als 1.100 Unterstützer gefunden (und hier kann man sie unterzeichnen). Mit der Bittschrift meldet sich eine Generation zu Wort, die aus den Ereignissen des letzten Jahres (Stichwort: Arabischer Frühling, Stéphane Hessel: Empört Euch!) etwas Entscheidendes gelernt hat: Man muss für seine Interessen einstehen. „Wer in Zukunft als Journalist bei einer Zeitung eingestellt wird“, schreibt der Journalisten-Nachwuchs, „soll nach den Plänen der Verleger bis zu 30 Prozent weniger verdienen als bisher.“ Damit werfen die Zeitungsverleger ihrer eigenen Zukunft den Fehdehandschuh hin. „Bei allem Respekt“, schreibt der Nachwuchs, „wir glauben, dass derzeit von den Universitäten und Journalistenschulen der am besten ausgebildete Journalistennachwuchs kommt, den es in Deutschland jemals gab. Viele von uns arbeiten seit Jahren zielstrebig auf einen Beruf als Reporter oder Redakteur hin. Wir haben schlecht bezahlte Praktika in Ihren Verlagen gemacht und jahrelang für Zeilengeld gearbeitet. Wir haben studiert, kennen uns in Spezialgebieten in Politik, Wirtschaft oder Kultur aus, haben Auslandserfahrung, sprechen mehrere Sprachen. Wir können schreiben, Videos drehen, kennen uns mit den Techniken des Web 2.0 aus. Wir sollen in den Verlagen Wochenenddienste schieben, Abendtermine wahrnehmen, uns tief in gesellschaftliche Probleme einarbeiten und Überstunden machen, die wir natürlich niemals bezahlt bekommen. Und jetzt soll auch noch das Einstiegsgehalt für junge Journalisten um 30 Prozent gekürzt werden? Wir sind Idealisten. Wir lieben diesen Beruf. Und wir glauben, dass Medien eine wichtige Rolle in der Demokratie spielen. Aber wissen Sie was? Wenn Sie die Löhne so drastisch senken, geben Sie uns das Gefühl, dass Sie nicht mehr so recht an den Journalismus glauben.“ Das mag stimmen. Vor allem die Regionalzeitungsverleger scheinen resigniert zu haben. Doch bei Spiegel-TV glaubt man noch fest an den Journalismus. Zwar schreiben die Mitarbeiter dort keine Petitionen, aber ein Whistleblower leakte jetzt die Gehaltsabrechnungen der angestellten Führungskräfte. Mit mutmaßlichen Jahressalären von 160.000 bis 350.000 Euro brauchen sich diese Topleute der Medienbranche (die „leider“ immer mehr Leute entlassen „müssen“) keine Sorgen um die gestiegenen Kantinenpreise zu machen. Und so ballt man auch bei Spiegel-TV die Faust (vorerst in der Tasche). Man möchte den bedrohten Kollegen zurufen: Empört euch! Habt endlich so viel Mut wie der Nachwuchs, der euch eines Tages ablösen wird! Update: Heute, am 14. Juli, starten die Nachwuchsjournalisten die Aktion “Worte sind wertvoll” in Augsburg. Also: Kommt alle da hin!